Nachrichten

Fairphone – die zweite Auflage kommt

Etwas mehr als drei Jahre hat es gedauert bis aus der Idee eines fair produzierten Smartphones, ein erwerbbares Produkt geworden ist. Inzwischen dürfen 25.000 Menschen ein Fairphone ihr eigen nennen. Hundertprozentig fair produziert ist es noch nicht, das räumt auch Bas van Abel, Designer und Gründer von Fairphone ein. Für die zweite Auflage sollen weitere Verbesserungen umgesetzt werden.

Amsterdam (csr-news) > Etwas mehr als drei Jahre hat es gedauert bis aus der Idee eines fair produzierten Smartphones, ein erwerbbares Produkt geworden ist. Inzwischen dürfen 25.000 Menschen ein Fairphone ihr eigen nennen. Hundertprozentig fair produziert ist es noch nicht, das räumt auch Bas van Abel, Designer und Gründer von Fairphone ein. Für die zweite Auflage sollen weitere Verbesserungen umgesetzt werden.

„Das Fairphone würde jeden herkömmlichen Vergleichstest verlieren, denn es gibt günstigere Smartphones, die leichter, schneller und ausdauernder sind“, so das Fazit der IT-Experten aus der c’t-Redaktion. Im Anschluss dann das „aber“, denn ein Fairphone ist kein normales Smartphone im Wettbewerb um schmaler, schneller, billiger, sondern ein Smartphone mit ganz eigenen Ansprüchen. Und die lauten vor allem Fairness, daher der Name, entlang der gesamten Wertschöpfungskette gegenüber der Umwelt, den beteiligten Mitarbeitern und auch den Kunden. Ob es wirklich unter besseren Arbeitsbedingungen hergestellt wurde, lässt sich nach Einschätzung der c’t-Rdakteure allerdings unmöglich sagen. „Ein Erfolg ist es trotzdem“, schreiben sie. „Denn die Macher vom Fairphone haben etwas erreicht, was andere Hersteller nicht gefordert hätten, beispielsweise die Einrichtung eines Sozialfonds für die Arbeiter“. Ein Smartphone besteht aus mehr als 1000 Einzelteilen, deren hundertprozentig fairer Werdegang kaum überprüfbar und manchmal auch nicht realisierbar ist. Beispielsweise war es van Abel und seinem Team nicht gelungen, für die erste Auflage ausreichend konfliktfreies Gold zu beschaffen. Für die zweite Auflage ist dies allerdings fest eingeplant. Erstmal konnte nur für Zinn und Coltan die konfliktfreie Herkunft sichergestellt werden. Damit setzt sich das Fairphone vom Wettbewerb ab, auch wenn immer mehr Hersteller, zuletzt Intel, ihre Rohstoffe aus konfliktfreien Quellen beziehen wollen. Häufig bedeutet konfliktfrei in diesem Zusammenhang aber nur, nicht aus dem Kongo. Also aus einer Region, in der vor allem bewaffnete Gruppen vom Verkauf der Rohstoffe profitieren.

Besonderen Wert legen die Macher des Fairphones auf Transparenz. So werden in einer Broschüre und einer Übersichtsgrafik sämtliche Kostenfaktoren aufgeschlüsselt. 325 Euro kostet ein Fairphone und davon gehen erstmal 56,50 Euro Mehrwertsteuer in die Staatskasse. Rund 185 Euro entfallen auf das eigentliche Produkt, knapp 130 davon gehen an den chinesischen Hersteller A’Hong für die Herstellung, zusätzlich werden fast zehn Euro in die fairen Arbeitsbedingungen investiert. Wie fair die tatsächlich sind, ist allerdings unklar. Nach Informationen der c’t entspricht die Situation der Arbeiter bei A’Hong den typischen Arbeitsbedingungen in China, also einer 60-70-Stunden-Woche, Fließband und keine Sozialversicherung. Zu einzelnen Verbesserungen hat sich die Betriebsleitung zwar durchringen können, allerdings nur für die Zeit der Fairphone-Produktion. Auf die Gehälter konnten die Fairphone-Macher keinen Einfluss ausüben, als Kompromiss wird deshalb in einen Sozialfonds eingezahlt. Am derzeitigen Erfolg kratzt das alles nicht, für die zweite Auflage liegen bereits über 29.000 Bestellungen vor. Im zweiten Quartal 2014 sollen diese ausgeliefert werden. Vielleicht mit einem anderen Versender, denn das Fairphone hier ausgerechnet auf GLS setzt, kam in Deutschland bei den Käufern nicht so gut an. Trotz aller Schwierigkeiten ist das Fairphone ein interessantes Projekt. Es zeigt, wie schwierig es ist, trotz intensiver Bemühungen, in einer arbeitsteiligen Welt ein vollkommen faires Produkt herzustellen. Ein Erfolg hat das Projekt allerdings, nie zuvor wurde so viel über das Thema Ethik und Technik gesprochen und geschrieben.

Hinterlassen Sie einen Kommentar