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Tariflöhne immer seltener im Niedriglohnbereich

Berlin (afp) – In Tarifverträgen werden immer seltener Stundenlöhne unter 8,50 Euro vereinbart. Im Dezember waren solche Niedriglöhne noch in zehn Prozent der tariflichen Vergütungsgruppen vorgesehen, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Im März 2010 hatte der Anteil demnach noch bei 16 Prozent gelegen.

Das WSI untersuchte für die Studie 4750 Vergütungsgruppen aus 40 Branchen. In 90 Prozent der Gruppen ist demnach ein Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro vorgesehen, in 79 Prozent der Fälle werden mindestens zehn Euro gezahlt. Mindestens 20 Euro Stundenlohn sind in zwölf Prozent der Vergütungsgruppen vereinbart.

Tariflöhne unter 8,50 Euro finden sich den Angaben zufolge in 23 Branchen, in acht von ihnen besonders häufig. Dazu zählen der Studie zufolge Landwirtschaft, Floristik und Erwerbsgartenbau ebenso wie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Auch im Friseurhandwerk, im Bewachungsgewerbe sowie bei Gebäudereinigern und im Fleischerhandwerk wird vergleichsweise oft weniger als 8,50 Euro gezahlt. In den ostdeutschen Bundesländern sind die Niedriglöhne häufiger als im Westen.

WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck erklärte, die Diskussion über einen allgemeinen Mindestlohn habe den Druck auf die Arbeitgeber erhöht, schon vor dessen Einführung höhere Tarifabschlüsse einzugehen. In letzter Zeit habe es „bemerkenswerte Tarifabschlüsse“ in Branchen gegeben, in denen die Gewerkschaften über Jahre kaum Fortschritte hätten durchsetzen können. Als Beispiele nannte er die Branchenmindestlöhne, die im Friseurhandwerk und in der Fleischindustrie vereinbart wurden.

Wie viele Beschäftigte mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde entlohnt werden, lässt sich den WSI-Angaben zufolge nicht sagen. Dazu reichten die vorhandenen Daten nicht aus.

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