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Das gesellschaftliche Engagement von KMUs in Sachsen-Anhalt

Rund 82.582 Unternehmen sind in Sachsen-Anhalt tätig, der größte Teil davon (99,68%) zählt zu den kleineren und mittleren Unternehmen. Wie deren Auseinandersetzung mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung aussieht, haben Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in einer Studie untersucht. Deren Ergebnis, CSR hat eine hohe Bedeutung für die Unternehmen, ist aber selten mit den Unternehmenszielen verknüpft.

Halle-Wittenberg (csr-news) > Rund 82.582 Unternehmen sind in Sachsen-Anhalt tätig, der größte Teil davon (99,68%) zählt zu den kleineren und mittleren Unternehmen. Wie deren Auseinandersetzung mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung aussieht, haben Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in einer Studie untersucht. Deren Ergebnis, CSR hat eine hohe Bedeutung für die Unternehmen, ist aber selten mit den Unternehmenszielen verknüpft.

Insgesamt wurden für die Studie unter Leitung von Holger Backhaus-Maul, Philosophische Fakultät III der MLU, 256 KMUs telefonisch über ihre Aktivitäten in Bereichen gesellschaftliches Engagement, Ökologie und Personal sowie den Rahmenbedingungen ihres Engagements befragt. Sie wurden zunächst um eine Einschätzung der relevantesten Themen gebeten. Dabei zeigte sich, dass umweltbezogene Themen die größte allgemeine Bedeutung haben und auch in der betrieblichen Praxis die höchste Relevanz besitzen. Im Durchschnitt führt jedes Unternehmen regelmäßig sechs Umweltmaßnahmen durch. Dabei geht es hauptsächlich um die Themenbereiche Recycling, Abfallvermeidung, Emissionsschutz und Energieeffizienz von Betriebsstätten. Immerhin 52,7 Prozent der befragten Unternehmen bieten auch umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen an. Und etwa 40 Prozent entwickeln oder nutzen energiesparende Produktionsverfahren. Insgesamt setzen rund zwei Drittel der befragten Unternehmen mindestens eine Maßnahme im Bereich der ökologischen Verantwortung um. Ökologisches Engagement findet aber hauptsächlich in den Unternehmen statt. Dabei werden häufig Aktivitäten und Maßnahmen initiiert, die auch als Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Kostenreduzierung gedeutet werden könnten. „Im Grunde – so die empirischen Befunde – geht es den befragten Unternehmen aber auch um die Vermeidung und Reduzierung ökologischer Risiken und nicht nur um Kostenersparnis“, so Projektleiter Backhaus-Maul. Die Thematisierung von Natur- und Umweltschutz auch außerhalb des eigenen Unternehmens findet im Vergleich mit anderen Engagementbereichen eher selten statt. Nur rund 17 Prozent der Betriebe spenden beispielsweise auch an Naturschutzorganisationen.

Spenden ist auch die verbreitetste Vorstellung von gesellschaftlichem Engagement. „Die Studie zeigt, dass sich 96 Prozent der KMUs in klassischer Weise mit Geld- und Sachspenden gesellschaftlich engagierten“, so Backhaus-Maul. Zunehmend unterstützen diese Unternehmen aber auch das Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder erbringen Dienstleistungen für gemeinnützige Organisationen – ohne die Kosten in Rechnung zu stellen. Besonders häufig sind Bildungseinrichtungen, wie Kindergärten und Schulen sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen, Adressaten des Unternehmensengagements, wie die Ergebnisse der Studie zeigen. Die überwiegende Mehrheit, der KMU in Sachsen-Anhalt (rund 93 Prozent) engagiert sich in ihrem lokalen und regionalen Umfeld, also der Stadt oder dem Landkreis, in denen sie ansässig sind. „Damit sind sie zugleich wichtige Akteure für die kommunale Standortentwicklung“, so Backhaus-Maul. Eine Schlüsselrolle für das gesellschaftliche und ökologische Engagement von Unternehmen in Sachsen-Anhalt haben soziale Netzwerke, erläutert darüber hinaus Projektmitarbeiterin Franziska Mittelstädt: „Kennt ein Unternehmer in seinem Umfeld andere engagierte Unternehmer und Unternehmerinnen, so steigen die Chancen, dass sich ihr Unternehmen selbst stärker engagiert.“ Dem regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen und Informationen zu Engagement-Möglichkeiten komme daher eine hohe Bedeutung zu. Insgesamt wird in der Studie zwar die Selbstverständlichkeit von CSR für die ansässigen Unternehmen beschrieben, es zeigte sich aber auch, dass das gesellschaftliche Engagement bei der Mehrzahl der Firmen nicht „integraler Bestandteil einer übergeordneten Unternehmensstrategie ist“. „Zwar richten rund 60 Prozent der Unternehmen ihr Engagement an langfristigen Zielen aus“, schreiben die Forscher, „jedoch sind die Anlässe für das Engagement eher spontan und die Aktivitäten kaum in der Unternehmensstruktur verankert“. Die vorliegende Studie ist wesentlicher Teil des Forschungs- und Pilotprojektes „Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand. Gesellschaftliches und ökologisches Engagement von kleinen und mittleren Unternehmen in Sachsen-Anhalt“, an dem die Philosophische Fakultät III der MLU und der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Sachsen-Anhalt e. V. unter Leitung des Bildungswerkes der Wirtschaft Sachsen-Anhalt e. V. zusammenarbeiten. Das Projekt wird im Rahmen des ESF-Programms „CSR – Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert.