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Kriterienkatalog für nachhaltige Wertschöpfungsketten

Wie viele Schadstoffe entstehen bei der Herstellung unserer Handys? Oder welche arbeitsrechtlichen Bestimmungen gelten in den Fabriken, die Teile unserer Autos fertigen? Zu den Schattenseiten der globalisierten Wirtschaft gehören unübersichtliche Lieferanten-Netzwerke. Vor allem in der Automobil- und Elektroindustrie bleiben Produktwege verschleiert, weil die großen Konzerne nur mehr einen Bruchteil der Endware selbst herstellen. Im Forschungsprojekt SustainHub (Sustainability Data Exchange Hub) entwickeln Wissenschaftler der Uni Graz einen Bewertungskatalog für nachhaltige Produktionsprozesse. Damit sollen international verzweigte Zulieferketten transparenter und vergleichbarer werden.

Graz (csr-news) > Wie viele Schadstoffe entstehen bei der Herstellung unserer Handys? Oder welche arbeitsrechtlichen Bestimmungen gelten in den Fabriken, die Teile unserer Autos fertigen? Zu den Schattenseiten der globalisierten Wirtschaft gehören unübersichtliche Lieferanten-Netzwerke. Vor allem in der Automobil- und Elektroindustrie bleiben Produktwege verschleiert, weil die großen Konzerne nur mehr einen Bruchteil der Endware selbst herstellen. Im Forschungsprojekt SustainHub (Sustainability Data Exchange Hub) entwickeln Wissenschaftler der Uni Graz einen Bewertungskatalog für nachhaltige Produktionsprozesse. Damit sollen international verzweigte Zulieferketten transparenter und vergleichbarer werden.

„Anders als für technische und damit verbundene rechtliche Daten gibt es für nachhaltig wirkende ökologische und soziale Kriterien noch kein international klar definiertes Bewertungsgerüst“, erklärt Prof. Rupert Baumgartner vom Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung der Karl-Franzens-Universität Graz. Diese Lücke soll das Projekt SustainHub schließen. Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der Daten entlang globaler Wertschöpfungsketten ausgetauscht werden, um Transparenz für Lieferanten und Belieferte zu schaffen. Koordiniert wird das von der EU geförderte Projekt, an dem mehrere Forschungseinrichtungen beteiligt sind, vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. Auch internationale Großunternehmen wie Continental, Johnson Control und AGFA Healthcare sowie sieben Klein- und Mittelbetriebe sind eingebunden. Die Grazer Projektgruppe bestehend aus Rupert Baumgartner, Morgane Fritz und Josef-Peter Schöggl ist für die Erstellung eines Katalogs relevanter Nachhaltigkeitsaspekte verantwortlich. „Es gilt, Kennzahlen und Indikatoren festzulegen, um die Daten mess- und vergleichbar zu machen“, umreißt der Wissenschafter die Aufgabe. So soll nicht nur die Ökoeffizienz einzelner Produkte erhöht, sondern auch das Verantwortungsbewusstsein der involvierten Unternehmen abseits ihrer traditionellen Bilanzerstellung gestärkt werden. Ein erstes Etappenziel wurde bereits erreicht. „Wir haben zum einen mehr als 150 Nachhaltigkeitsaspekte identifiziert und rund 70 Nachhaltigkeitsindikatoren definiert“, berichtet Baumgartner. Dazu zählen sowohl ökologische Aspekte, wie Ressourcenmanagement oder die Minimierung von Umweltschäden, als auch vor allem soziale Aspekte, wie die Vermeidung von Kinder-und Zwangsarbeit oder Gleichberechtigung der Geschlechter. Ökologische Anforderungen besitzen in der Industrie bereits einen gewissen Stellenwert und werden vor allem über gesetzliche Normierungen wie zum Beispiel EU-Richtlinien vorangetrieben. Soziale Aspekte finden hingegen noch kaum Beachtung. Das liege nicht immer nur an betriebswirtschaftlichem Kalkül, ist Baumgartner überzeugt. „Vielen Unternehmen fehlt ein tieferer Einblick in ihre Nachhaltigkeitsperformance, was unter anderem mit Lieferantenbeziehungen in Dritte-Welt-Staaten zu tun hat“, ergänzt der Forscher. Die SustainHub-Datenbank soll dazu beitragen, den Datenfluss aus diesen Ländern zu verdichten. Die Plattform ist ein flexibles System, das laufend aktualisiert wird, unter kontinuierlicher Berücksichtigung von Richtlinien-Novellen und Produktionsanpassungen. Die Abfrage von Informationen soll in geringen Umfängen kostenlos sein, für komplexere Recherchen sind gestaffelte Servicegebühren geplant. Das Projekt SustainHub ist im Forschungsschwerpunkt „Umwelt und Globaler Wandel“ der Karl-Franzens-Universität Graz verankert.