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Private Aktionäre: CSR-Bericht als Informationsquelle

Knapp 5 Millionen Aktionäre gibt es in Deutschland, ein Teil davon sind private Anleger ein Teil gehört zu den institutionellen Investoren. Alle sind wesentliche Stakeholder eines Unternehmens. In einer Studie hat das Deutsche Aktieninstitut ihre Präferenzen untersucht. Dabei zeigt sich, ein Teil der Aktionäre nutzt Nachhaltigkeitsberichte, um sich über ein Unternehmen zu informieren.

Frankfurt/Bonn (csr-news) > Knapp 5 Millionen Aktionäre gibt es in Deutschland, ein Teil davon sind private Anleger ein Teil gehört zu den institutionellen Investoren. Alle sind wesentliche Stakeholder eines Unternehmens. In einer Studie hat das Deutsche Aktieninstitut ihre Präferenzen untersucht. Dabei zeigt sich, ein Teil der Aktionäre nutzt Nachhaltigkeitsberichte, um sich über ein Unternehmen zu informieren.

Bei der Deutschen Post DHL wird rund 11,8 Prozent des Stammkapitals von privaten Aktionären gehalten. Larry Rosen, Finanzvorstand des Post- und Logistikkonzerns will, dass sein Unternehmen erste Wahl ist bei Investoren: „Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir in den letzten Jahren nicht nur kontinuierlich Profitabilitätssteigerungen geliefert, sondern beschäftigen uns auch kontinuierlich mit den Bedürfnissen unserer mehr als 400.000 Aktionäre“. Die aktuelle Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI, durchgeführt von Professor Bernhard Pellens von der Ruhr-Universität Bochum, und gesponsert von der Deutschen Post DHL, soll dabei helfen. Im Ergebnis zeigt sich, der Kleinaktionär ist genügsam. Wenn er regelmäßig seine Dividende erhält, haben die Unternehmen keine Scherereien mit ihm, sie sind am langfristigen Vermögensaufbau interessiert und nicht an der Ausübung von Stimmrechten. Allerdings steht die Mehrheit der deutschen Sparer einem Investment in Aktien eher skeptisch gegenüber. Gerademal 7,5 Prozent der Bevölkerung wollen sich direkt an Unternehmen beteiligen. Der aktuelle Aufstieg an den Börsen geht deshalb auch spurlos an den Privatanlegern vorbei. Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielfältig und reichen von den steuerlichen Rahmenbedingungen, einer verbreiteten Risikoaversion bis hin zur Struktur der Altersversorgung. „Ein wichtiger Grund ist aber auch, dass der Großteil der deutschen Privatanleger den Umgang mit der Aktie nicht gelernt hat“, schreibt DAI-Vorstand Christine Bortenlänger im Vorwort zur Studie. So untersucht die Studie auch, wie sich Anleger informieren und mit ihrem Investment beschäftigen. Die wird sicher auch durch die Anlagepräferenz beeinflusst, immerhin sind 87 Prozent der befragten Aktionäre an einem langfristigen Vermögensaufbau interessiert, 67 Prozent wollen ihr Vermögen vor Inflation schützen während nur 12 Prozent an kurzfristigen Gewinnmitnahmen interessiert sind. Entsprechend die Präferenzen bei der Informationsbeschaffung. Für drei Viertel der Aktionäre sind die Medien die wichtigste Informationsquelle, etwas mehr als die Hälfte beschäftigt sich auch mit dem Geschäftsbericht und rund 27 Prozent lesen sogar den Nachhaltigkeitsbericht. Dieser wird oftmals ebenso wie der Geschäftsbericht als schwer verständlich eingestuft, gleichwohl hält ein Drittel der Aktionäre die CSR-Bericht für glaubwürdig. In diesem Punkt müssen die Medien Federn lassen, deren Berichterstattung wird nur noch von knapp der Hälfte der Aktionäre für glaubwürdig gehalten. Allerdings bietet sich bezogen auf den Nachhaltigkeitsbericht ein eher differenziertes Bild. Für erfahrene Anleger spielt dieser für die Anlageentscheidung keine oder nur eine untergeordnete Bedeutung und für die befragten institutionellen Investoren hat die Bedeutung rapide abgenommen und wird nur noch vereinzelt wahrgenommen und gelesen. „Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der Nachhaltigkeitsbericht – trotz der in der Unternehmenspraxis und Wissenschaft derzeit intensiv geführten Diskussion – aus Privatanlegerperspektive bisher nicht wirklich wahrgenommen wird“, heißt es dazu in der Studie.

Eines der Probleme privater Aktionäre bleibt die Verständlichkeit der Informationsvermittlung. Professor Pellens sieht hier auch die Medien in der Pflicht: „Die Presse selbst hat eine große Verantwortung hinsichtlich einer zutreffenden und verständlichen Berichterstattung über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens“. Aus Sicht des Deutschen Aktieninstituts ist aber auch die Politik gefordert, aktiv zu werden. „Damit Privataktionäre die Unternehmensberichte der Unternehmen besser verstehen und für ihre Anlageentscheidung als Informationsquelle verwenden können, muss sich die Politik endlich stärker für eine bessere finanzielle Grundbildung einsetzen“, sagt Christine Bortenlänger. „Ökonomische Grundbildung ist der beste Verbraucherschutz – nicht Bevormundung und Verbote. Das Ziel ist der ökonomisch gebildete und mündige Anleger, der nach entsprechender Information bewusst in Aktien und andere Wertpapiere investiert“, unterstreicht Bortenlänger.

 

Studie „Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre“ zum Download.