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Nachhaltigkeit bei Bahlsen: Interne Kommunikation als „Dreh- und Angelpunkt“

Das niedersächsische Familienunternehmen Bahlsen führte 2011 ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement ein. Als eine „starke Marke“ steht der Gebäckproduzent unter Beobachtung von NGOs wie Greenpeace. Wie viele Mittelständler wirbt Bahlsen um junge Nachwuchskräfte, die sich zunehmend für Nachhaltigkeitsthemen interessieren. CSR MAGAZIN sprach mit dem Nachhaltigkeitsmanager des Unternehmens, Michael Klöfkorn.

Hannover (csr-news) – Das niedersächsische Familienunternehmen Bahlsen führte 2011 ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement ein. Als eine „starke Marke“ steht der Gebäckproduzent unter Beobachtung von NGOs wie Greenpeace. Wie viele Mittelständler wirbt Bahlsen um junge Nachwuchskräfte, die sich zunehmend für Nachhaltigkeitsthemen interessieren. CSR MAGAZIN sprach mit dem Nachhaltigkeitsmanager des Unternehmens, Michael Klöfkorn.

„Ich habe ein robustes Mandat, der Vorsitzende der Geschäftsführung steht voll hinter mir“, sagt Klöfkorn. 2011 hat das niedersächsische Familienunternehmen seine Nachhaltigkeit in einem Analyseprozess auf den Prüfstand gestellt. Ergebnis der Arbeiten war die Definition einer allgemeingültigen Nachhaltigkeitsstrategie mit den vier Feldern „Dialog & Strategie“, „Produktverantwortung“, „Umweltschutz“ und „Mitarbeiter & Gesellschaft“.

Bei der systematischen Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie kooperiert er mit dem Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten/Herdecke. Bahlsen hat einen ZNU-Nachhaltigkeitscheck durchlaufen und will sich in den nächsten Monaten nach dem ZNU-Standard „Nachhaltiger Wirtschaften Food“ zertifizieren lassen. Der erste, im April 2013 veröffentlichte Bahlsen-Nachhaltigkeitsbericht umfasst die Jahre 2011 und 2012 und enthält bereits einen GRI-Index, erreicht den GRI-Level C aber noch nicht. Sein Nachfolgebericht zu den Jahren 2013 und 2014 soll sich am GRI-Standard G4 orientieren.

Mit Unterstützung des ZNU arbeitet Klöfkorn an der Implementierung eines internen „Managementsystems Nachhaltigkeit“. Dabei geht es um die Integration der Nachhaltigkeitsanforderungen und Prüfkriterien sowie um die Systematisierung, Weiterentwicklung und auditsicheren Speicherung hausinterner Nachhaltigkeitsdokumente.

Das Nachhaltigkeitsmanagement setzt im ersten Schritt auf das bestehende Dokumentenmanagementsystem auf. „Die Gefahr beim Thema Nachhaltigkeit besteht immer darin, dass man zu viel auf einmal will und macht und sich letztlich dabei verzettelt“, sagt Klöfkorn. Überlegungen zur Einführung einer speziellen Nachhaltigkeitssoftware hat er erst einmal nach hinten gestellt.

Ein zentrales Element des Nachhaltigkeitsmanagements ist auch bei Bahlsen die Identifizierung der relevanten Themen. Der Gebäckproduzent verarbeitet Kakao und Palmöl, diese Themen sind damit gesetzt. Seit 2010 ist das Unternehmen Mitglied des Roundtable on Sustainable Palmoil (RSPO) und verwendet in seinen deutschen und polnischen Werken zertifiziertes Palmöl der Stufe „Mass Balance“, bei der zertifiziertes und herkömmliches Palmöl vermischt werden. Bis Ende 2015 soll eine Umstellung auf die höhere Zertifizierungsstufe „Segregated“ erfolgen, die eine bessere Rückverfolgbarkeit und ausschließliche Verarbeitung von zertifiziertem Palmöl bietet. Beim Kakao setzt Bahlsen auf die UTZ-Zertifizierung. Bis 2015 sollen 50% und fünf Jahre später dann 100% der kakaohaltigen Produkte das UTZ-Siegel tragen. Typisch für einen engagierten Mittelständler: Der Geschäftsführungs-Vorsitzende Werner M. Bahlsen und sein Team sind selbst regelmäßig in Asien und Afrika vor Ort, um sich von den Fortschritten beim nachhaltigen Anbau von Palmöl und Kakao zu überzeugen. Klöfkorn: „Wir zahlen für diese Programme viel Geld und da wollen wir uns nicht nur auf das verlassen, was wir gesagt bekommen.“

Ein weiteres Verantwortungsthema für das mittelständische Familienunternehmen ist der Klimaschutz. Klöfkorn dazu: „An diesem zukunftsentscheidenden Thema kommt kein Betrieb vorbei.“ Bahlsen will mit seiner Agenda 20’20 gegenüber den Werten aus dem Jahr 2010 bis 2020 insgesamt 20% Gas, Strom, Wasser und Abfall reduzieren und die CO²-Emission im Bereich Logistik um 20% senken.

Eine besondere gemeinsame Aktion dazu ist seit kurzem das gemeinsame Joggen am Donnerstagabend, Klöfkorn trifft sich dazu mit derzeit zehn Kollegen. Vor dem Start aktivieren sie die iPhone-App „Moving twice“, mit der sich gelaufene Kilometer in eine Spende für das Projekt „plant for the planet“ umwandeln lassen. Bahlsen sponsert innerhalb der App diesen Zweck. Klöfkorn: „Nachhaltigkeitsmanagement darf nicht nur mit dem moralischen Zeigefinger daherkommen, es muss aktivieren und beteiligen.“ Wenn es im Frühjahr wärmer wird, dürfte die Zahl der Jogger steigen. Ähnliche Aktionen sollen ab Frühjahr auch an anderen Bahlsen Standorten an den Start gehen.

Zugleich will Bahlsen den Dialog mit seinen Stakeholdern zu der Relevanz von Nachhaltigkeitszielen weiterentwickeln: mit Lieferanten, Mitarbeitern, dem Handel und einigen NGOs. Es gibt NGOs, die auf Bahlsen zugehen, mit machen besteht ein schriftlicher Austausch, persönliche Begegnungen finden bereits in einzelnen Fällen statt. Klöfkorn: „Wir nähern uns dem Thema jetzt gezielt an. Das ist ein sensibles Lernfeld in dem viel Potenzial für alle Beteiligten liegt. Die Basis für den aktiven regelmäßigen Austausch ist gegenseitiges Vertrauen.“

Nachhaltigkeit im Unternehmen ist allerdings nicht nur eine Frage der Dokumentation und des Managements, sondern ebenso der Unternehmenskultur. Nachhaltiges Denken und Handeln soll für die Mitarbeiter aller Fachabteilungen erlebbar werden: in der Beschaffung, der Produktion und dem Marketing. „Die interne Kommunikation und die Beteiligung der Mitarbeiter halte ich dabei für den Dreh- und Angelpunkt“, sagt Klöfkorn. Für die Beteiligung der Mitarbeiter bietet sich das Thema Energie an: Der aus manchen Unternehmen bekannte KVP (kontinuierliche Verbesserungsprozess) heißt bei Bahlsen BVP (Bahlsen Verbesserungsprozess), ein eigenes bvp-Logo klebt beispielsweise über den Lichtschaltern. Mit Workshops, Beiträgen in der Mitarbeiterzeitung Bahlsen Express oder einer Themenwochen werden die Mitarbeiter am Energiesparen beteiligt. Das Thema eignet sich auch deshalb, weil sich leicht ein positiver Wettbewerb initiieren lässt und die Ergebnisse messbar sind. „Ich möchte unter den Mitarbeitern langfristig eine gewisse Sprachfähigkeit zu Nachhaltigkeitsthemen entwickeln“, so Klöfkorn. Freuen würde sich der Nachhaltigkeitsmanager, wenn seine Kollegen zu Haltung und Engagement ihres Arbeitgebers Stellung beziehen könnten, wenn sie auf der Straße danach gefragt würden.

Die Nachhaltigkeitsseiten von Bahlsen >> im Internet

Foto: Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Werner M. Bahlsen, mit dem Goldenen Leibniz Keks, dessen zeitweises Verschwinden im vergangenen Jahr für Aufregung sorgte

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