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Bürger sehen digitale Techniken zwiespältig: Wanka fordert Debatte über Chancen und Risiken

Viele Bürger betrachten den Einfluss des Internets und digitaler Techniken auf den Alltag mit Skepsis: 39 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren sehen den Veränderungen „eher mit Befürchtungen entgegen“, heißt es in einer Umfrage des Bundesforschungsministeriums, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) forderte eine gründliche Debatte über Chancen und Risiken der Digitalisierung.

Berlin (afp) – Viele Bürger betrachten den Einfluss des Internets und digitaler Techniken auf den Alltag mit Skepsis: 39 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren sehen den Veränderungen „eher mit Befürchtungen entgegen“, heißt es in einer Umfrage des Bundesforschungsministeriums, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) forderte eine gründliche Debatte über Chancen und Risiken der Digitalisierung.

Wanka wird heute offiziell das Wissenschaftsjahr „Digitale Gesellschaft“ eröffnen. Aus diesem Anlass befragte das Allensbach-Institut im Januar 1515 Bürger verschiedener Alters- und Bevölkerungsschichten. Demnach bewertet nur jeder Fünfte die Veränderungen durch Internet und Digitalisierung positiv, etwa beim Einkauf oder dem Informationsaustausch über das Netz.

Besonders Ältere sind skeptisch: Gerade einmal 16 Prozent der 45- bis 59-Jährigen blicken hoffnungsvoll in die digitale Zukunft, bei den Über-60-Jährigen sind es nur zehn Prozent. Jüngere, die den Umgang mit digitalen Techniken von klein auf gelernt hätten, sähen hingegen „weit stärker als die anderen Generationen die Chancen, die das Internet bietet“.

Auf Sicht von zehn Jahren überwiegen bei den Befragten eher negative Erwartungen: 90 Prozent rechnen damit, dass die Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen für Werbezwecke weiter zunehmen wird. 84 Prozent glauben, dass Kinder noch mehr Zeit mit Computerspielen verbringen werden. 71 Prozent gehen davon aus, dass Geschäfte immer mehr durch Internethandel verdrängt werden. 69 Prozent glauben, dass sich die Menschen damit abfinden werden, dass ihre persönlichen Daten im Netz nicht sicher sind.

„Durch die Digitalisierung praktisch unserer gesamten Umgebung sind bei vielen Menschen Ängste und Verunsicherungen entstanden“, räumte Wanka im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP ein. Sie forderte eine gründliche Debatte über Chancen und Risiken der neuen Technologien. Das Wissenschaftsjahr soll in den kommenden Monaten den aktuellen Stand der Forschung vorstellen, was Internetsicherheit, Gefahren durch Hacker, soziale Netzwerke oder ältere Menschen in der Mediengesellschaft betrifft.

In den vergangenen Monaten hatten auch die Enthüllungen in der Spähaffäre um den Geheimdienst NSA das Vertrauen der Bürger in Internettechnologien erschüttert. Die Berichte über das weltweite massenhafte Abgreifen von Telekommunikations- und Internetdaten – auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde zeitweise abgehört – sind bis heute nicht aufgeklärt.

Das Wissenschaftsjahr solle auch „den Einzelnen sensibilisieren, zu gucken, wo er seine Daten hingibt“, sagte Wanka. Was die Entwicklung etwa von vernetzten Stromzählern oder das sogenannte Internet der Dinge angehe, müsse immer wieder gefragt werden, wie weit die Technik gehen dürfe: „Wir wollen ja keine gläsernen Menschen.“

Mit Blick auf die Skepsis vieler älterer Menschen verwies Wanka auf die „faszinierenden Möglichkeiten“, welche die Digitalisierung auch für diese Gruppe biete. Als Beispiele nannte sie ein längeres selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung durch vernetzte Haustechnik oder die Möglichkeit, über das Internet Bestellungen nach Hause liefern zu lassen.

Informationen zum Wissenschaftsjahr 2014 im Internet:
www.digital-ist.de