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EKD Studie zur Global Governance

Hannover (csr-news) > Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat heute eine Studie Thema Global Governance vorgestellt. Gegenwärtig sind an den Prozessen und Strukturen für globales politisches Handeln (Global Governance) verschiedene Akteure beteiligt: vor allem Regierungen und staatliche internationale Organisationen, aber auch Wirtschaftsverbände, zivilgesellschaftliche Organisationen und Zusammenschlüsse sowie soziale Bewegungen. Dazu gehören auch die christlichen Kirchen mit ihren weltweiten Netzwerken. Der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und Impulse aus der ökumenischen Bewegung für eine „Wirtschaft im Dienst des Lebens“ liefern wichtige ethische Leitbilder für die Entwicklung von Kriterien für eine Global Governance. „Global Governance ist daran zu messen, inwiefern sie die Rahmenbedingungen und Instrumente dafür schafft, dass die Erwartungen aller Menschen heute und die der künftigen Generationen an ein von Gerechtigkeit geprägtes und menschenwürdiges Leben erfüllt werden“, heißt es in einer Mitteilung der EKD. „Dabei wird es wichtig sein, dass die Evangelische Kirche ihre Wertvorstellungen und die davon abgeleiteten politischen Kriterien nicht nur in der Ökumene, sondern auch in globalen Dialogen mit anderen Religionen zu den normativen Grundlagen von Global Governance einbringt und zur Diskussion stellt“. Neben solchen theologischen Überlegungen werden in der Studie vor allem drei „Wellen des globalen Wandels“ dargestellt, mit denen sich Global Governance befassen muss: entgrenzte Ökonomie, der Aufstieg einiger großer Schwellen- und Entwicklungsländer sowie globale Umweltveränderungen. Auf der Basis dieser Analyse und der theologischen und ethischen Grundlagen werden dann einzelne internationale Politikprozesse beleuchtet, die besonders großes Potenzial bergen, nachhaltiger Entwicklung umfassend näher zu kommen. Dabei ist es der Kammer sehr wichtig, dass es für die in diesem Jahr anstehende Ausarbeitung von nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) und deren Umsetzung von 2015 bis 2030 Governance-Strukturen gibt, die zu mehr Kohärenz und Wirksamkeit beitragen. Die Kammer plädiert für die SDGs, die gegenüber den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs) nicht hauptsächlich Ziele für die Entwicklungsländer vorgeben, sondern universellen Charakter haben und die sowohl den Kampf gegen extreme Armut und Hunger intensivieren, als auch verstärkt zum Schutz der natürlichen Ressourcen und dem Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen. Vor diesem Hintergrund und weiterer Gesichtspunkte empfiehlt die Studie in ihrem Schlusskapitel, Reformvorschläge verschiedener Expertengruppen der Vereinten Nationen wieder aufzugreifen und langfristig die Einrichtung eines „Global Council für soziale, ökologische und wirtschaftliche Fragen“ anzusteuern. Dies könnte entweder durch eine Neugründung oder einen Reform-, Transformations- und Fusionsprozess von G20 und ECOSOC, dem Weltwirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, geschehen. Dieser Global Council sollte sich auf Leitlinien für ein nachhaltiges Wirtschaften verständigen und Empfehlungen erarbeiten, an denen sich Organisationen der Vereinten Nationen, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und auch die Welthandelsorganisation orientieren. Der Rat sollte zugleich über die Einhaltung von menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Mindeststandards wachen bzw. andere dafür zuständige Gremien unterstützen und koordinieren.

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