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Immer weniger Deutsche arbeiten von zu Hause aus

In Deutschland arbeiten immer weniger Menschen von zu Hause aus. Wie aus einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht, arbeiteten 2012 rund 4,7 Millionen Erwerbstätige überwiegend oder gelegentlich in den eigenen vier Wänden. Das waren 800.000 Menschen weniger als 2008. Die Heimarbeit ging demnach flächendeckend zurück, unabhängig von Beruf, Geschlecht oder Familienstand.

Berlin (afp) – In Deutschland arbeiten immer weniger Menschen von zu Hause aus. Wie aus einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht, arbeiteten 2012 rund 4,7 Millionen Erwerbstätige überwiegend oder gelegentlich in den eigenen vier Wänden. Das waren 800.000 Menschen weniger als 2008. Die Heimarbeit ging demnach flächendeckend zurück, unabhängig von Beruf, Geschlecht oder Familienstand.

Von Christine Kellmann

„Das sind vor allem gut qualifizierte Arbeitskräfte, die einen Teil ihrer Arbeit zu Hause verbringen und einen anderen Teil in der Werkstatt, in der Schule, im Büro“, sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Mit der klassischen Heimarbeit, „wo die ganze Familie um den Tisch saß und irgendwelche Sachen gestrickt, gehäkelt oder zusammengebaut hat“, habe dies nichts mehr zu tun.

Unter den 4,7 Millionen Heimarbeitern, die zwölf Prozent aller Erwerbstätigen ausmachen, sind der Studie zufolge 2,7 Millionen Arbeitnehmer – das sind nur acht Prozent aller Arbeitnehmer. Viel verbreiteter ist das „Home-Office“ bei Selbstständigen. Von den Solo-Selbstständigen arbeiteten etwa 1,3 Millionen zu Hause, von den Selbstständigen mit Arbeitnehmern etwa 700.000.

Die entscheidende Rolle spiele bei der Heimarbeit der Beruf, sagte Brenke: Allen voran seien es Lehrer, die zuhause Klassenarbeiten korrigierten. Aber auch Geschäftsführer und Manager arbeiteten „relativ häufig“ zu Hause. Dazu kämen andere Beschäftigte mit hoher Qualifikation wie Naturwissenschaftler, Ingenieure oder Psychologen. Fast 60 Prozent der Arbeitnehmer, die teilweise zu Hause arbeiten, haben der Studie zufolge einen Hochschulabschluss. Jeder vierte Akademiker geht seiner Arbeit manchmal oder generell von zu Hause aus nach.

Hingegen könnten Fabrikarbeiter und Bauarbeiter nicht einfach zu Hause arbeiten. Von den Arbeitnehmern mit einer abgeschlossenen Lehre täten dies nur vier Prozent, bei denen ohne Berufsabschluss nur drei Prozent.

Mit Blick auf Geschlechter und Familienstand konnte Brenke keine nennenswerten Unterschiede ermitteln. 2011 arbeiteten 7,8 Prozent der Männer und 7,3 Prozent der Frauen von zu Hause aus. Auch die Differenz zwischen Heimarbeitern mit Kindern (9,0 Prozent) und ohne Kinder (7,2 Prozent) war nicht sehr groß.

Seit der Jahrtausendwende hatte die Zahl der Heimarbeiter zugelegt, 2008 erreichte sie mit 9,7 Prozent aller abhängig Beschäftigten den höchsten Stand. Dann kehrte sich der Trend um – während die Zahl der Beschäftigten immer weiter wuchs. Eine Begründung für diese gegenläufige Entwicklung hat Brenke nicht. Eine Möglichkeit sei der auch in der Politik zuletzt kritisierte „Anwesenheitswahn“, sagte er. Dass sich die Heimarbeit in Deutschland zudem gegen den europäischen Trend entwickelt habe, liege möglicherweise an einer höheren Akzeptanz von Heimarbeit und daran, dass andere Länder und die dortigen Arbeitgeber „eher die Möglichkeiten einräumen für ein familienfreundliches Arbeiten“.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kritisierte die in Deutschland meist „starren Arbeitszeitregelungen“ und die ausgeprägte „Präsenzkultur“. Betriebe und Verwaltungen müssten Konzepte entwickeln für Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen, „die sich an den Lebensphasen der Beschäftigen orientieren – und die auch ‚Home-Office‘ ermöglichen“, erklärte sie.

Für die Studie griff Brenke auf die Datenbank des EU-Statistikamtes und persönliche Angaben im Rahmen des Mikrozensus zurück.

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