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World Ocean Review 3 – Rohstoffe aus dem Meer

Die Rohstoff-Vorkommen in den Tiefen der Ozeane rücken immer stärker in den Fokus politischer und wirtschaftlicher Interessen. Diese zu erschließen und zu fördern stellt eine enorme technische Herausforderung dar. Der heute veröffentlichte dritte Teil des „World Ocean Review“ widmet sich diesem Thema und beleuchtet Chancen und Risiken.

Hamburg/Kiel (csr-news) > Die Rohstoff-Vorkommen in den Tiefen der Ozeane rücken immer stärker in den Fokus politischer und wirtschaftlicher Interessen. Diese zu erschließen und zu fördern stellt eine enorme technische Herausforderung dar. Der heute veröffentlichte dritte Teil des „World Ocean Review“ widmet sich diesem Thema und beleuchtet Chancen und Risiken.

Der Hunger der Menschheit nach Rohstoffen hält unvermindert an. Der Ölverbrauch hat sich seit Anfang der 1970er Jahre verdoppelt, und auch die Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen steigt mit dem zunehmenden Einsatz von Metallen wie Kupfer, Nickel oder Kobalt in elektronischen Produkten wie Smartphones, Solarzellen oder Hybridautos. Auf der Suche nach neuen Rohstoff-Vorkommen rücken immer öfter die Weltmeere in den Fokus des Interesses. „Die Nutzung des Ozeans wird in der Zukunft zunehmen“, sagt Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Sprecher des Kieler Exzellenzclusters, Ozean der Zukunft’. Noch sind die Kenntnisse über die Vorkommen in den Meeren gering und ihre Förderung stellt eine hohe technische Herausforderung dar. Lohnt sich der Aufwand überhaupt und mit welchen Umweltrisiken ist die Förderung verbunden. Visbeck: „Für eine umweltverträgliche Ressourcengewinnung aus dem Meer und aus dem Küstenraum gilt es, dass alle Akteure gemeinsam an möglichst nachhaltigen Lösungswegen arbeiten“. Hinzu kommt die Frage: Wer hat überhaupt das Recht die Vorkommen zu erschließen und zu fördern? Bislang werden Rohstoffe aus dem Meer hauptsächlich in Küstenregionen gewonnen und fallen damit in den meisten Fällen in die Zuständigkeit der Anlieger-Staaten. Das wird sich vermutlich schon in den nächsten Jahren ändern. Schon 2016 soll mit dem Bergbau am Meeresboden in internationalen Gewässern begonnen werden. Es geht um den Abbau der begehrten Manganknollen. Die bekannten Vorkommen sind deshalb interessant, weil sie größere Mengen an wertvollen Metallen enthalten, als dies bei Vorkommen an Land bislang entdeckt wurde. Das Problem, sie befinden sich in Meerestiefen jenseits von 3.500 Metern, beispielsweise im Pazifik und im Indischen Ozean. Im Grunde scheint der Abbau einfach, denn die kartoffelgroßen Manganknollen liegen auf dem Meeresboden. Dennoch sind sich die Wissenschaftler einig, dass der Abbau einen erheblichen Eingriff in den Lebensraum Meer darstellt.

Werden die Pläne realisiert, wird damit ein neues Kapitel der industriellen Nutzung von Meeresressourcen aufgeschlagen, denn die Rohstoffe im internationalen Gebiet gehören nicht einem Staat allein, sondern sind gemeinsames Erbe der Menschheit. Sie sollen nach dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) allen Menschen zugutekommen. Das SRÜ ist das größte Regelwerk der Menschheit. Es wurde von 165 Staaten und der Europäischen Union ratifiziert und trat 1994 in Kraft. Zugleich wurde die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) in Jamaika gegründet. Diese UN-Behörde sorgt dafür, dass die Bodenschätze im internationalen Meeresgebiet gerecht verteilt und auch Entwicklungsländer an den Gewinnen beteiligt werden. Staaten, die in internationalem Gewässer auf die Suche nach Rohstoffen gehen, müssen zuvor eine Lizenz von der ISA erhalten. An 25 Staaten hat die ISA bisher Explorationslizenzen vergeben, die klare Regeln und Umweltschutzstandards beinhalten. Für den Abbau von Rohstoffen werden die Regelwerke derzeit erarbeitet und sollen ab 2016 zunächst für den Abbau der Manganknollen gelten.

Der »World Ocean Review 3 – Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken« (WOR 3), herausgegeben von der gemeinnützigen Organisation maribus gGmbH und mit Unterstützung der Zeitschrift »mare«, des International Ocean Instituts (IOI) und des Exzellenzclusters »Ozean der Zukunft«, beschreibt ausführlich die bekannten metallischen und energetischen Rohstoffe in den Ozeanen und beleuchtet die Chancen und Risiken des Abbaus und der Nutzung von Rohstoffen. Der neue Report liefert Fakten über die Menge an bekannten Öl- und Gasvorkommen und der festen Gashydratvorkommen unterhalb des Meeresbodens. Ferner geht es um das Potenzial von mineralischen Rohstoffen wie Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden. Darüber hinaus thematisiert der WOR 3 die Verantwortung der internationalen Staatengemeinschaft für einen umweltverträglichen Abbau und die völkerrechtliche Herausforderung, für eine sozial gerechte Verteilung der Ressourcen in internationalen Gewässern zu sorgen. „Wenn abseits unserer Wahrnehmung riesige Geschäfte locken, dann gerät nicht nur die Umwelt in Gefahr, sondern auch elementare Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit“, sagt Nikolaus Gelpke, mare-Verleger und Gründer von maribus gGmbH.

Download des World Ocean Review:

Wor1 – Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Wor2 – Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft

Wor3 – Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken 

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