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Mit neuer Nase zum Traumjob: Schönheits-OPs erhöhen in China Chancen auf Arbeit

Der chinesische Arbeitsmarkt für Akademiker ist eng. Im Kampf um eine der begehrten Stellen greifen Uni-Absolventen immer häufiger zu drastischen Maßnahmen und gehen zum Schönheitschirurgen. Denn viele Arbeitgeber legen nicht nur Wert auf Fachkompetenz und Persönlichkeit, sondern schauen auch aufs Äußere. Einige Stellenanzeigen verlangen sogar eine bestimmte Größe von den Bewerbern.

Chongqing (afp) – Der chinesische Arbeitsmarkt für Akademiker ist eng. Im Kampf um eine der begehrten Stellen greifen Uni-Absolventen immer häufiger zu drastischen Maßnahmen und gehen zum Schönheitschirurgen. Denn viele Arbeitgeber legen nicht nur Wert auf Fachkompetenz und Persönlichkeit, sondern schauen auch aufs Äußere. Einige Stellenanzeigen verlangen sogar eine bestimmte Größe von den Bewerbern.

Von Tom Hancock

„Nach ihrem Abschluss stehen die Studenten unter enormem Druck Arbeit zu finden. Wenn sie gut aussehen, haben sich größere Chancen auf einen Job“, sagt Wang Xuming. Die Spezialität dieses Schönheitschirurgen aus Chongqing sind „Eiffelturm-Nasen“. Anzeigen in der Millionenstadt im Südwesten des Landes werben für diesen Eingriff, bei dem der Nase die elegant geschwungene Form des Pariser Wahrzeichens verpasst wird.

„Die Schönheit des Eiffelturms hat uns inspiriert“, sagt Wang. Etwa ein Dutzend Patienten lassen sich Monat für Monat ihre Nase auf diese Art neu modellieren. „Auch Studenten haben wir schon eine Eiffel-Nase gemacht, und das hat ihnen sehr geholfen“, sagt Wang. Schönheitschirurgen in anderen Städten der Volksrepublik berichten ebenfalls von einer wachsenden Zahl studentischer Klienten.

Xu Yang hat diesen Schritt auch gewagt, sie ließ sich Fett absaugen. „Ich war zu dick“, sagt die 26-Jährige, die in Peking studiert. „Nach einer Operation kann es einfacher sein, einen Job zu finden. Oft achten die Arbeitgeber mehr auf dein Aussehen als deine Erfahrung.“

Die Firmen in China werden mit Bewerbungen überhäuft. Die Zahl der Studierenden hat sich innerhalb des vergangenen Jahrzehnts verdoppelt, sieben Millionen Absolventen verließen 2013 die Unis – so viele wie nie zuvor. Gleichzeitig verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum, es gibt weniger Arbeit für Akademiker. Hunderttausende Akademiker gehen leer aus, die Arbeitslosenquote unter den Absolventen liegt laut einer Studie des Beratungsunternehmens MyCOS bei etwa zehn Prozent und ist damit doppelt so hoch wie die offizielle Arbeitslosenquote in der Gesamtbevölkerung.

Diese angespannte Lage bringt immer mehr angehende Akademiker auf die Idee, sich unters Messer zu legen und so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Schönheitschirurgie ist in China ohnehin weit verbreitet. Nur in den Vereinigten Staaten und Brasilien gibt es nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für plastische Chirurgie mehr Schönheitsoperationen pro Jahr als in China.

Der zunehmende Wohlstand der chinesischen Mittelschicht habe der Branche in den vergangenen Jahren Zuwachsraten von bis zu 40 Prozent beschert, berichtet der staatliche Fernsehsender CCTV. Davon profitiert auch Schönheitschirurg Wang in Chongqing. 60.000 Yuan (7200 Euro) kann er für seine Eiffelturm-Nase verlangen.

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