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Ökolandbau will gemeinsamen Strategieprozess – die Branche plant ihre Zukunft

Wie geht es weiter mit dem Ökolandbau? Dazu hat ein von der deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) auf der diesjährigen BioFach durchgeführtes Fachforum strategische Marken diskutiert. Überhaupt war die weitere Entwicklung des Ökolandbaus das Leitthema der Messe. Denn die Nachfrage nach Bioprodukten steigt stetig, aber Bio ist mehr als Label und Zertifizierung.

Braunschweig/Bonn/Nürnberg (csr-news) > Wie geht es weiter mit dem Ökolandbau? Dazu hat ein von der deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) auf der diesjährigen BioFach durchgeführtes Fachforum strategische Marken diskutiert. Überhaupt war die weitere Entwicklung des Ökolandbaus das Leitthema der Messe. Denn die Nachfrage nach Bioprodukten steigt stetig, aber Bio ist mehr als Label und Zertifizierung.

„Der biologische Landbau hat von Anfang an die Lebensmittelqualitätsdebatte angeführt und war damit jahrzehntelang der bedeutendste Innovator im gesamten Food-Sektor“, heißt es in der Studie Organic 3.0 des Zukunftsinstituts. „Heute sind Bioprodukte fixer Bestandteil unseres Alltags und haben sich zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte entwickelt“. Alleine 2012 wurden weltweit 37.5 Millionen Hektar biologisch bewirtschaftet. Im Vergleich zu 2011 nahm die Biofläche um fast 200.000 Hektar zu. Der positive Trend ist ungebrochen. Ende 2012 verzeichnet die Ausgabe 2014 der FiBL-IFOAM Studie „The World of Organic Agriculture“ mehr Umsatz (10% Wachstum in den USA, dem größten Biomarkt), mehr biologisch wirtschaftende Bauern (+5%) und mehr biologisch bewirtschaftete Flächen (+0,5%). Und auch in Deutschland geht es stetig bergauf. Nach der Berechnung des von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) koordinierten Arbeitskreises Biomarkt wurde 2013 mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken ein Umsatzplus von 7,2 % und ein Marktvolumen von insgesamt 7,55 Mrd. € (2013: 7,04 Mrd. €) erreicht. „Die Nachfrage der Verbraucher nach Bio-Lebensmitteln wächst stetig. Und das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft“, so Stefan Zwoll, Geschäftsführer des Bunds Ökologische Landwirtschaft (BÖLW). Wie aber geht es weiter? Wohin will, wohin soll sich Bio entwickeln? Was sind die neuen Ziele und Herausforderungen?

Antworten dazu, versuchte unter anderem das des Fachforum „Zukunft des Systems Ökolandbau“ der DAFA zu finden. Rund 200 Akteure aus Forschung, Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Verbänden, Forschungsförderung und Politik haben daran teilgenommen. „Es muss ein Ziel geben, das für Landwirtschaft und Ernährung gilt und bei dem Prinzipien und Markt im Gleichgewicht sind“, sagte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein. Prof. Urs Niggli vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz forderte eine Innovationsstrategie, die vom bäuerlichen Wissen ausgeht, soziale Innovationen einbezieht, agrarökologische Innovationen entwickelt und aus der sich wissenschaftlich-technische Innovationen generieren lassen. Er kritisierte, dass in der Ökolandbauforschung meist nur dann kooperiert werde, wenn die EU oder nationale Geldgeber dafür Mittel bereitstellen. Das DAFA-Fachforum sei eine echte Chance, sich auch ohne externe Mittel zu Zukunfts- und Forschungsfragen auszutauschen bzw. mit vorhandenen Ressourcen Gemeinsames zu tun.

Letztlich wurde deutlich: Viele Akteure, Verbände, Unternehmen haben bereits eigene Vorstellungen zur Zukunft des Ökolandbaus entwickelt und in teils breiten Diskussionen Leitbilder und Konzepte erarbeitet. Deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollten erarbeitet werden und damit sich daraus Themen für die Forschung ableiten lassen. Zudem kann es für die Entwicklung des komplexen Produktions- und Ernährungssektors „Bio“ nicht das „eine“ Ziel geben. Mehrere Ziele für einzelne Bereiche sind genauso sinnvoll wie verschiedene Zeithorizonte zur Erreichung verschiedener Ziele. Einig waren sich alle Teilnehmenden: Nur in einem Prozess, an dem sich alle beteiligen können, sind die gewünschten Ziele erreichbar. Zur Ausgestaltung des DAFA-Fachforums „Zukunft des Systems Ökolandbau“ können deshalb im ersten Schritt bis Ende Februar Diskussionsbeiträge an die Geschäftsstelle gesandt werden. Die Initiatoren werden die Rückmeldungen aufarbeiten, erste Vorschläge und Thesen erarbeiten und zur Kommentierung bereitstellen. Eine Veranstaltung am 30. Juni und 1. Juli in Berlin soll als Plattform zur gemeinsamen Weiterentwicklung von Vorschlägen und Kommentaren dienen.

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