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Hälfte der 60- bis 64-Jährigen 2012 berufstätig oder auf Jobsuche

Die Zahl älterer Menschen, die sich aktiv am Arbeitsleben beteiligen, hat sich binnen zehn Jahren fast verdoppelt. Knapp die Hälfte aller 60- bis 64-Jährigen (49,6 Prozent) war 2012 nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Freitag berufstätig oder auf der Suche nach Arbeit. 2002 waren es nur 25,1 Prozent. Zugleich gingen die Arbeitnehmer 2012 im Schnitt zwei Jahre später in den Ruhestand als zehn Jahre zuvor.

Wiesbaden (afp) – Die Zahl älterer Menschen, die sich aktiv am Arbeitsleben beteiligen, hat sich binnen zehn Jahren fast verdoppelt. Knapp die Hälfte aller 60- bis 64-Jährigen (49,6 Prozent) war 2012 nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Freitag berufstätig oder auf der Suche nach Arbeit. 2002 waren es nur 25,1 Prozent. Zugleich gingen die Arbeitnehmer 2012 im Schnitt zwei Jahre später in den Ruhestand als zehn Jahre zuvor.

Besonders ältere Frauen sind heute viel öfter am Erwerbsleben beteiligt. Den Statistikern zufolge standen 2012 rund 40,9 Prozent der Frauen von 60 bis 64 Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Zehn Jahre zuvor waren es nur 16,4 Prozent. Bei den Männern in dieser Altersgruppe stieg die Erwerbsbeteiligung von 34 auf 58,6 Prozent, wie die Statistiker unter Berufung auf Ergebnisse des Mikrozensus mitteilten.

Wer 2011 in Ruhestand ging, war im Schnitt 61,1 Jahre alt. Zehn Jahre vorher betrug das Durchschnittsalter der Statistik zufolge noch 59,3 Jahre. Wer 2011 aus Altersgründen mit der Arbeit aufhörte, war im Schnitt 63,9 Jahre alt, 2001 waren es 61,6 Jahre. Wer aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging, war 2011 im Schnitt 55,6 Jahre alt, zehn Jahre zuvor war er noch 55,3 Jahre alt.

Aus Altersgründen schieden 2011 nur 53,5 Prozent der neuen Ruheständler aus dem Arbeitsleben aus. 25,4 Prozent taten dies nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen. 21,1 Prozent schieden durch Vorruhestand oder wegen vorangegangener Arbeitslosigkeit aus.

Die Grünen warfen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) angesichts dieser Zahlen vor, sie bremse die Beschäftigung Älterer aus. Angesichts des Fachkräftemangels sei die Rente mit 63 ein „völlig falsches Signal“, Nahles schaffe stattdessen „Anreize für eine neue Frühverrentungswelle“, erklärte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Brigitte Pothmer.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach reagierte unterdessen auf eine Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ vom Freitag, wonach die Bundesagentur für Arbeit (BA) Mehrkosten in Milliardenhöhe durch die geplante Rente mit 63 erwartet. Mögliche Mehrbelastungen seien „nur dann zu erwarten, wenn die Rente ab 63 von den Unternehmen für eine Entlassungswelle von älteren Beschäftigten missbraucht“ werde, erklärte Buntenbach in Berlin.

Wenn 25 Prozent der Anspruchsberechtigten zwei Jahre vor der Rente bereits mit 61 Jahren arbeitslos würden, schätze die Bundesagentur „im oberen Szenario“ die Kosten auf 1,6 Milliarden Euro. Im günstigsten Fall könne aber die Rente ab 63 die Arbeitslosenversicherung um knapp 200 Millionen Euro entlasten, weil ein Teil der älteren Arbeitslosen in die abschlagsfreie Rente wechseln könne, erklärte Buntenbach.

Hintergrund ist, dass Beschäftigte bereits mit 61 Jahren die Arbeit aufgeben könnten, um sodann die zwei folgenden Jahre Arbeitslosengeld I zu beziehen, bevor sie mit 63 in Rente gehen. Für die abschlagsfreie Rente mit 63 dürfen Beschäftigte Nahles‘ Plänen zufolge innerhalb von 45 Beitragsjahren maximal zwei Jahre lang Arbeitslosengeld I bezogen haben. Arbeitnehmer ab 58 Jahren wiederum erwerben nach vier Jahren ununterbrochener Erwerbstätigkeit einen Anspruch auf 24 Monate Arbeitslosengeld I.