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Kongo: Klage gegen Frankreich und Bauunternehmen

Paris (afp) – Wegen der Zwangsarbeit beim Bau einer Eisenbahnlinie in der heutigen Republik Kongo in den 1920er Jahren hat eine Schwarzen-Organisation den französischen Staat und das Bauunternehmen Spie verklagt. Der Rat der Schwarzen-Vereinigungen Frankreichs (Cran) reichte am Dienstag eine Zivilklage wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor einem Gericht in Pontoise bei Paris ein. „Die Zwangsarbeit war versteckte Sklaverei“, sagte Cran-Präsident Louis-Georges Tin. Nach Angaben von Historikern kamen im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnlinie mindestens 17.000 Menschen ums Leben.

Zivilisten seien zwangsweise zu der Baustelle gebracht worden, sagte der Historiker Olivier Le Cour Grandmaison. Wegen der Transportbedingungen und der Zwangsarbeit seien mindestens 17.000 Menschen gestorben. Die Eisenbahnlinie Kongo-Ozean, welche die Hauptstadt Brazzaville mit dem rund 500 Kilometer entfernt liegenden Hafen Pointe-Noir verbindet, war zwischen 1921 und 1934 durch die Baugesellschaft Batignolles im Staatsauftrag gebaut worden. Die Republik Kongo wurde 1960 unabhängig.

Die Klage richtet sich nun gegen das Nachfolge-Bauunternehmen Spie. Die Schwarzen-Organisation Cran fordert die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Opfer sowie die Einsetzung einer Expertenkommission, um das Ausmaß des Schadens festzustellen.

Laut Historiker Le Cour Grandmaison wurde der Großteil der Infrastruktur in den französischen Kolonien unter Rückgriff auf Zwangsarbeit errichtet. Vermutlich seien Millionen Menschen davon betroffen gewesen. Ein Gesetz aus dem Jahr 2001 in Frankreich stuft Sklaverei als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ ein.