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Größte Solaranlage auf Wohngebäuden am Netz: Aufbau auf 50 Häusern in Berlin

Strom direkt vom Dach – das gibt es in Berlin bald für zahlreiche Mieter. Am Wochenende begann in der Hauptstadt die Stromlieferung aus der deutschlandweit größten Solaranlage auf Wohngebäuden. Sie steht im Bezirk Hellersdorf auf 50 Häusern des Wohnungsunternehmens Stadt und Land. Die Mieter können über den Stromversorger Lichtblick einen speziellen, vergleichsweise günstigen Tarif nutzen, der den lokal erzeugten Solarstrom mit anderem Ökostrom kombiniert.

Berlin (afp) – Strom direkt vom Dach – das gibt es in Berlin bald für zahlreiche Mieter. Am Wochenende begann in der Hauptstadt die Stromlieferung aus der deutschlandweit größten Solaranlage auf Wohngebäuden. Sie steht im Bezirk Hellersdorf auf 50 Häusern des Wohnungsunternehmens Stadt und Land. Die Mieter können über den Stromversorger Lichtblick einen speziellen, vergleichsweise günstigen Tarif nutzen, der den lokal erzeugten Solarstrom mit anderem Ökostrom kombiniert.

Von Christina Neuhaus

Die bayerische Firma pv-b hat die Anlage gebaut und pachtet die Dachflächen von Stadt und Land. Auf einer Fläche von sechs Fußballfeldern glitzern nun rund 8000 Solar-Elemente. Die Leistung würde laut pv-b reichen, um ein Jahr lang 10.400 Kühlschränke zu betreiben.

Bislang waren Solaranlagen auf Wohngebäuden vor allem ein Fall für Eigenheimbesitzer. Inzwischen interessieren sich aber auch Eigentümer von Mietshäusern dafür. Beispielsweise ist der Lichtblick-Konkurrent Naturstrom am Betrieb mehrerer Sonnenstromanlagen auf Mehrfamilienhäusern bei Heidelberg beteiligt.

Die Wohnungswirtschaft habe die Versorgung der Mieter mit Solarstrom als neuen Trend entdeckt, urteilt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Hintergrund seien auch die gesunkenen Kosten: „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat die Photovoltaik zu einer der preiswertesten Stromerzeugungsformen gemacht, sodass auch Mieter vom günstigen Solarstrom profitieren können“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Lichtblick berichtet von großem Interesse an Modellen wie dem in Hellersdorf und will noch in diesem Jahr ähnliche Projekte anschieben.

Der Mieterbund sieht die Entwicklung grundsätzlich positiv. Bisher hätten von der Energiewende vor allem Hauseigentümer profitiert, während Mieter über die EEG-Umlage im Strompreis für die Ökostrom-Förderung zahlten, sagt Mieterbund-Geschäftsführer Ulrich Ropertz. Diese „Gerechtigkeitslücke“ könnten Projekte wie das in Hellersdorf etwas schließen.

Die Mieter sind aber keinesfalls verpflichtet, den vom Hauseigentümer erzeugten und angebotenen Strom zu kaufen. Entscheidend sei immer, dass sie die Preise verglichen, betont Ropertz: „Daran bemisst sich alles.“

In Berlin-Hellersdorf unterbietet der Spezialtarif mit dem Strom vom Dach laut Stadt-und-Land-Sprecher Frank Hadamczik die örtliche Konkurrenz um etwa zwei bis drei Cent pro Kilowattstunde. In dem Tarif steckt laut Lichtblick etwa ein Drittel bis die Hälfte Strom vom Hausdach, der Rest ist anderer Ökostrom. Weil Solaranlagen nicht 24 Stunden am Tag Strom liefern und auf dem Dach keine Speicher installiert sind, ist eine Versorgung allein mit dem Sonnenstrom nicht möglich.

Zunächst können laut Lichtblick rund 1000 Mieter den speziellen Stromtarif beziehen. Jedem Einzelnen werde ein persönliches Gespräch angeboten, in dem etwa Fragen nach der Zuverlässigkeit der Stromlieferung beantwortet würden.

Mit den Rückmeldungen ist Lichtblick „sehr zufrieden“, etwa 200 Haushalte hätten sich bisher für den neuen Stromtarif entschieden. Viele andere stünden dem Projekt offen gegenüber, wollten aber noch abwarten, sagt Unternehmenssprecher Ralph Kampwirth.

Stadt und Land will ebenfalls wissen, wie die Mieter das Konzept annehmen. Die Eigentümergesellschaft erhofft sich, dass das Sparpotenzial und die Möglichkeit, lokal produzierten Ökostrom zu bekommen, die Wohnanlage attraktiver machen. Im Herbst würden die drei Kooperationspartner eine erste Bilanz ziehen, sagt Hadamczik. Läuft es gut, könne das Projekt auf andere Wohngebäude erweitert werden. „An Dachfläche jedenfalls mangelt es nicht.“

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