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Rohstoffkonzern GlencoreXstrata geht drastisch gegen Kritiker vor

Liebefeld (csr-news) > Der Schweizer Konzern GlencoreXstrata droht der Menschenrechtsorganisation MultiWatch mit einer Klage, wenn sie nicht den Titel ihres demnächst erscheinenden Buches ändert. Der Menschenrechtsverein kritisiert, dass einer der weltweit größten Rohstoffkonzerne Kritik abwürgt und eine breite öffentliche Diskussion über die negativen Folgen seiner Tätigkeit nicht zulassen will. Im demnächst erscheinenden Buch mit dem geplanten Titel „Drecksgeschäfte – Milliarden mit Rohstoffen“ über den Rohstoffkonzern zeigt MultiWatch Konfliktfelder rund um den Rohstoffabbau auf und stellt umstrittene Geschäftspraktiken des Schweizer Konzerns zur Diskussion. Das Buch basiert auf eingehend recherchierten Fällen auf vier Kontinenten – darunter Abbauländer wie Kolumbien, Peru, die Philippinen, Australien, die Demokratische Republik Kongo und Südafrika – und entstand unter Mitarbeit von Autoren, die die besprochenen Konflikte seit längerem beobachten. Der vom Konzern beanstandete Titel bezog sich auf das Bild einer gigantischen Tagebau-Kohlemine und brachte den Zusammenhang zwischen den Erdumwälzungen bei der Rohstoffförderung und öffentlichem Unmut über umstrittenes Geschäftsgebaren zum Ausdruck. Diese Woche erhielt MultiWatch jedoch einen eingeschriebenen Brief aus Baar, in welchem GlencoreXstrata den Verein ultimativ aufforderte, den Titel des Buches innerhalb einer äußerst kurzen Frist zu ändern, die Werbung für das Buch von der Website zu löschen und den beanstandeten Begriff „Drecksgeschäfte“ nicht mehr in Zusammenhang mit GlencoreXstrata zu verwenden. Ansonsten drohte der Konzern mit rechtlichen Schritten. Weiter drohte er auch mit allfälligen rechtlichen Schritten gegen den Inhalt des Buches. Angesichts der Aussicht auf einen teuren und langjährigen Rechtsstreit bei gleichzeitigem Buchverbot hat MultiWatch entschieden, im Buch freiwillig und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht auf die Verwendung des beanstandeten Ausdrucks zu verzichten. Statt eines Verfahrens sucht der Verein die öffentliche Auseinandersetzung zum Rohstoffkonzern und seinem Gebaren. „Uns ist es wichtig, in der Schweiz die Stimme der Menschen aufzunehmen, die vom Rohstoffaubbau direkt betroffen sind“, so MultiWatch. Unterstützung gab es von der Partei Alternativ-Grüne aus dem Kanton Zug in einer Pressemitteilung: „Mit der Androhung einer Klage demonstriert GlencoreXstrata einmal mehr ihre Macht und bringt damit ihre Kritiker zum Schweigen. Diese Vorgehensweise ist für uns inakzeptabel“.