Agenturmeldung Nachrichten

Tausende Textilarbeiter nach Zwangsschließungen ohne Arbeit

Dhaka (afp) – Nach der Zwangsschließung von zwei Textilfabriken wegen gravierender Baumängel stehen in Bangladesch tausende Textilarbeiter auf der Straße. Experten hätten in der vergangenen Woche erhebliche Sicherheitsmängel in zwei benachbarten Fabrikgebäuden festgestellt, teilten die Behörden am Montag in der Hauptstadt Dhaka mit. Insgesamt hätten sechs Etagen geräumt werden müssen. Betroffen seien die Firmen Softex und Fame Knitting.

Der Pullover-Hersteller Softex, der unter anderem die französische Einzelhandelskette Auchan beliefert, habe umgehend geschlossen und alle 3500 Arbeiter entlassen, weil die Fortsetzung des Betriebs „zu riskant“ sei, teilte das Unternehmen mit. „Ich weiß, dass das für die Arbeiter ungerecht ist“, sagte Softex-Geschäftsführer Rezwan Seilm AFP. Die Inspekteure hätten jedoch „ernsthafte strukturelle Probleme“ festgestellt und die Evakuierung der Etagen gefordert. Die Fabrik Fame entließ rund 2500 Arbeiter.

Die Gewerkschaften forderten Softex und Fame zur Entschädigung der betroffenen Beschäftigten auf. Der Verband der Textilfabrikanten forderte hingegen die westlichen Handelsketten auf, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Schließlich kontrollierten die Sicherheitsexperten die Fabriken in ihrem Auftrag.

Mitte Februar hatten im Auftrag westlicher Modefirmen umfangreiche Sicherheitskontrollen in der Textilindustrie von Bangladesch begonnen. Dutzende Brandschutzexperten und Bauingenieure, die von den westlichen Handelsketten eingestellt wurden, sollen bis September Textilfabriken inspizieren und anschließend Empfehlungen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit geben.

Vor elf Monaten hatte sich das schlimmste Industrieunglück in der Geschichte Bangladeschs ereignet. Am Rande der Hauptstadt Dhaka stürzte ein neunstöckiges Textilfabrikgebäude in sich zusammen, über Wochen hinweg wurden insgesamt mehr als 1100 Leichen aus den Trümmern gezogen. Durch die Tragödie gerieten die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in dem südasiatischen Land auch international stark in die Kritik.

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Textilproduzent weltweit. Die Branche beschäftigt fast vier Millionen Menschen, überwiegend Frauen. Rund 80 Prozent aller Exportwaren des Landes werden in den Textilfabriken produziert. Oft sind die Arbeitsbedingungen und Löhne miserabel, lange Schichten an sechs Tagen pro Woche keine Seltenheit. Hinzu kommt die häufige Missachtung von Sicherheitsvorschriften in den Fabriken.

Hinterlassen Sie einen Kommentar