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Cemex Deutschland: Nachhaltigkeitsmanagement in unruhigen Zeiten

Der Wettbewerb zwischen den Baustoffproduzenten und –händlern ist knallhart. Zwar steht nachhaltiges Bauen hoch im Kurs, jedoch richtet sich der Blick dabei stark auf die Energieeffizienz. Cemex Deutschland will das ändern und über Baustoffe und deren Nachhaltigkeitseigenschaften aufklären. Ein Beitrag für die Märzausgabe des CSR MAGAZIN.

Düsseldorf (csr-news) – Der Wettbewerb zwischen den Baustoffproduzenten und –händlern ist knallhart. Zwar steht nachhaltiges Bauen hoch im Kurs, jedoch richtet sich der Blick dabei stark auf die Energieeffizienz. Cemex Deutschland will das ändern und über Baustoffe und deren Nachhaltigkeitseigenschaften aufklären.

„Die meisten Kunden kaufen nach Preis, Qualität, und Service. Nachhaltigkeitskriterien erfahren bei der Entscheidung noch nicht die Bedeutung, die ihnen zukommen sollte, und darunter leidet die ganze Baustoffbranche“, sagt Esther-Celia Heidbüchel, Nachhaltigkeits-Direktorin bei Cemex Deutschland. Das überrascht zunächst, denn die Diskussion über Green Buildings besitzt in der Baubranche durchaus einen Stellenwert und der Bund als großer öffentlicher Auftraggeber legt Ausschreibungen seit 2011 ein „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)“ zugrunde. Die Erfahrungen von Cemex beschreibt Heidbüchel so: „Bei Ausschreibungen werden Nachhaltigkeitskriterien ausgewiesen, aber den Zuschlag erhält der Anbieter mit dem günstigsten Preis.“ Ein hartes Wettbewerbsumfeld also für das Unternehmen, das mit über 2.500 Mitarbeitern an 250 Standorten in Deutschland vertreten ist und Transportbeton-, Zement- und Kieswerke sowie Steinbrüche unterhält.

Der Wert der eigenen Leistung soll durch die Vorstellung der Nachhaltigkeitsstrategie sichtbar werden. Cemex will in der Öffentlichkeit deshalb über ganz grundlegende Themen (Woher kommt der Kies? Was steckt hinter der Produktion von Zement? Wie aufwändig ist die Einhaltung der Umweltvorschriften?) ebenso informieren wie über komplexere technische Zusammenhänge. „Wir tun viele sinnvolle Dinge, die teilweise schwer zu kommunizieren sind, weil man dafür tief in die Technik einsteigen muss“, sagt Heidbüchel. Das gilt beispielsweise für die Nutzung der Abwärme in Zementwerken und das Recycling von Beton. Als Kommunikationsmedium nutzt der Konzern zum Beispiel seine Kundenzeitschrift „bauwerk“. „Viele Kunden verstehen, was wir über den Wert von Baustoffen und über deren nachhaltige Herstellung berichten“, so die Nachhaltigkeitsmanagerin.

Die Cemex Deutschland AG ist Teil der an der US-Börse notierten Cemex S.A.B. de C.V. mit Hauptsitz in Mexiko, die Wert auf ein nachhaltiges Wirtschaften legt. Mit Standorten in über 50 Ländern und 44.000 Mitarbeitern ist Cemex einer der größten Baustoffhersteller und der größte Transportbetonlieferant der Welt. „In anderen Ländern ist Nachhaltigkeit für Cemex ein Wettbewerbsvorteil. In Deutschland haben wir es aufgrund der umfangreichen und detaillierten rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen damit schwer“, sagt Heidbüchel.

Dr. Esther Heidbüchel
Dr. Esther Heidbüchel

Viele Nachhaltigkeitsthemen sind bei der internationalen Konzernmutter verankert, etwa die Mitgliedschaften im UN Global Compact, im Carbon Disclosure Project (CDP) und in der Cement Sustainability Initiative (CSI). Cemex Deutschland beschäftigt sich seit knapp vier Jahren mit dem strategischen Nachhaltigkeitsmanagement. Heidbüchel koordiniert die deutschen Nachhaltigkeitsthemen mit einer Mitarbeiterin und bezieht dabei die Experten aus den operativen Einheiten, die Umweltbeauftragten sowie Energiemanagement, HR und Arbeitsschutz ein.

Für die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie wurde ein Kernteam mit Vertretern aus allen Geschäftsbereichen berufen. Ausgangspunkt der Strategieentwicklung bildeten eine Bestandsaufnahme der bereits vorhandenen Aktivitäten, die Reflexion der Nachhaltigkeitsstrategie des Mutterkonzerns und ein Wesentlichkeitsworkshop mit Blick auf die Situation in Deutschland. Hier gibt es Besonderheiten: „Regulative Rahmenbedingungen bilden hierzulande eine stärkere Einflussgröße als international“, sagt Heidbüchel. Zudem holte Cemex die Rückmeldungen seiner Stakeholder ein, unter denen den standortnahen – lokalen Umweltorganisationen, Kommunalverwaltungen, Politik und Anwohnern – eine besondere Bedeutung zukommt.

Im Jahr 2012 erschien der erste Nachhaltigkeitsbericht, der das Vorjahr umfasste und die Anwendungsebene A der GRI G3-Leitlinien erfüllte. Im Folgejahr legte Cemex Deutschland einen Zwischenbericht mit aktualisierten Kennzahlen vor. Derzeit unterwirft das Unternehmen seine Nachhaltigkeitsstrategie einem Review. Heidbüchel: „Wir sind mitten drin in der Diskussion. Einige Themen werden rausfallen, andere neu auf unsere Agenda kommen.“

Demnächst soll dann auch der Nachhaltigkeitsbericht 2013 erscheinen – allerdings nicht nach den GRI G3-Leitlinien. „G3 beruht auf dem Gießkannenprinzip. Die meisten Kennzahlen sind in unserem Umfeld nicht relevant und zu wenig aufschlussreich“, so Heidbüchel. Ein EMAS-zertifiziertes Umweltmanagement ist für den Konzern, dessen Kieswerke und Steinbrüche Landschaften verändern, dagegen unerlässlich für seine Kies- und Zementwerke. Für den Nachhaltigkeitsbericht 2014 will sich Cemex dann den neuen GRI-Leitlinien G4 stellen. Deren Fokus auf die Wesentlichkeit kommt der Unternehmensstrategie entgegen.

Eine besondere Bedeutung für das Nachhaltigkeitsmanagement besitzt die Verantwortung für die Mitarbeiter. Der unter Wettbewerbs- und Preisdruck stehende Konzern hat wirtschaftlich harte Jahre hinter sich und steckt in einem Umbruchprozess. Auf einem Jobbewertungsprotal im Internet beschreibt ein Cemex-Mitarbeiter die Situation so: „Ständige Organisationsänderungen, dadurch viel Unruhe und Unsicherheit bei den Mitarbeitern. Bedingt durch diese Veränderungen Überlastung der Mitarbeiter.“ Cemex habe das Problem erkannt, Heidbüchel weiter: „„Unsere Mitarbeiter sind uns wichtig“ sagt Heidbüchel –„Wir arbeiten an Unterstützungsprogrammen für unsere Mitarbeiter, um die Belastungen etwas aufzufangen.“

Für einen Baustoffkonzern ist die Mitarbeitergewinnung per se eine Herausforderung: Baustoffe gelten nicht als besonders attraktive Branche, viele Produktionsstandorte befinden sich abgelegen auf dem Land und in bevölkerungsarmen Regionen und viele gewerbliche Mitarbeiter erreichen im Alter früh ihre Leistungsgrenzen. Cemex gibt sich Mühe, seine Mitarbeiter zu verstehen und ihr Arbeitsumfeld gewinnend zu gestalten:

Alle zwei Jahre findet eine Mitarbeiterbefragung statt, dazwischen ein „Puls-Check“ mit einer Zufallsauswahl an Mitarbeitern. Die Reaktion hierauf war die Erarbeitung von verbindlichen Führungsleitlinien, die öffentlich kommuniziert und in Workshops auf allen Hierarchieebenen kommuniziert werden. Und der Konzern legt großen Wert auf Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Eine weitere Initiative läuft unter dem Fachbegriff „Visible Felt Leadership“: Der Vorstand besuchte zunächst im Rahmen von Health and Saftey-Programmen einzelne Werksstandorte. Diese Besuche kamen bei der Belegschaft so gut an, dass nun regelmäßig Vorstandssitzung an einem der größeren Werksstandorte stattfindet und dabei auch lokale Themen auf der Agenda stehen: „Unser Vorstand weiß, wie im Unternehmen das Geld verdient wird, und umso besser kann er Ressourcen zuordnen“, sagt die Nachhaltigkeitsmanagerin. Ein Ziel ist dabei, auch in unruhigen Zeiten das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen. Heidbüchel weiter: „Es ist noch ein Weg, aber es gibt erste Zeichen, dass unsere Strategie funktioniert.“

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Foto unten: Zementwerk in Beckum

Cemex Deutschland AG