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Auch bei Mindestlohn werden Viele Hartz-IV benötigen

Berlin (afp) – Auch nach Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro werden viele Arbeitnehmer auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen sein. Dies ist bei 41 Prozent der alleinstehenden Hartz-IV-Aufstocker zu erwarten, wie nach Angaben von Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst aus einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht. Betroffen wären demnach 740.000 Menschen. Grund dafür ist, dass bei ihnen die Kosten der Unterkunft den Betrag von 345 Euro überschreiten.

Die Sonderauswertung bezog sich den Angaben zufolge auf 399 Kreise und kreisfreie Städte. Im Osten wären demnach 21,2 Prozent (95.033 Menschen) der alleinstehenden Grundsicherungsempfänger mit einem Bruttostundenlohn von 8,50 Euro trotz Vollzeitarbeit unverändert auf Hartz IV-Leistungen angewiesen, im Westen wären es sogar 47,8 Prozent. Zuvor hatte die „Passauer Neue Presse“ vom Mittwoch über die Zahlen berichtet.

Die Zahlen zeigten, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro „offensichtlich seine Wirkung“ verfehle, erklärte Ernst. Da nach den Koalitionsplänen der Mindestlohn bis mindestens 2018 sogar eingefroren werden solle, „wird er für immer mehr Menschen in den kommenden vier Jahren zur Armutsfalle“. Notwendig sei ein Mindestlohn von zehn Euro, der jährlich an die Lohnentwicklung angepasst werden solle.

Die große Koalition strebt einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ab Anfang kommenden Jahres an. Der Referentenentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) soll dieser Tage in die Ressortabstimmung gehen.