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Militante Tierschützerin nach Einschüchterungskampagne verurteilt

London (afp) – Nach einer massiven Einschüchterungskampagne radikaler Tierschützer gegen ein britisches Tierlabor sowie gegen seine Kunden und Zulieferer in Deutschland und der Schweiz hat ein britisches Gericht eine ehemalige Soldatin wegen Komplizenschaft verurteilt. Das Strafmaß gegen die 52-Jährige, die als Sprecherin der Gruppe fungierte, wird am 17. April mitgeteilt. Bis dahin bleibt sie weiter auf freiem Fuß.

Zehn Jahre lang hatten die militanten Tierschützer der Gruppierung „Stop Huntingdon Animal Cruelty“ (Shac) nach Angaben von Staatsanwalt Michael Bowes das Tierlabor HLS (Huntingdon Life Sciences) in Cambridge, seine Kunden, Teilhaber und Zulieferer regelrecht terrorisiert, um die Schließung des Labors zu erzwingen. Unter anderem bezichtigten sie Mitarbeiter fälschlicherweise der Pädophilie, deponierten selbstgebastelte Bomben unter deren Autos, schickten Todesdrohungen oder angeblich mit dem Aids-Virus verseuchte blutige Damenbinden.

Auch die Autos und Häuser von Zulieferern oder Teilhabern wurden beschädigt. In einem Fall wurde im Mai 2009 die Urne mit der Asche der Mutter von Novartis-Chef Daniel Vasella ausgegraben. In einem Schreiben wurde der damalige Chef des Schweizer Pharmariesen vor die Wahl gestellt: „Entweder HLS verlieren oder die Urne“. Andere Novartis-Angestellte wurden in Deutschland unter Druck gesetzt, bei einem von ihnen hatten die Tierschützer „Mörder“ an die Hauswand geschrieben.

Schon 2009 wurden sieben Shac-Mitglieder wegen der Kampagne zu insgesamt 50 Jahren Haft verurteilt. Danach wurde Vincent zur Sprecherin der Gruppe, bis sie 2012 ebenfalls festgenommen wurde. Im selben Jahr wurden zwei weitere Mitglieder, eine Britin deutscher Herkunft sowie ein gebürtiger Schweizer, in den Niederlanden verhaftet. Sie warten bis heute auf die richterliche Entscheidung über das britische Auslieferungsgesuch.