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Forstwirtschaft trifft Finanzwirtschaft

Am heutigen „Internationalen Tag der Wälder“ trafen sich Fachleute aus Forst- und Finanzwirtschaft in der Sparkassenakademie Schloss Waldthausen zum Abschluss des Jubiläumsjahres „300 Jahre Nachhaltigkeit“. Dabei stand die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit als Leitprinzip angesichts der sich wandelnden Ansprüche in Wirtschaft und Gesellschaft im Vordergrund der Vorträge und Diskussionen.

Berlin (csr-news) > Am heutigen „Internationalen Tag der Wälder“ trafen sich Fachleute aus Forst- und Finanzwirtschaft in der Sparkassenakademie Schloss Waldthausen zum Abschluss des Jubiläumsjahres „300 Jahre Nachhaltigkeit“. Dabei stand die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit als Leitprinzip angesichts der sich wandelnden Ansprüche in Wirtschaft und Gesellschaft im Vordergrund der Vorträge und Diskussionen. Während in der bäuerlichen Forstwirtschaft des letzten Jahrhunderts der nachhaltig genutzte Wald eine Sparkassenfunktion für die Familienbetriebe einnahm, stellen heute Forstbetriebe interessante Anlageobjekte dar. Ob es um den Bau von Windkraftanlagen im Wald, Neuaufforstungen zur CO2-Kompensation oder sichere und rentable Geldanlagen geht, beide Branchen fühlen sich dem Gemeinwohl im Sinne der Nachhaltigkeit verpflichtet.

„Diese Expertentagung dient dazu, die Herausforderungen und Lösungsansätze der anderen Branche kennenzulernen“, so eröffnete Georg Schirmbeck, Präsident des deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) die Veranstaltung. „Nachhaltiges Wirtschaften ist ein Schlüssel für die Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft. Nur ein immer weiter zu entwickelnder Nachhaltigkeitsbegriff kann Maßstab unseres Handels sein, wenn wir weiterhin den sich wandelnden Ansprüchen der Gesellschaft gerecht werden wollen“. „Nachhaltigkeit ist der Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Diese ganzheitliche Betrachtung hat sich in den vergangenen 300 Jahren entwickelt und spiegelt sich auch in der Forstwirtschaft wieder“, sagte die rheinlandpfälzische Forstministerin Ulrike Höfken. Aspekte der Wertschöpfung seien beim Waldbau genauso wichtig wie der Erhalt der natürlichen Artenvielfalt und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Dies gelte insbesondere für den Staatswald, der per Gesetz dem Gemeinwohl diene. Um in diesem Sinne eine nachhaltige Entwicklung der rheinland-pfälzischen Wälder zu sichern, arbeite Landesforsten Rheinland-Pfalz im Gemeinschaftsforstamt mit den kommunalen und privaten Waldbesitzern Hand in Hand. Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen der Sparkassen erklärte der Stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV): „Die Förderung des Sparens ist unsere Mission seit 200 Jahren. Heute geht es nicht nur um Geld, sondern auch um einen sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen, damit die Lebensqualität auf Dauer gehalten werden kann. Sparkassen sind Teil des regionalen Netzwerks zur Förderung der Wirtschaft, des sozialen Zusammenhalts und der ökologischen Erneuerung.“

Bei den aktuellen Investments im Wald gibt es die direkten Berührungspunkte beider Branchen. Nach Ansicht der Finanzexperten gewinnt der Wald als Anlageobjekt nicht nur unter Aspekten der Nachhaltigkeit seit Jahren an Bedeutung. Grund und Boden sind knapp bemessen und nicht vermehrbar. Auch unter Berücksichtigung natürlicher Kalamitäten ist Wald eine vergleichsweise inflations- und krisensichere Kapitalanlage und kann sowohl für die Risikovorsorge als auch für die Sicherung künftiger Einkünfte wichtige Funktionen übernehmen. Die Bäume wachsen bei guter Pflege kontinuierlich, und der Holzmarkt schwankt sehr viel weniger als andere Märkte. Die lebhafte Diskussion zu „Windkraft im Wald“ verdeutlichte die Komplexität des Nachhaltigkeitsanspruches. Sie zeigt exemplarisch, dass innerhalb der Diskussion um Nachhaltigkeit, Zielkonflikte beispielsweise zwischen Klima- und Naturschutz auftreten können. Doch war Michael Diemer, Leiter des Forstamtes Kastellaun der Auffassung, dass Windenergie auf Waldstandorten verträglich umsetzbar und Zielkonflikte mit anderen sektoralen Zielsetzungen, wie dem Natur-und Artenschutz, angemessen lösbar seien. Voraussetzung dafür seien jedoch optimierte Erschließungsstandards, ein altlastenfreier Rückbau der Anlagen und insbesondere aufwändige Genehmigungsverfahren mit gründlichen Standortanalysen. In Rheinland Pfalz stehen bereits 250 Windenergieanlagen auf Waldstandorten. Carsten Wachholz, Stellvertretender Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik beim NABU-Bundesverband bezeichnete das zum Teil eigennützige Handeln der Waldbesitzer vor dem Hintergrund zu erwartender Einnahmen als „nachvollziehbar“. Schließlich wird je Windkraftanlage eine Pacht zwischen 20.000 und 50.000 Euro bezahlt, Summen, die durch die konventionelle Waldbewirtschaftung bei Weitem nicht erreicht werden. Das Ergebnis: „Wildwuchs statt strategischer Planung“ so Wachholz. Windkraft im Wald ließe sich jedoch nicht kategorisch ausschließen, wenn die Energiewende erfolgreich umgesetzt werden soll. Doch dies erfordere eine qualifizierte Raum- und Fachplanung, bei der naturschutzfachliche Aspekte konsequent berücksichtig und sensible Bereiche ausgeschlossen werden.

Die Sichtweise der „Sozialen Nachhaltigkeit“, die die Konkurrenz unter den Zielen nachhaltigen Handelns noch verschärfen kann, beschrieb Ute Kreienmeier vom Deutschen Städte- und Gemeindebund: „Windkraftanlagen können zu einer wichtigen Einnahmequelle für die kommunalen Haushalte entwickelt werden, aber es formieren sich neuerdings zunehmend massive Widerstände vor Ort. Vor allem, wenn der Eindruck entsteht, dass einige wenige auf Kosten der Kommunen und der Bürger das große Geld machen wollen.“ Kreienmeier forderte deshalb, möglichst viele der Betroffenen auch zu den ökonomischen Gewinnern der Energiewende zu machen. „Sonst wird weder den Kommunen noch den Bürgern zu vermitteln sein, warum sie Einschnitte in ihre Landschaft hinnehmen sollen, ihnen selbst aber das Geld für notwendige Infrastrukturmaßnahmen, etwa für die Sanierung von Schulen fehlt“. In seinem Schlusswort formulierte Georg Schirmbeck. „Wir haben heute gelernt, dass Nachhaltigkeit kein Kuschelthema ist und keine schnellen Antworten auf schwierige Fragen bietet. Aber wir haben auch erlebt, dass Begegnungen und Diskussionen wie Sie heute stattgefunden haben, ein Weg sind, um nachhaltige Lösungen für die Anforderungen der Zukunft zu entwickeln. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, und ich habe die große Hoffnung, dass die heutige Veranstaltung ein Anfang für eine Reihe weiterer Begegnungen zwischen Forst- und Finanzwirtschaft sein wird“.