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Hunderttausende Tierkadaver und Milliardenschäden: Zahlen und Fakten zur Ölpest der „Exxon Valdez“

Die Havarie der „Exxon Valdez“ am 24. März 1989 im Prinz-William-Sund vor Alaska war die zweitschlimmste Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Nur bei der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im April 2010 gelangte noch mehr Öl ins Meer. Allerdings schlug die „Deepwater Horizon“ auf dem offenen Meer im Golf von Mexiko leck, die „Exxon Valdez“ dagegen fuhr nahe der Küste in einer Bucht auf ein Riff.

Washington (afp) – Die Havarie der „Exxon Valdez“ am 24. März 1989 im Prinz-William-Sund vor Alaska war die zweitschlimmste Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Nur bei der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im April 2010 gelangte noch mehr Öl ins Meer. Allerdings schlug die „Deepwater Horizon“ auf dem offenen Meer im Golf von Mexiko leck, die „Exxon Valdez“ dagegen fuhr nahe der Küste in einer Bucht auf ein Riff.

Von Gregor Waschinski

WAS WAREN DIE SCHÄDEN AN DER NATUR?

Fast 42 Millionen Liter Rohöl verschmutzten mehr als 2000 Kilometer Küste von Alaska. Nach der Katastrophe fanden Helfer die Kadaver von mehr als 35.000 Vögeln und tausend Seeottern. Schätzungen zu den verendeten Tieren gehen von insgesamt 250.000 Seevögeln, 2800 Seeottern, 300 Seehunden und bis zu 22 Walen aus. Außerdem wurden wohl Milliarden Eier von Lachsen und Heringen vernichtet.

Die Reinigungsarbeiten zogen sich über vier Sommer, zu Spitzenzeiten waren bis zu 10.000 Arbeiter, etwa tausend Boote sowie hundert Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Nicht alles Öl konnte beseitigt werden, unter etlichen Stränden schlummern noch Rückstände der Ladung der „Exxon Valdez“. Die genaue Menge des verbleibenden Öls ist schwer zu bestimmen. Eine Studie des Exxon Valdez Oil Spill Council aus dem Jahr 2010 nannte etwa 50 betroffene Küstenabschnitte mit einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometern.

WIE TEUER WURDE DIE KATASTROPHE FÜR EXXON?

Die Aufräumarbeiten schlugen bei Exxon mit 2,1 Milliarden Dollar zu Buche. Im Jahr 1991 einigte sich der Ölkonzern mit der US-Regierung und dem Bundesstaat Alaska auf einen Vergleich, der die strafrechtliche Verfolgung beilegte. Exxon wurde zu einer Geldbuße von 150 Millionen Dollar verurteilt, von der aber 125 Millionen wegen der geleisteten Aufräumarbeiten erlassen wurden. Außerdem musste das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar Wiedergutmachung an den Staat zahlen. Knapp 100 Millionen Dollar an Zahlungen für nicht vorhersehbare Langzeitfolgen stehen noch aus.

Die zivilrechtlichen Ansprüche der Anwohner konnten erst nach einem langwierigen Rechtsstreit gelöst werden. Ursprünglich hatte ein Gericht den Klägern, vor allem Fischer aus dem Prinz-William-Sund, Schadenersatz in Höhe von fünf Milliarden Dollar zugesprochen. Exxon focht diese Summe an, am Ende begrenzte der Oberste Gerichtshof in Washington die Zahlungen im Sommer 2008 auf gut 500 Millionen Dollar. Die gleiche Summe hatte der Ölkonzern zuvor schon als Entschädigung an die 32.000 Fischer, Landbesitzer und anderen Betroffenen ausgezahlt.

WELCHE KONSEQUENZEN ZOG DIE POLITIK?

Als Reaktion auf die Umweltkatastrophe wurden die Sicherheitsvorschriften für Öltanker im Prinz-William-Sund deutlich verschärft. In der Bucht sind nur noch doppelwändige Tankschiffe im Einsatz, auch die Ausbildung und Überwachung der Besatzungen wurde verbessert. Schlepper begleiten die Tanker bei ihrer Fahrt von der Ölverladestation in Valdez durch den Prinz-William-Sund. Der Kongress in Washington verabschiedete 1990 den Oil Pollution Act, der den Konzernen unter anderem detaillierte Notfallplanungen für eine Ölpest vorschreibt.

WO IST DIE „EXXON VALDEZ“ HEUTE?

Die 1986 gebaute „Exxon Valdez“ erhielt nach der Katastrophe einen neuen Namen und fuhr als „Sea River Mediterranean“ über die Weltmeere. Allerdings war es dem Tanker gesetzlich untersagt, erneut in den Prinz-William-Sund einzulaufen. Das mehr als 300 Meter lange Schiff wechselte noch mehrfach den Besitzer, transportierte unter der Flagge Panamas Erz und kreuzte schließlich als „Oriental Nicety“ in asiatischen Gewässern. Im August 2012 wurde das Schiff in Indien verschrottet.

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