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Qualitätssiegel für „Natural Footwear“

Wie lassen sich umweltschonend, frei von Schadstoffen und sozial verträglich produzierte Schuhe erkennen? Obwohl es in der Textilwirtschaft zahlreiche Nachhaltigkeitssiegel gibt, wurden Schuhe bisher nicht richtig erfasst. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) hat nun im Rahmen der Düsseldorfer Schuhmesse GDS die neue IVN-Spezifikation für nachhaltige Schuhe vorgestellt.

Düsseldorf (csr-news) > Wie lassen sich umweltschonend, frei von Schadstoffen und sozial verträglich produzierte Schuhe erkennen? Obwohl es in der Textilwirtschaft zahlreiche Nachhaltigkeitssiegel gibt, wurden Schuhe bisher nicht richtig erfasst. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) hat nun im Rahmen der Düsseldorfer Schuhmesse GDS die neue IVN-Spezifikation für nachhaltige Schuhe vorgestellt.

Die deutschen Schuhhersteller erzielten im Jahr 2013 einen Gesamtumsatz von 2,3 Milliarden Euro. Trotz eines leichten Rückgangs zeigten sich Hersteller und Verband auf ihrem Branchentreff in Düsseldorf zuversichtlich und rechnen für die Zukunft zumindest mit stabilen Umsätzen. Dennoch gehört die Schuhindustrie in Deutschland nicht mehr zu den Schwergewichten, längst wird auch in diesem Bereich in Asien produziert. Laut offizieller Statistik sind in Deutschland 46 Unternehmen mit 80 Betriebsstätten in der Schuhindustrie tätig. Der Schuhhandel erlebt derzeit eine radikale Strukturveränderung, neue internationale Anbieter strömen auf den Markt, Hersteller drängen in den Handel und erhebliche Umsätze werden im Internet gemacht. Wer in diesem Umfeld ökologisch und sozial fair produzierte Schuhe finden will, braucht Siegel zur Orientierung. Denn die Produktion von Schuhen birgt viele Risiken: Giftige Chemikalien bei der Gerbung von Leder, im Färbeprozess und in Klebstoffen – diesen und weiteren gesundheitsgefährdenden Risiken werden die Fabrikarbeiter bei der Schuhproduktion ausgesetzt. Dabei führen die verwendeten Schadstoffe zu Krankheiten und zu erheblichen Umweltverschmutzungen. Darüber hinaus verbleiben sie als Rückstände im Schuh. Damit können sie auf direkte Weise ebenso den Verbraucher schädigen: Teilweise wirken sie krebserregend oder lösen Allergien aus. „Viele Verbraucher wollen sichergehen, dass die Schuhe, die sie täglich tragen, nicht unter ausbeuterischen und umweltzerstörerischen Bedingungen hergestellt wurden und darüber hinaus ihrer Gesundheit schaden können. Die IVN-Qualitätssiegel geben dem Konsumenten mit der neuen Spezifikation genau diese Sicherheit“, so Leonardo Langheim, IVN Vorstand Marketing.

„NATURTEXTIL“ UND „NATURLEDER“ – diese Kennzeichnungen werden erstmals für nachhaltig produzierte Schuhe vergeben. Sie bauen auf die bereits etablierten Qualitätszeichen „IVN BEST“ und „IVN NATURLEDER“ auf. Der Geltungsbereich der IVN-Richtlinien erweitert sich für Schuhe somit um die Prozesse der Verarbeitung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung und des Großhandels. Damit sichern die mit dem Label ausgezeichneten Produkte in Zukunft sowohl dem Handel als auch Verbrauchern die Einhaltung von umwelt- und sozialverträglichen Produktionsbedingungen und gesundheitliche Unbedenklichkeit zu. Den Schuhproduzenten bietet dieser Standard darüber hinaus Kriterien für die Qualitätssicherung, die Risikominimierung, das Umweltmanagement und den Arbeitsschutz. „In der Textil- und Bekleidungsbranche ist die Vergabe von Siegeln mittlerweile gang und gäbe. Doch gerade bei Schuhen, die aus unterschiedlichsten Einzelteilen und Materialien bestehen, hat eine Richtlinie bisher gefehlt. Der IVN schließt diese Lücke“, sagt Langheim.

Mit der neu entwickelten Spezifikation sei eine nachhaltige Schuhproduktion mit minimiertem Schadstoffeinsatz möglich, die dem Verbraucher ein sicheres Produkt liefert, so der IVN in einer Mitteilung. Der Einsatz von Chemikalien ist bei der Schuhherstellung nahezu unvermeidlich. Um eine signifikante Reduzierung unerwünschter Rückstände zu gewährleisten, definiert der Standard Kriterien für den Einsatz natürlicher und chemischer Textilhilfsmittel wie Farbstoffe, Prozesschemikalien und Ausrüstungsmittel. Damit ist der Standard für Vorstufenbetriebe wie Gerbereien gleichermaßen interessant wie für Hersteller und Großhändler von Leder und Schuhen. Ebenso profitieren Unternehmen, die ein ökologisch und umwelttechnisch relevantes Niveau entlang der Herstellungskette erfüllen und dies an ihren Produkten mit einem einheitlichen und branchenrelevanten Qualitätszeichen kenntlich machen möchten. Gleichzeitig dient der Standard als Orientierung für den Verbraucher auf der Suche nach ökologisch und sozial einwandfrei produzierten Schuhen.