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FeelGoodFashion 2014: Nachhaltigkeit setzt sich in der Modewelt nur langsam durch

Die grenzüberschreitende Nachhaltigkeitsinitiative Rank a Brand hat heute ihren aktuellen FeelGoodFashion Report 2014 veröffentlicht. Dafür wurden 368 Modemarken auf ihre Maßnahmen zum Klimaschutz, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen in der Produktion untersucht. Nur 34 Marken konnten die Analysten überzeugen und wurden als empfehlenswert eingestuft.

Berlin (csr-news) > Die grenzüberschreitende Nachhaltigkeitsinitiative Rank a Brand hat heute ihren aktuellen FeelGoodFashion Report 2014 veröffentlicht. Dafür wurden 368 Modemarken auf ihre Maßnahmen zum Klimaschutz, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen in der Produktion untersucht. Nur 34 Marken konnten die Analysten überzeugen und wurden als empfehlenswert eingestuft.

Von diesen erreichten die Marken armedangels, bleed, Freitag, Greenality, hessnatur, Mud Jeans, Nudie Jeans, Pants to Poverty, recolution und Saint Basics die bestmögliche Bewertung, ein A-Label. Fast alle sind kleinere, grüne Modemacher. Aber auch bei einigen großen Herstellern gibt es Pioniere, die deutlich erkennbar Verantwortung übernehmen. Dazu gehören Marken wie G-Star, H&M, Jack Wolfskin, Patagonia, Puma, Timberland und Vaude. Diese Markenhersteller haben Maßnahmen getroffen und Resultate erzielt, die jeweils darauf hinweisen, dass auch die großen Hersteller der Modeindustrie Antworten auf dringende Umwelt- und Sozialprobleme Probleme bei der Produktion von Kleidung finden. Die deutliche Mehrheit der Mainstream-Marken gibt demgegenüber kaum Anlass für ein gutes Gefühl beim verantwortungsbewussten Kleiderkauf.

Mehr Nachhaltigkeitskommunikation

Im Vergleich zu den Untersuchungen von Rank a Brand im Jahr 2011 hat sich die Kommunikation zur Nachhaltigkeit bei den Modemarken um 10 Prozent auf 63 Prozent gesteigert. Auch wenn nur 20 Prozent der Markenhersteller einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, so scheint sich das Thema Nachhaltigkeit langsam seinen Weg zum Mainstream zu bahnen. Mario Dziamski, Gründer von Rank a Brand in Deutschland: „Die Assoziation nachhaltige Mode = “Öko“ verliert zunehmend an Bedeutung. Vielmehr entwickeln sich Themen zum Klima- und Umweltschutz sowie fairen Arbeitsbedingungen zum Erfolgsfaktor für starke Marken.“ Bei einer Vielzahl der untersuchten Markenhersteller stellt Rank a Brand allerdings einen engen Bezug zum Greenwashing fest. 30 Prozent der Modemarken, die zum aktuellen Zeitpunkt in irgendeiner Form über Nachhaltigkeit kommunizieren, sind auf dem Greenwashing Alert von Rank a Brand gelistet. Dies betrifft Marken, die trotz ihrer Kommunikation zu Nachhaltigkeitsthemen ein E-Label, also die geringste Bewertungsstufe bei Rank a Brand bekommen. „Bei diesen Marken liegt der Verdacht nahe, dass Nachhaltigkeit nicht substanziell, sondern vorrangig kommunikativ angegangen wird“, so ein Fazit der Untersuchung.

Für den FeelGoodFashion Report werden die Unternehmen in den Themenbereichen Klimaschutz, Umweltschutz und Arbeitsbedingungen untersucht. Dabei konzentriert sich Rank a Brand zunächst auf öffentlich zugängliche Quellen. Voraussetzung für eine positive Bewertung ist also eine transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung. „Jeder gerankte Markenhersteller wird über unsere Rankings zudem regelmäßig via Mail in Kenntnis gesetzt. Bspw. bei Aktualisierungen des Rankings. Die untersuchten Unternehmen habe dadurch die Möglichkeit, auf ihr jeweiliges Ranking zu reagieren. Insbesondere Marken, die bereits für eine gute Berichterstattung bekannt sind, bspw. Vaude oder Jack Wolfskin, machen davon auch Gebrauch und reagieren ggf. mit der Veröffentlichung weitere Informationen zu ihrer Nachhaltigkeitsleistung“, erläutert Dziamski das Vorgehen. Deutlich wird dies auch bei den Ergebnissen des Berichts. Marken aus dem Bereich Outdoor- und Sportbekleidung müssen sich einer glaubhaften Kommunikation zu Nachhaltigkeitsthemen stellen. Im Ranking setzen sich diese Hersteller auch mit überdurchschnittlichen Nachhaltigkeitsleistungen durch. Die Verarbeitung von umweltfreundlicheren Rohstoffen sowie die zunehmende Arbeit an Maßnahmen zur Vermeidung bedenklicher Chemikalien sind einige positive Beispiele dafür. Demgegenüber stehen Hersteller von Luxus- und Kindermode. Marken aus diesen beiden Branchen lassen bisher kaum erkennen, dass sie sich mit Nachhaltigkeitsthemen ernsthaft auseinandersetzen. Dieser Umstand steht im starken Kontrast zum Attribut der Hochwertigkeit, welches mit den Marken aus beiden Branchen eng verbunden ist.

Faire Arbeitsbedingungen wichtiger als Klimaschutz

Im Vergleich zu Maßnahmen für den Klima- und Umweltschutz weisen bei den untersuchten Modemarken faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten die höchste Priorität auf. Während zwar 50 Prozent aller untersuchten Marken über allgemeine Maßnahmen zum betrieblichen Klimaschutz berichten, können – auf Grundlage einer vollständigen Klimabilanz – nur 4 Prozent aller Marken deutliche Reduzierungen der emittierten Treibhausgasemissionen aufweisen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Themen zum Umweltschutz. Eine Vielzahl der untersuchten Marken berichtet beispielsweise über den Einsatz von umweltfreundlichen Rohstoffen wie Bio-Baumwolle oder recycelten Materialien. Die wenigstens werden allerdings konkret, wenn es um das Gesamtverhältnis zu allen verarbeiteten Rohstoffen geht. Lediglich knapp 3 Prozent aller untersuchten Markenhersteller verarbeiten hingegen ausschließlich umweltfreundlichere Rohstoffe. Dem Thema Arbeitsbedingungen messen die Marken demgegenüber mehr Wichtigkeit bei. 53 Prozent der untersuchten Modemarken veröffentlichen einen Verhaltenskodex (Code of Conduct), in denen glaubhaft die folgenden Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gegenüber den Zulieferern eingefordert werden: keine Arbeit unter Zwang, keine Kinderarbeit, keine Diskriminierung jeglicher Art, ein sicherer sowie hygienischer Arbeitsplatz. Jedoch, die Kodizes von nur 21 Prozent der untersuchten Marken machen darüber hinaus auch glaubhaft, dass mindestens zwei der folgenden Normen für Zulieferbetriebe ebenfalls verpflichtend sind: ein formell registriertes Arbeitsverhältnis, eine Arbeitswoche von maximal 48 Stunden sowie freiwillige, bezahlte Überstunden (max. 12 Std.), ein zum Leben ausreichendes Gehalt. Ebenso machen nur 31 Prozent der untersuchten Markenhersteller das Vereinigungsrecht im umfassenden Maße zur Pflicht. Ein Verhaltenskodex ist jedoch kaum etwas wert, sofern nicht auch Maßnahmen getroffen werden, um dessen Einhaltung in Produktionsländern wie Bangladesch, China oder Indien auch wirklich sicherzustellen. Zu diesem Zwecke haben sich 33 Prozent der untersuchten Marken mindestens einer Multi-Stakeholder-Initiative angeschlossen. Am populärsten ist dabei die Business Social Compliance Initiative BSCI, gefolgt von der Fair Wear Foundation (FWF), der Ethical Trading Initiative (ETI) und der Fair Labor Association (FLA). Ein Teil der Unternehmen lässt seine Produkte zu einem bedeutenden Anteil in sozial zertifizierten Fabriken oder in Ländern mit geringem Risiko für Arbeiter fertigen. Dieser Wert zeigt, dass die Modeindustrie erst am Anfang ist, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Die Ergebnisse zu den tatsächlich erreichten Resultaten der getroffenen Maßnahmen verdeutlichen dies. Nur 30 der untersuchten Modemarken können bisher glaubhaft machen, dass mindestens ein Drittel des Produktionsvolumens durch die Zulieferer den Standards des Verhaltenskodex entspricht oder mindestens 80 Prozent auditiert wurden – jeweils verifiziert von einem unabhängigen dritten Akteur. Zudem, nur 7 Prozent der untersuchten Markenhersteller zeigen sich bisher so transparent, dass sie eine ausführliche Liste aller beauftragten, direkten Zulieferer veröffentlichen.

 

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