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Sind Familienunternehmen die besseren Unternehmen?

Welche Einstellungen haben Unternehmen zu Gesellschaft, Staat und Steuern? Gibt es einen Unterschied zwischen inhabergeführten Betrieben und solchen die von Managern geführt werden? In einer umfangreichen Studie hat das Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen nach Antworten gesucht. Am Ende zeigte sich, es gibt Gemeinsamkeiten aber auch sehr unterschiedliche Wertvorstellungen.

München (csr-news) > Welche Einstellungen haben Unternehmen zu Gesellschaft, Staat und Steuern? Gibt es einen Unterschied zwischen inhabergeführten Betrieben und solchen die von Managern geführt werden? In einer umfangreichen Studie hat das Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen nach Antworten gesucht. Am Ende zeigte sich, es gibt Gemeinsamkeiten aber auch sehr unterschiedliche Wertvorstellungen.

„Soziales Wesen oder kalter Zahlenmensch?“ ist die Studie überschrieben. Sie sollte herausfinden wie nahe Familienunternehmen und Nichtfamilienunternehmen dem Konzept des auf Nutzenmaximierung ausgerichteten Konzepts des „homo economicus“ stehen. Dazu wurden 587 Interviews mit Geschäftsführern beider Lager geführt, deren Unternehmen mindestens 50 Mitarbeiter beschäftigen. Dabei zeigte sich, Rendite ist in beiden Unternehmensformen ein zentrales Motiv der Unternehmensführung. In beiden Gruppen wurde das Ziel „die Rentabilität des Unternehmens zu steigern“ von fast 80 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig eingeschätzt. Auch wenn es darum geht, hochwertige Produkte oder Dienstleistungen anzubieten, zeigte sich eine große Übereinstimmung. Viel interessanter sind aber die Unterschiede und die zeigen sich vor allem beim Wertverständnis der Unternehmensführer. Bei den Familienunternehmen stehen soziale Motive deutlich höher im Kurs. Deutlich wird dies an zwei Zahlen. Zum einen ist es für über 90 Prozent der inhabergeführten Betriebe wichtig, ihren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. Zwar wird dies auch von den Managern der Nichtfamilienunternehmen angestrebt, allerdings mit 76 Prozent der Nennungen deutlich seltener. Auf der anderen Seite führt die Studie die Unterstützung von karitativen oder sportlichen Einrichtungen, Stiftungen oder Vereinen an. Zwar wird dies in 59,7 Prozent der Familienunternehmen praktiziert und damit häufiger als bei anderen Unternehmen (43.7 Prozent), allerdings sind die Gründe für dieses Engagement sicher vielschichtiger und vielleicht nicht für den direkten Vergleich geeignet. Insgesamt werden mitarbeiterorientierte Unternehmensziele in den Familienunternehmen deutlich stärker und öfter priorisiert. „Familienunternehmen sind offensichtlich anders. Sie verfolgen ihre wirtschaftlichen Ziele auf eine gesellschaftlich verträglichere Art und Weise als Nicht-Familienunternehmen“, kommentiert Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, die Studie. „Die Familienunternehmen kommen dem „Good Corporate Citizen“ nahe, der eher verantwortlich und im Sinne der Gesellschaft handelt“, stellt Prof. Michael Woywode, einer der Autoren, fest.

Das wird auch an anderen Zahlen erkennbar, beispielsweise dem Bekenntnis zum Standort Deutschland oder in Bezug auf die Unabhängigkeit und langfristige Sicherung des Unternehmens. Am deutlichsten traten die Unterschiede beim Thema Unabhängigkeit auf. Für 62,2 Prozent der Familienunternehmen ist dies sehr wichtig, während nur jeder dritte Manager dieses Ziel als wichtig erachtet. Unterschiede, wenn auch nicht so große, zeigen sich auch bei der langfristigen Sicherung des Unternehmens, immerhin ist dies für 83 Prozent der Familienbetriebe bedeutend, aber auch fast 70 Prozent der Nichtfamilienunternehmen streben dies an. Eine starke Bindung an den Standort Deutschland ist für 84,1 Prozent der Familienunternehmen etwas wichtiger als für Nichtfamilienunternehmen, von den sich 78,7 Prozent dazu bekannten. Ein zentraler Faktor ist dabei das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen, so geben etwa 70 Prozent aller Unternehmen an, hohes Vertrauen in die deutsche Gerichtsbarkeit zu haben. Die Standorttreue steht auch in einem engen Verhältnis zur Bereitschaft, Steuern zu bezahlen. Dies zeigt sich insbesondere bei Unternehmen die eine langfristige Sicherung der Unternehmensexistenz anstreben und somit auch auf stabile staatliche Verhältnisse angewiesen sind.

So legte die Untersuchung einen Schwerpunkt auf das Thema Besteuerung. Rund 90 Prozent der befragten Entscheider beider Unternehmenstypen gaben an, dass es sehr wichtig oder wichtig sei, Steuern zu zahlen, um die staatliche Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Ebenfalls 90 Prozent halten es für eine moralische Verpflichtung, Steuern zu zahlen. 63 Prozent sind weiter der Meinung, dass man bereit sein müsse, seinen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten, auch wenn andere mehr staatliche Leistungen in Anspruch nähmen. „Diese Befragungsergebnisse zeigen, dass es um die Steuermoral in großen Teilen der Wirtschaft besser bestellt ist als immer wieder behauptet“, merkt Kirchdörfer an. Als höchst ungerecht jedoch bewerten die Verantwortlichen von Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen die Erbschaftsteuer. Weniger als 17 Prozent der Befragten halten sie für eher oder sehr gerecht. 47,1 Prozent der Familienunternehmer und 45,3 Prozent der Nicht-Familienunternehmer halten sie hingegen für ungerecht bzw. sehr ungerecht. Auf wenig Akzeptanz stößt auch die Vermögenssteuer, vor allem bei solchen Unternehmen, die soziales Engagement freiwillig und nicht ökonomisch motiviert betreiben. Und dann ist es auch schnell vorbei mit der Standorttreue. Fast ein Viertel der Familienunternehmen würde im Fall einer jährlichen Vermögensteuer von ein oder 1,5 Prozent eine Verlagerung ins Ausland in Betracht ziehen, ein gemessen an der regionalen Verankerung der Firmen sehr hoher Wert.

Die Studie „Soziales Wesen oder kalter Zahlenmensch“ zum Download.

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