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IPCC: Ein Gremium von tausenden Wissenschaftlern und 195 Regierungen

An diesem Montag präsentiert der Weltklimarat im japanischen Yokohama neue Erkenntnisse zu Risiken und Folgen des Klimawandels sowie zu Möglichkeiten der Anpassung. Dabei geht es um den zweiten Teil des fünften Sachstandsberichts des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change). Bis Oktober soll der komplette Bericht vorliegen.

Berlin (afp) – An diesem Montag präsentiert der Weltklimarat im japanischen Yokohama neue Erkenntnisse zu Risiken und Folgen des Klimawandels sowie zu Möglichkeiten der Anpassung. Dabei geht es um den zweiten Teil des fünften Sachstandsberichts des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change). Bis Oktober soll der komplette Bericht vorliegen.

Von Benno König

Was ist der IPCC?

Der umgangssprachlich auch Weltklimarat genannte IPCC wurde 1988 auf UN-Ebene gegründet. Er gliedert sich in drei Arbeitsgruppen, die jeweils getrennt voneinander Berichte vorlegen. Arbeitsgruppe eins befasst sich mit naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, also dem Auswerten von Messdaten, dem Berechnen von Modellen der Erderwärmung und der Ursachenanalyse.

Arbeitsgruppe zwei befasst sich mit den Folgen der Erderwärmung, Risiken für Mensch und Natur sowie Möglichkeiten der Anpassung an den Klimawandel. Dabei werden diesmal in einem separaten Teil auch regionale Auswertungen vorgenommen. Arbeitsgruppe drei beschreibt politische und technische Wege zur Minderung der Erderwärmung, beispielsweise für die Verringerung des Treibhausgasausstoßes. Zusätzlich gibt es einen Synthesebericht, der grundlegende Ergebnisse der Teilberichte zusammenführt.

Wer gehört zum IPCC?

Beteiligt sind 195 Regierungen – also fast alle – und mehr als 830 wissenschaftliche Leitautoren und Editoren, darunter etwa 40 Deutsche. Letztere werden vom Vorstand der betreffenden Arbeitsgruppe nach den Kriterien wissenschaftliche Qualifikation und Ausgewogenheit des Teams ausgewählt. Dazu kommen etwa 2000 weitere Autoren, die dem Schreibteam zuliefern.

Wie entstehen die IPCC-Berichte?

Alle Berichte bestehen aus der Langfassung, die mehr als 2000 Seiten umfassen kann, und einer etwa 30-seitigen Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. Diese wird im Vorfeld mit den Regierungen abgestimmt, wobei die Regierungsvertreter sich aber nicht über gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse hinwegsetzen oder Aussagen der Wissenschaftler verändern dürfen. Umgekehrt machen sich die Regierungen durch diesen Abstimmungsprozess die Erkenntnisse der Wissenschaftler zu eigen. Der Synthesebericht ist etwa 100 Seiten stark.

Wie funktioniert die Qualitätssicherung?

Für den IPCC-Bericht werden keine eigenen Forschungen betrieben, sondern vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse ausgewertet. Dabei darf es sich im Regelfall nur um anerkannte Forschungsergebnisse handeln, die in einem sogenannten Peer-Review-Verfahren von anderen Wissenschaftlern begutachtet wurden.

Ausnahmen für im Wissenschaftsjargon sogenannte graue Literatur sind nur in begründeten Fällen zulässig, zum Beispiel für regionale Studien etwa zum Deichbau in einer bestimmten Gegend, für die es keine externe Begutachtung gibt, aber auch für Statistiken von Regierungen oder internationalen Organisationen beispielsweise zur Nutzung bestimmter Energieträger. Grundsätzlich gibt es zudem noch mehrere tausend beim IPCC registrierte wissenschaftliche Gutachter, die zu allen Aussagen in den Berichten Kommentare oder Kritikpunkte einreichen können.

Kommt es trotzdem zu Fehlern?

In jeder menschlichen Arbeit gibt es Fehler, erst recht bei einem derartigen Umfang. Einer der schwerwiegendsten war ein Zahlendreher in einer Prognose für das Abschmelzen der Himalaya-Gletscher (2035 statt 2350) im vierten IPCC-Sachstandsbericht. Damals waren Warnhinweise im Review-Prozess übersehen worden. Daraufhin wurde unter anderem die Regel eingeführt, dass alle der mehrere zehntausend Kommentare von den Autoren ausnahmslos bearbeitet und beantwortet werden müssen.

Wie ist der zeitliche Ablauf?

Der erste Teil des fünften Sachstandsberichts liegt seit September 2013 vor. Nach dem nun anstehenden zweiten Teil wird der dritte Teil am 13. April in Berlin veröffentlicht. Der Synthesebericht soll im Oktober in Kopenhagen präsentiert werden. Der Veröffentlichung vorgeschaltet sind jeweils Schlussberatungen ausgewählter Wissenschaftler und Regierungsvertreter.

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