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Transparenz in der Pharmaindustrie – Zuwendungen an Patientenorganisationen veröffentlicht

Nur wenige Branchen werden ähnlich kritisch betrachtet, wie die Pharmaindustrie. Deshalb wird an allen Ecken Transparenz gefordert, sei es im Umgang mit klinischen Studien, über die Beziehungen zu Ärzten und auch über finanzielle Zuwendungen an Patientenorganisationen. Mit freiwilligen Selbstverpflichtungen soll der Transparenzanspruch erfüllt werden.

Berlin (csr-news) > Nur wenige Branchen werden ähnlich kritisch betrachtet, wie die Pharmaindustrie. Deshalb wird an allen Ecken Transparenz gefordert, sei es im Umgang mit klinischen Studien, über die Beziehungen zu Ärzten und auch über finanzielle Zuwendungen an Patientenorganisationen. Mit freiwilligen Selbstverpflichtungen soll der Transparenzanspruch erfüllt werden.

2004 hat sich er Verein „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e. V.“ (FSA) gegründet um die Zusammenarbeit zwischen Arzneimittelherstellern und den Angehörigen der medizinischen Fachkreise sowie den Organisationen der Patientenselbsthilfe zu überwachen. Verstöße gegen die Kodizes können mit einer öffentlichen Rüge oder einer Geldstrafe zwischen 5.000 und 400.000 Euro geahndet werden. Seit ihrer Gründung musste sich die FSA bis Ende 2012 mit 339 Beanstandungen auseinandersetzen, 22 waren es im Geschäftsjahr 2012. Interessanterweise werden die meisten Beanstandungen von den eigenen Mitgliedern vorgetragen, gleichwohl wurden 185 Beanstandungen aufgrund formeller oder materieller Gründe eingestellt. In 111 Fällen kam es zu einer Abmahnung bzw. Unterlassungsverfügung und in 35 Fällen wurden Geldstrafen verhängt. Die Gründe für Beanstandungen reichen von Verstößen gegen das Geschenkverbot, über unzulässige Unterstützungen von Fortbildungsveranstaltungen bis hin zu unerlaubt gewährten Preisnachlässen. Von den 22 in 2012 gemeldeten Fällen führten drei zu einer Geldstrafe, vier zu einer Abmahnung und 12 Verfahren wurden eingestellt. „Die Kodizes des FSA gewährleisten, dass bei jeglichen Kooperationen klare Spielregeln eingehalten werden. Der Transparenzgedanke ist dabei ein zentraler Aspekt dieser Regeln und bestimmt seit jeher das Handeln der Mitgliedsunternehmen“, so Holger Diener, Geschäftsführer des FSA.

Nun mussten bereits zum fünften Mal seit 2009 die Mitglieder ihre Zuwendungen an Patientenorganisationen offenlegen. Mit dem „Kodex Patientenorganisationen“ haben sie sich dazu verpflichtet, die Öffentlichkeit jährlich über alle Zuwendungen an Selbsthilfeorganisationen in Form und Höhe zu unterrichten. Dies umfasst sowohl finanzielle Leistungen als auch die indirekte Förderung, beispielsweise durch zur Verfügung gestellte Serviceleistungen oder Schulungen. Stichtag ist der 31. März eines Jahres für die Zuwendungen im Vorjahr. Dabei werden kleine Beiträge veröffentlicht, mit denen beispielsweise Veranstaltungen von Selbsthilfeorganisationen unterstützt wurden, es finden sich aber auch Zahlungen im sechsstelligen Bereich, die einzelnen Organisationen ihre Arbeit ermöglicht. Die Offenlegung der Zuwendungen an Patientenorganisationen hat sich in den vergangenen fünf Jahren in der Branche etabliert. Es hat sich gezeigt, dass die Unterstützung der Unternehmen ausschließlich die wertvolle Arbeit der Patientenorganisationen, die vielfach ehrenamtlich erbracht wird, unterstützt bzw. erst ermöglicht“, so Diener. „Nun gehen die FSA-Mitglieder noch einen Schritt weiter und übertragen diese Regelung in Form des Transparenzkodex auch auf den ärztlichen Bereich“, so Diener. „Wir sind davon überzeugt, dass die Herstellung transparenter Strukturen entscheidend dazu beiträgt, das Vertrauen der Allgemeinheit zu stärken, Misstrauen zu begegnen und dadurch ein besseres Verständnis für den notwendigen Austausch zwischen der Industrie und den Partnern im Gesundheitswesen zu erreichen.“ Nach dem neuen FSA-Transparenzkodex dokumentieren die Unternehmen ab 2015 analog zum Kodex Patientenorganisationen alle Zuwendungen an Ärzte sowie weitere Angehörige der Fachkreise und medizinische Einrichtungen. Die erste Veröffentlichung in diesem Bereich soll 2016 erfolgen, bezogen auf das Jahr 2015. „Das Zusammenwirken von Ärzten und Pharma-Industrie wird schnell unter den Generalverdacht der Beeinflussung und Manipulation gestellt. Damit soll Schluss sein durch mehr Transparenz. Sie ist die Grundlage für Glaubwürdigkeit und Kooperation. Dadurch wird das Vertrauen auf allen Seiten wachsen. Und deshalb bauen wir bei der Umsetzung der Vorschriften des neuen Kodex auf das Verständnis und die Mitwirkung vieler Patienten und Ärzte,“ sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen Birgit Fischer dazu. Die Transparenzverpflichtung umfasst Spenden und andere einseitige Zuwendungen sowie solche im Zusammenhang mit Fortbildungsveranstaltungen, Dienstleistungs- und Beratungshonorare und Zuwendungen im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung.

Ab 2016 wird vermutlich auch eine Regelung in Kraft treten, die in dieser Woche im EU-Parlament verabschiedet wurde. Mit der sogenannten Clinicial Trials Regulation soll die Bürokratie vor allem bei multinationalen klinischen Studien verringert werden, aber auch mehr Transparenz und ein besserer Schutz der Patienten erzeugt werden. Dazu sollen zukünftig alle Ergebnisse klinischer Studien in allen europäischen Mitgliedsländern veröffentlicht werden, und zwar innerhalb eines Jahres. Bislang fand nur die Hälfte dieser Ergebnisse ihren Weg in die Öffentlichkeit.

 

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