Nachrichten

Chancenkontinent mit Problemen: Bundesregierung ändert Afrika-Strategie

Für eine realistische Diskussion über Chancen und Risiken des Engagements in Afrika hat sich der Afrika-Beauftragter der Bundeskanzlerin im Bundesentwicklungsministerium, Günter Nooke (CDU), ausgesprochen. „Der Chancenkontinent Afrika hat noch große Probleme“, sagte Nooke am Freitag in der Evangelischen Akademie Rheinland in Bonn. Dort erläuterte er die Afrikastrategie der neuen Bundesregierung, die – wie die Vorgängerregierung – die Bedeutung des wirtschaftlichen Engagements betont, zugleich aber stärker die Risiken in den Blick nimmt.

Bonn (csr-news) – Für eine realistische Diskussion über Chancen und Risiken des Engagements in Afrika hat sich der Afrika-Beauftragter der Bundeskanzlerin im Bundesentwicklungsministerium, Günter Nooke (CDU), ausgesprochen. „Der Chancenkontinent Afrika hat noch große Probleme“, sagte Nooke am Freitag in der Evangelischen Akademie Rheinland in Bonn. Dort erläuterte er die Afrikastrategie der neuen Bundesregierung, die – wie die Vorgängerregierung – die Bedeutung des wirtschaftlichen Engagements betont, zugleich aber stärker die Risiken in den Blick nimmt.

Als ein großes Risiko nannte Nooke die Instabilität mancher afrikanischer Regierungen: „Ohne Staat ist wenig Staat zu machen“. So sei eine demokratische Wahl alleine noch keine Garantie dafür, dass die Regierungen auch die Menschenrechte achteten. Nooke: „Ohne bessere und verantwortungsvolle Regierungen in Afrika wird es weder ausländische Investitionen geben noch eine ausreichende Wirtschaftsentwicklung.“

Die Wirtschaft Afrikas verzeichne seit Jahren ein stabiles Wachstum von über fünf Prozent jährlich, allerdings auf einem insgesamt niedrigen Niveau, so der Afrikabeauftragte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aller afrikanischen Länder gemeinsam entspricht in etwa dem BIP Spaniens. Nooke: „Da reicht es nicht, von den fünf Prozent stabilen Wachstums zu reden, da müssen Rahmenbedingungen verbessert werden.“ Die Schaffung eines gesamtafrikanischen Marktes könne dazu beitragen, den Kontinent für Investoren interessanter zu machen, so der Afrikabeauftragte.

Rechte: Günter Nooke
Günter Nooke

Im März legte das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) ein Papier mit dem Titel „Die neue Afrika-Politik des BMZ“ vor. Zu den darin genannten Kernpunkten gehören der Aufbau von zehn grünen Zentren für die nachhaltige landwirtschaftliche Wertschöpfung in Afrika, zehn neue Ausbildungspartnerschaften mit der deutschen Wirtschaft, der Ausbau von drei Ausbildungszentren für Gesundheitsfachkräfte sowie zusätzliche Mittel für neue Bildungsmaßnahmen. Zudem will die Bundesregierung einen stärkeren Schwerpunkt auf die Armutsbekämpfung legen. Diese sei in der zurückliegenden Legislaturperiode „ein bisschen in den Hintergrund geraten, als es immer nur um die Wirtschaft ging“, sagte Nooke.

In Bezug auf die Bildung junger Menschen in Afrika sieht Nooke großes Potential bei den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien. Angesichts preisgünstiger Tablets und interaktiver Bildungsapps sei die Erhöhung der Lehrergehälter nicht mehr das einzige Thema, so Nooke.

Auf die wachsende Bedeutung Afrikas angesichts des Bevölkerungswachstums auf diesem Kontinent machte Etiènne Fopas von der Université Yaoundé in Kamerun aufmerksam. Derzeit leben 12% der Weltbevölkerung in Afrika, im Jahr 2050 würden es 24% sein. Fopas weiter: „In 2030 werden in Afrika 50% der Menschen in Städten wohnen.“ Viele Städte seien heute „große Dörfer“, die Verbesserung der städtischen Infrastrukturen sei eine der großen Herausforderungen Afrikas. Einen hohen Investitionsbedarf verzeichneten auch der Energie- und der Kommunikationssektor. „Es gibt Geld, es gibt Projekte, es fehlen Unternehmen“, sagte Fopas.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung in Afrika wird möglicherweise die Verlagerung einfacher Produktionsabläufe aus China beitragen. „Der untere Teil der Wertschöpfungskette muss aus China raus. Und da gibt es ein großes Potential für Afrika, verlängerte Werkbank für China zu werden“, sagte Axel Berger, Chinaexperte im Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn. Ob Afrika die menschen- und arbeitsrechtlichen Probleme eines Billiglohnlandes entwickeln werde, hänge an den von den Regierungen zu setzenden Rahmenbedingungen, so Berger weiter.

Positionspapier „Die neue Afrika-Politik des BMZ“ >> zum Download

Foto: ICT bietet für die Bildung in Afrika neue Perspektiven. Afrikanische Kinder spielen mit einem Tablet.

About the author

CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

Leave a Comment