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Technische Entwicklung als religiöser Auftrag: Selbsternannter Apostel will Ghanas Industrie ankurbeln

Autos mit Fernbedienung, sprechende Roboter, Fernsehgeräte mit Gestensteuerung: Mit eigenen Erfindungen will ein selbsternannter Apostel in Ghana die Industrie ankurbeln. Neben einem Forschungszentrum betreibt Kwadwo Safo 137 Kirchen, über die er Freiwillige rekrutiert. Dank eines kräftigen Wirtschaftswachstums hat sich in dem westafrikanischen Land ein robuster Mittelstand entwickelt, der die Nachfrage nach Autos, Computern und Mobiltelefonen anheizt. Fast nichts davon wird allerdings in Ghana oder anderen Ländern Afrikas hergestellt. Ginge es nach Safo, könnte sich dies bald ändern.

Gomoa Mpota (afp) – Autos mit Fernbedienung, sprechende Roboter, Fernsehgeräte mit Gestensteuerung: Mit eigenen Erfindungen will ein selbsternannter Apostel in Ghana die Industrie ankurbeln. Neben einem Forschungszentrum betreibt Kwadwo Safo 137 Kirchen, über die er Freiwillige rekrutiert. Dank eines kräftigen Wirtschaftswachstums hat sich in dem westafrikanischen Land ein robuster Mittelstand entwickelt, der die Nachfrage nach Autos, Computern und Mobiltelefonen anheizt. Fast nichts davon wird allerdings in Ghana oder anderen Ländern Afrikas hergestellt. Ginge es nach Safo, könnte sich dies bald ändern.

Von Chris Stein

Der „Stern von Afrika“, wie sich Kwadwo Safo auch gerne nennt, produziert mit seiner Firma Kantanka Prototypen von Geländewagen, die mit Hilfe von goldenen Armbanduhren gestartet werden. Oder Fernseher, deren Lautstärke sich per Fingerschnippen regeln lässt. Für viele dieser Produkte verwendet er lokale Hölzer und traditionelle Muster, seit Jahren werden sie auf Messen präsentiert.

Dieses Jahr will Safo nun eine Produktionsanlage eröffnen und mit der Herstellung von Autos „made in Ghana“ in Serie gehen. Fachleute des ghanaischen Industrieverbands bezweifeln jedoch, dass sich Fahrzeuge aus heimischer Produktion gegen die jährlichen Importe von rund 12.000 Neu- und 100.000 Gebrauchtwagen durchsetzen können. Trotzdem hoffen viele Ghanaer, dass ihre Wirtschaft nicht mehr nur auf den Export von Gold, Kakao und Erdöl angewiesen ist.

Mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als sieben Prozent ist Ghanas Wirtschaft die zweitstärkste in Westafrika, doch bei Fahrzeugen und Betriebsmitteln ist sie weitgehend vom Import abhängig. Aufgrund steigender Inflation und des weltweit sinkenden Goldpreises verlor der ghanaische Cedi im vergangenen Jahr fast ein Viertel seines Wertes.

Präsident John Dramani Mahama forderte in einer Regierungserklärung im Februar, Grundnahrungsmittel wie Geflügel, Reis und Tomaten verstärkt selbst zu produzieren. Safo will noch weiter gehen. „Sein Traum ist es, auf den ganzen Kontinent zu expandieren“, sagt Alfred Akutteh, einer von Safos Technikern. „Deshalb nennt er sich auch ‚Stern von Afrika'“.

Safos Forschungszentrum liegt etwa 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Accra. Rund 250 Lehrlinge arbeiten an Prototypen von Kampfhubschraubern oder elektrischen Schalttafeln. Die meisten sind Mitglieder in einer seiner Kirchen, sie arbeiten gegen Kost und Logis. Manchen ermöglicht der Chef mit einem Stipendium ein Studium. „Die Arbeit mit dem Apostel ist eine Erfahrung, die jeder mal machen will“, sagt sein Patenkind Nyan Saba Safo Kantanka. „Für den Apostel, den Vater von Afrika, und seine Vision, müssen wir alle unseren Teil beitragen, damit Ghana und Afrika weltweit Bedeutung erlangen.“

Safo selbst ist für ein Interview nicht erreichbar. Nach Angaben seines langjährigen Freundes Kwabena Frimpong-Boateng begann er als Schweißer, bevor er elektrische Verteilertafeln, Spannungsstabilisatoren und später Autos konstruierte. Sein erster Prototyp war der Nachbau einer Mercedes-Limousine, die nun verstaubt unter einem Baum steht. In seinen Kirchen präsentiert sich Safo als Mann Gottes und panafrikanischer Held. „Er sieht sich als Retter Afrikas“, sagt Frimpong-Boateng. Porträts eines lächelnden Safo mit Sonnenbrille zieren die Kirchen, das Forschungszentrum und sogar einige Prototypen.

Der Betrieb wird laut Akutteh mit Gewinnen aus einem Steinbruch, Kliniken, Schulen und einer Busfirma finanziert. „Der Apostel hat mich inspiriert“, sagt Nana-Ama Safoa, die in der Gießerei des Zentrums arbeitet. „Ich sehe ihn als Afrikaner, der Dinge tut, von denen wir dachten, wir könnten sie nicht tun.“

Foto: Ghana in Westafrika bei Nacht