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IPCC hält Schutz des Klimas noch für möglich – und für bezahlbar

Trotz immer schneller steigender Treibhausgasemissionen ist eine halbwegs erträgliche Begrenzung des Klimawandels noch möglich – und sie ist gar nicht so teuer wie vielfach angenommen. Das sind zentrale Botschaften des neuen IPCC-Berichts, der am Sonntag in Berlin vorgestellt wurde. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler lösten eine Diskussion über die Zukunft von Kohlekraftwerken aus, denn diese gelten derzeit als ein Haupttreiber der Erderwärmung.

Berlin (afp) – Trotz immer schneller steigender Treibhausgasemissionen ist eine halbwegs erträgliche Begrenzung des Klimawandels noch möglich – und sie ist gar nicht so teuer wie vielfach angenommen. Das sind zentrale Botschaften des neuen IPCC-Berichts, der am Sonntag in Berlin vorgestellt wurde. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler lösten eine Diskussion über die Zukunft von Kohlekraftwerken aus, denn diese gelten derzeit als ein Haupttreiber der Erderwärmung.

Der IPCC fordert in dem nach einwöchigen Beratungen von Wissenschaftlern und Vertretern von 195 Regierungen in Berlin beschlossenen Text einen Umstieg auf emissionsarme Techniken, beispielsweise erneuerbare Energien. „Die Treibhausgasemissionen haben sich trotz der Anstrengungen zu ihrer Reduzierung verstärkt“, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts für politische Entscheidungsträger. Ohne zusätzliche Maßnahmen drohe eine Erderwärmung um 3,7 bis 4,8 Grad – mit voraussichtlich katastrophalen Folgen.

Die Wissenschaftler zeigen aber auch, dass die Erderwärmung noch auf zwei Grad begrenzbar wäre, wenn bald ein Umsteuern erfolgt. Die CO2-Emissionen müssten bis 2050 um 40 bis 70 Prozent verringert und bis zur Jahrhundertwende weitgehend beendet werden. Zu den vom IPCC dafür aufgezeigten Handlungsoptionen zählt, den Anteil nicht-fossiler Energieerzeugung bis 2050 auf mehr als 80 Prozent zu erhöhen.

Erstmals gehen die Experten auch detailliert auf wirtschaftliche und soziale Auswirkungen notwendiger Klimapolitik ein. So könne sich das jährliche Wachstum dadurch um etwa 0,06 Prozentpunkte verringern – statt zwei Prozent also 1,94 Prozent. Nicht gegengerechnet sind dabei positive Effekte durch eine verringerte Erderwärmung.

Der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth warnte vor diesem Hintergrund vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke: Die starke Nutzung fossiler Energien sei Ursache für den zuletzt auch in Deutschland wieder gestiegenen CO2-Ausstoß – „das ist ein Pfad, der kann in Zukunft nicht fortgeführt werden“.

US-Außenminister John Kerry wertete den IPCC-Bericht als einen „Weckruf“ für die Unternehmen im Energiesektor. Der IPCC rät bis 2030 zu weltweit mehr als 100 Milliarden Euro Zusatzinvestitionen in Ökostrom. Zugleich sollten Investitionen in fossile Energieträger wie Kohle „drastisch zurückgefahren werden“, sagte der Ko-Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe III, Ottmar Edenhofer.

„Der Hochgeschwindigkeitszug zur Verringerung der Treibhausgase muss jetzt losfahren – und die gesamte Weltgemeinschaft muss einsteigen“, forderte der IPCC-Vorsitzende Rajendra Kumar Pachauri. Bisher sei nicht genug getan worden.

„Wir müssen die fossile Zeitbombe entschärfen“, forderte WWF-Klimaexpertin Denise Loga. Karsten Smid von Greenpeace verlangte, „von einer Dekade der Kohle zum Jahrhundert der Erneuerbaren überzugehen. Der Oxfam Klimaexperte Jan Kowalzig rief besonders die europäischen Staaten zu ehrgeizigeren Klimazielen auf.

Im dritten Teil des fünften IPCC-Berichts geht es um Strategien gegen den Klimawandel. Mitgewirkt an dem mehr als 2000 Seiten starken Text haben 235 Hauptautoren und 38 Editoren aus 57 Ländern, außerdem 176 Ko-Autoren und 879 weitere Experten, die mehr als 38.000 Einwände und Ergänzungen einreichten. Die bereits veröffentlichten ersten Teile des Sachstandsberichts befassten sich mit wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels sowie mit dessen Folgen und notwendiger Anpassung.

Anstieg von Treibhausgas-Emissionen weiter beschleunigt
Kerndaten zu Grundlagen des neuen IPCC-Berichts

Der Weltklimarat hat seine Daten zum globalen Treibhausgasausstoß aktualisiert. Sie bilden die Grundlage für die Aussagen zu Strategien gegen die Erderwärmung im dritten Teil des fünften IPCC-Sachstandsberichts, der am Sonntag in Berlin veröffentlicht wurde. Die Daten sind der dort beschlossenen Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger vorangestellt.

Trotz Anstrengungen zum Klimaschutz sind die weltweiten Treibhausgasemissionen in den vergangenen Jahren weiter gestiegen und haben bis 2010 den Stand von 49 Gigatonnen Kohlendioxidäquivalenten pro Jahr erreicht. Dabei werden alle Treibhausgase auf die Klimawirkung von CO2 umgerechnet.

Das Wachstum der Emissionen hat sich sogar noch beschleunigt: Von einer durchschnittlichen Zunahme um 1,3 Prozent pro Jahr im Zeitraum zwischen 1970 und 2000 auf durchschnittlich plus 2,2 Prozent pro Jahr in der Dekade 2000 bis 2010. Lediglich während der Wirtschaftskrise 2007 gab es einen kurzen, vorübergehenden Rückgang.

Ohne zusätzliche Anstrengungen dürfte die Erderwärmung bis 2100 zwischen 3,7 und 4,8 Grad Celsius betragen, verglichen mit dem vorindustriellen Niveau. Dies hätte nach übereinstimmender Einschätzung der Wissenschaftler voraussichtlich katastrophale Folgen in unterschiedlichsten Bereichen.

Bis 2100 dürfte der CO2-Anteil in der Atmosphäre auf 750 bis 1300 ppm (Anteile pro Million) anwachsen. Um das internationale Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, gelten etwa 450 ppm als gerade noch verträglich.

CO2 bleibt mit einem Anteil von 76 Prozent das mit Abstand wichtigste Treibhausgas, gefolgt von Methan mit 16 Prozent sowie Lachgas und Fluorverbindungen.

Der Anteil des Energiesektors an den Emissionen wird mit 35 Prozent angegeben. Der Anteil der Landnutzung (zum Beispiel Entwaldung) beträgt 24 Prozent, Industrie 21 Prozent, Verkehr 14 Prozent und Gebäude 6,4 Prozent.

Allerdings sind die Bereiche Energie und Industrie zusammen für allein etwa 77 Prozent des Emissionszuwachses in den zurückliegenden Dekaden verantwortlich. Davon entfallen auf Energie 47 Prozent und auf Industrie 30 Prozent.

Fortschritte bei der Energieeffizienz sind zwar erkennbar, werden durch die Effekte von Bevölkerungs- und vor allem Wirtschaftswachstum aber mehr als ausgeglichen.

Etwa die Hälfte der gesamten menschengemachten CO2-Emissionen seit dem vorindustriellen Niveau entstand in den vergangenen 40 Jahren.

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