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IPCC-Bericht löst Debatte über Kohlekraftwerke aus

Berlin (afp) – Der neue Bericht des Weltklimarats IPCC hat in Deutschland eine Debatte über die weitere Nutzung der Kohleenergie ausgelöst. „Das ist der Klimakiller Nummer eins“, sagte der Kieler Klimaforscher Mojib Latif am Montag im Bayerischen Rundfunk. Grüne und Linke kritisierten die Energiepolitik der Bundesregierung. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) stellte sich hinter die IPCC-Empfehlungen, ging auf die Kohledebatte aber nicht ein.

Der Weltklimarat hatte in seinem am Sonntag veröffentlichten Bericht zu Strategien den Klimawandel auf die weltweit weiter steigenden Treibhausgasemissionen hingewiesen und dafür besonders steigenden Anteil der Kohle an der Energieerzeugung verantwortlich gemacht. „Wir brauchen weniger Engagement im Bereich fossiler Energien“, verlangte der Ko-Vorsitzende der zuständigen IPCC-Arbeitsgruppe III, Ottmar Edenhofer, am Montag in Berlin. Auch in Deutschland ist wegen der Zunahme der Kohleverstromung der CO2-Ausstoß zuletzt wieder gestiegen.

Gabriel erwähnte in einer klimapolitischen Rede an der Technischen Universität Berlin die Kohleproblematik nicht. Er bekannte sich aber zu dem Ziel, den europäischen Emissionshandel wieder ehrgeiziger auszugestalten, was die Nutzung fossiler Energieträger verteuern würde. „Wenn wir nicht alle die Richtung ändern, werden die Risiken zunehmen“, sagte der Wirtschaftsminister mit Blick auf die sich abzeichnende Erderwärmung.

Gabriel mahnte aber auch, Klimaschutz könne nur erfolgreich sein, wenn er „nicht die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes behindert“. In vielen Ländern spiele heute die Klimadebatte eine geringere Rolle als noch vor zehn Jahren; dafür werde mehr über Wachstum oder, wie in Südeuropa, über die Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit geredet. Für Deutschland bekräftigte Gabriel jedoch das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu verringern. Bis 2020 ist eine Verringerung um 40 Prozent verglichen mit 1990 vorgesehen.

Die Grünen kritisierten das Festhalten der Bundesregierung an der Nutzung der Kohleenergie. Im Rahmen der Energiewende habe die Regierung „das Ganze so gestaltet, dass die Braunkohlekraftwerke weiterhin volle Kanne fahren können“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter dem Sender n-tv. Das sei das Gegenteil dessen, was der IPCC-Bericht verlange.

„Soll das Weltklima nicht weiter außer Kontrolle geraten, muss die Bundesregierung endlich aus ihrem klimapolitischen Tiefschlaf aufwachen“, mahnte die Linken-Klimaexpertin Eva Bulling-Schröter. „Nur mit mehr erneuerbaren Energien und weniger schmutziger Kohlekraft“ könne Deutschland zum globalen Klimaschutz beitragen, erklärte sie in Berlin.

Auch der frühere Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, drängte auf einen Abschied von der Kohle. „Wenn wir im Jahr 2050 bis 90 Prozent weniger CO2 emittieren wollen, dann können wir nicht mehr Kohle nutzen“, sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Töpfer forderte einen „Kohle-Konsens“, um den Umstieg zu gestalten.

„Der Schlüssel für mehr Klimaschutz liegt in einem grundlegenden Umbau der Energieversorgung“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) in der „Bild“-Zeitung vom Montag. „Wir brauchen eine globale Energiewende mit Erneuerbaren Energien und mehr Energie- und Ressourceneffizienz“, hob sie hervor.