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CSRbriefly am Donnerstag

Hückeswagen (csr-news) – Heute mit den Themen: Henkel-Studie zu nachhaltigem Konsumentenverhalten, Fraport legt Nachhaltigkeitsbericht 2013 vor, Betrug mit Bio-Siegel, Cargoline veröffentlicht ersten Nachhaltigkeitsbericht, Rajapack zertifiziert für umweltbewusste Unternehmenspolitik, Zalando wehrt sich gegen Vorwürfe, NGOs unzufrieden mit Gesprächen bei der Deutschen Bank, Frauenquote: Gesetzesvorhaben lässt viele Fragen offen, Produktion kontroverser Waffen und ein Roundtable zu Nachhaltigkeit und Tierwohl.

 

Henkel-Studie zu nachhaltigem Konsumentenverhalten
Wie waschen die Deutschen ihre Wäsche im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn? Inwiefern achten Verbraucher generell auf Ressourcenschonung im Haushalt? Und wie beurteilen Konsumenten die Nachhaltigkeit von Produkten? Antworten liefert die Studie „Henkel Habits“, für die Henkel in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS mehr als 7.000 europäische Konsumenten – davon 800 Verbraucher in Deutschland – befragte. Wie die Studie zeigt, nutzen die Deutschen – ebenso wie alle anderen befragten Europäer – am häufigsten das 40 Grad Celsius-Programm. Doch im Durchschnitt waschen deutsche Konsumenten wärmer als ihre europäischen Nachbarn, denn etwa die Hälfte der Befragten wählt häufig auch eine Waschtemperatur von 60 Grad Celsius (Europa: 32 Prozent). Temperaturen unter 30 Grad Celsius spielen in Deutschland dagegen keine Rolle – ganz im Gegensatz zu beispielsweise Spanien, wo 38 Prozent der Befragten auch häufig bei niedrigen Temperaturen waschen. „Obwohl moderne Waschmittel bereits bei niedrigen Waschtemperaturen Flecken und Schmutz von der Kleidung entfernen, wählen deutsche Verbraucher noch überwiegend höhere Temperaturen. Hier wird deutlich, dass die historisch bedingte Annahme, dass eine höhere Waschtemperatur eine bessere Waschleistung erzielt, noch tief in den Köpfen verankert ist“, sagt Arndt Scheidgen, Corporate Vice President Product Development bei Henkel Laundry & Home Care. Dabei kann der positive Effekt durch geringere Waschtemperaturen ganz einfach berechnet werden: Der Persil Waschkosten-Rechner im Internet errechnet beispielhaft die Kosten, die im Jahr für das individuelle Waschverhalten entstehen können und zeigt mögliche Einsparpotentiale bei einer Reduktion der Waschtemperatur auf. Es gibt verschiedene Maßnahmen, durch die insbesondere im Badezimmer und in der Küche Wasser eingespart werden kann – und die Studienergebnisse zeigen, dass diese von Verbrauchern auch vielfach umgesetzt werden. Wie alle Europäer duschen die Deutschen häufiger, als dass sie ein Bad nehmen. Der durchschnittliche deutsche Verbraucher duscht fünfmal pro Woche und steht dabei neun Minuten lang unter der Dusche. Während des Duschens achten die Deutschen darauf, Wasser zu sparen und liegen hier über dem europäischen Durchschnitt: 61 Prozent stellen beim Duschen zum Einseifen oder Haarewaschen das Wasser ab (Europa: 53 Prozent). Deutlich weniger bewusst zeigen sich hier die Briten (14 Prozent) und Niederländer (15 Prozent). Neben dem Duschen gibt es eine weitere einfache Maßnahme, um im Badezimmer Wasser einzusparen: 95 Prozent der Befragten in Deutschland drehen während des Zähneputzens den Wasserhahn zu. Aber auch in der Küche wird die Möglichkeit genutzt, weniger Wasser zu verbrauchen. Wenn sie keine Geschirrspülmaschine nutzen, spülen 72 Prozent der Deutschen ihr Geschirr bei eingelassenem Wasser (Europa: 53 Prozent). Neben diesen Maßnahmen tragen bestimmte Installationen zu einem verringerten Wasserverbrauch im Haushalt bei. So ist bei fast drei Vierteln der Deutschen im WC eine Wasserspareinrichtung eingebaut – im europäischen Vergleich ist das der höchste Wert. Der Aspekt der Ressourcenschonung wird also in verschiedenen Bereichen berücksichtigt – und auch beim Einkauf beurteilen Konsumenten Produkte unter anderem nach Kriterien der Nachhaltigkeit. 65 Prozent der deutschen Konsumenten stimmen teilweise der Aussage zu, dass Wasch- und Reinigungsmittel nachhaltiger sind als noch vor 20 Jahren. Eine ähnliche Wahrnehmung zeigt sich für Kosmetikprodukte: Hier denken 56 Prozent der Deutschen, dass die Nachhaltigkeit entsprechender Produkte in den vergangenen 20 Jahren zugenommen hat. Diese Einschätzung der Verbraucher reflektiert die Entwicklung in den vergangenen Jahren, denn auch Henkel verbessert kontinuierlich seine Produkte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Fraport legt Nachhaltigkeitsbericht 2013 vor
„E-PORT AN“, „Fitness-Mobil“ und „GBAS“: Hinter diesen Begriffen stecken drei innovative Projekte am Flughafen Frankfurt. Sie stehen stellvertretend für einen zentralen Anspruch der Fraport AG: „Nachhaltig verbinden“. Dieses Leitmotiv ist daher auch Titel des Nachhaltigkeitsberichts 2013, den der Flughafenbetreiber veröffentlicht hat. Die darin vorgestellten Projekte sollen dazu beitragen, dass einer der weltweit größten Flughäfen auch in Zukunft international wettbewerbsfähig bleibt. Denn „die angemessene Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte ist eine notwendige Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens und unseren Führungsanspruch in der Branche“, so Dr. Stefan Schulte, Vorsitzender des Vorstands, in seinem Vorwort. Die Maßnahmen reichen von Angeboten für Beschäftigte über neue Services für Passagiere und dem Engagement für unsere Flughafen-Nachbarschaft, etwa durch die Unterstützung für Umweltprojekte und die kontinuierliche Verringerung von Fluglärm bis zur Verringerung des CO2-Ausstoßes. So werden mittlerweile etwa zehn Prozent der mehr als 3.000 motorisierten Fahrzeuge des Flughafenbetreibers elektrisch betrieben. Die kontinuierliche Steigerung der Elektromobilität ist Teil des Projekts „E-PORT AN“, einer Gemeinschaftsinitiative von Fraport, der Lufthansa Group, der Modellregion Rhein-Main und dem Land Hessen. Ausgezeichnet wurde „E-PORT AN“ 2013 von der Bundesregierung als Leuchtturmprojekt. Mit einem neuen CO2-Controlling prüft Fraport seit vergangenem Jahr systematisch und noch genauer als bisher den eigenen Energieverbrauch. Damit sollen neue Einsparpotenziale identifiziert werden. Darüber hinaus reagiert das Unternehmen damit auf steigende Reporting-Anforderungen. Ein weiterer Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie ist die Verantwortung der Fraport AG gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, etwa durch Maßnahmen zur Förderung der Vielfalt und Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Gesundheitsmanagement. So steht den Mitarbeitern auf dem Vorfeld seit Herbst 2013 ein mobiles Trainingszentrum zur Verfügung, das „Fitness-Mobil“. Mit kurzen Sporteinheiten während der Arbeitszeit soll so Erkrankungen vorgebeugt werden. Ständige Weiterentwicklungen gibt es auch beim Thema Schallschutz. Im vergangenen Jahr erfolgte zum Beispiel gemeinsam mit der Deutschen Flugsicherung der Spatenstich zu GBAS, dem Ground Based Augmentation System. Damit werden in Zukunft neue Anflugverfahren möglich, was die Belastung für die Anwohner merklich reduzieren soll. „Dass wir in Sachen Lärmschutz international Vorreiter sind, macht uns stolz. Aber noch viel mehr spornt es uns an, gemeinsam mit unseren Partnern immer weiter daran zu arbeiten, die Belastungen durch den Flugverkehr in der Region zu minimieren“, so Dr. Schulte.

Betrug mit Bio-Siegel
Der wichtigste Geflügellieferant von Neuland, dem Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung, hat nach Recherchen der Zeit, jahrelang das Bio-Siegel des Vereins missbraucht und Hühner aus konventioneller Masthaltung als Biofleisch ausgezeichnet. Wie die Zeit schreibt soll der Betrug über mindestens fünf Jahre stattgefunden haben. Wolfgang Apel, Vorsitzender von Neuland dazu: „Wir sind schockiert über den heute in der ZEIT veröffentlichen Betrug bei der Bredenbecker Geflügel GmbH, die bis zum 9. Dezember 2013 Geflügel-Fleisch unter dem Neuland-Label vermarktet hat. Rechtlich werden wir alle Möglichkeiten nutzen, um gegen den Betrug vorzugehen. Aktuell erstatten wir Strafanzeige. Wir bedauern sehr, dass die Verbraucher durch Bredenbecker Geflügel GmbH getäuscht wurden und das uns entgegen gebrachte Vertrauen erschüttert wird“. Neuland will für eine lückenlose Aufklärung und Transparenz sorgen und das Kontrollsystem noch engmaschiger gestalten. „Dieser Prozess läuft, wird nun aber intensiviert. Offensichtlich gibt es Schlupflöcher im Neuland-Kontrollsystem, die wir so nicht erwartet haben. Wir haben nicht mit soviel krimineller Energie gerechnet. Aus diesen Fehlern werden wir lernen und ein Kontrollsystem entwickeln, welches ein hohes Maß an Transparenz vorsieht“, so Jochen Dettmer, Bundesgeschäftsführer von Neuland. Alle Neuland-Fleischer wurden im Dezember 2013 angewiesen, alle Hähnchen, die von dem betroffenen Landwirt kommen aus den Fleischtheken zu nehmen. Dies sei nach Kenntnis des Vereins auch geschehen, so dass es zu keiner weiteren Verwechslung kommen kann.

Cargoline veröffentlicht ersten Nachhaltigkeitsbericht
Der Stückgut-Spezialist Cargoline, ein Netzwerk von mittelständischen Partner, hat für das Geschäftsjahr 2013 erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Dieser beschreibt die Aktivitäten und Ergebnisse der Cargoline in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und gesellschaftliches Engagement. Die von 2012 auf 2013 erzielte CO2-Reduzierung von 7,34 Prozent soll 2014 durch zahlreiche Maßnahmen in den Partnerbetrieben weiter ausgebaut werden. Mit den Echtdaten wird der CO2-Rechner der Kooperation gespeist, der es den Partnern seit Herbst 2012 ermöglicht, für ihre Kunden den CO2-Fußabdruck ihrer Sendungen verursachergerecht zu ermitteln, teilte das Unternehmen mit.

Rajapack zertifiziert für umweltbewusste Unternehmenspolitik
Für ihr Umweltmanagementsystem ist der B2B-Versender Rajapack aus Ettlingen nach der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 zertifiziert worden. „Rajapack hat mit seinem durchgängigen Umweltmanagementsystem die Forderungen, die die Zertifizierung ISO 14001 mit sich bringt, hervorragend erkannt und umgesetzt“, so das Urteil des TÜV CERT Auditors Franz Rebstock vom TÜV Rheinland. Die Zertifizierung mit der Umweltmanagementnorm ISO 14001 wurde nach dreitägigem Audit für Deutschland und nach jeweils eintägigen Audits für Österreich und die Schweiz ausgestellt. „Die Zertifizierung nach ISO 14001 zeigt, dass wir Umweltschutz ernst nehmen“, erklärte Harald Schönfeld, General Director von Rajapack. „Wir wollen als Unternehmen Verantwortung übernehmen und beziehen Umweltaspekte deshalb systematisch in unsere betrieblichen Entscheidungen mit ein.“ Rebstock lobte außerdem die Integration der Mitarbeiter, die die Ideen hinter der Zertifizierung intern vorbildlich umsetzen. Auch die Tatsache, dass die Nachhaltigkeitskriterien der Rajapack-Produkte transparent nach außen weitergegeben werden, fand positive Erwähnung.

Zalando wehrt sich gegen Vorwürfe
Nach einem Beitrag des Fernsehsenders RTL über die Arbeitsbedingungen bei Zalando, setzt sich der Onlinehändler nun zur Wehr. Eine RTL-Journalistin hatte drei Monate undercover in einem Warenlager des Unternehmens gearbeitet und berichtete über massive Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Zalando fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und hat in einer öffentlichen Stellungnahme alle Vorwürfe kommentiert. Zudem hat das Unternehmen Anzeige gegen die Journalistin gestellt. „Aus unserer Sicht entspricht die Darstellung des Berichts in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an unseren Logistikstandorten. Unser Ziel und Anspruch ist es, ein guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber zu sein. Dass wir hierbei auf einem guten Weg sind, bestätigen uns auch unsere Mitarbeiter, die die Bedingungen vor Ort am besten kennen“, heißt es in der Stellungnahme von Zalando. Die einzelnen Kritikpunkte des Berichts beantwortet Zalando auf seiner Website.

NGOs unzufrieden mit Gesprächen bei der Deutschen Bank
Hinter verschlossenen Türen fand in Frankfurt eine Expertenkonferenz zum Thema Finanzspekulation und Hunger statt. Auf Einladung des Co-Vorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, tauschten 40 Teilnehmer ihre Positionen aus. Die Teilnehmer durften sich nicht öffentlich über die Gesprächsrunde äußern. Dennoch haben foodwatch, Misereor, die Welthungerhilfe und Oxfam ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht. Das Fazit von foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode, der bei der siebenstündigen Konferenz dabei war: „Jürgen Fitschen kam mit leeren Händen. Ein konstruktiver Dialog aber ist unmöglich, solange die Deutsche Bank nicht Transparenz über alle ihre spekulativen Aktivitäten schafft, die versprochenen Studien vorlegt und endlich damit aufhört, die Argumente ihrer Kritiker verfälscht wiederzugeben“. Marion Lieser, Geschäftsführerin Oxfam Deutschland: „Die Deutsche Bank treibt seit Jahren ein Spiel mit der Öffentlichkeit. Angekündigten Untersuchungen folgte bisher keine Substanz. Stattdessen gab es nun ein Gespräch hinter verschlossenen Türen mit wenig Neuigkeiten und greifbaren Ergebnissen. Wir fordern die Deutsche Bank nach wie vor auf, Finanzspekulationen zu beenden, die zu Schwankungen bei Lebensmittelpreisen beitragen können.“ Wolfgang Jamann, Generalsekretär Welthungerhilfe: „Die Wissenschaft ist sich bisher uneinig in welchem Umfang exzessive Spekulation Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise haben. Preissteigerungen und -schwankungen können für hungernde Kleinbauern fatale Folgen haben und verletzen das Menschenrecht auf Nahrung. Deshalb ist und bleibt es moralisch nicht tragbar, aus kurzfristigem Profitinteresse auf steigende oder fallende Preise von Nahrungsmitteln zu wetten. Wir als Zivilgesellschaft werden nicht aufhören, unsere Stimme zu erheben, bis auch die Deutsche Bank ihrer Verantwortung nachkommt.“ Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEROR: „Auch nach dem heutigen Dialog mit der Deutschen Bank sehen wir weiterhin einen Zusammenhang zwischen exzessiver Spekulation und steigenden Nahrungsmittelpreisen. Hohe oder stark schwankende Preise verschärfen das Hungerrisiko für viele Menschen in Entwicklungsländern. Wir fordern die Deutsche Bank daher auf, das Vorsorgeprinzip zur Risikoabschätzung ernst zu nehmen und menschenrechtliche Unbedenklichkeitsprüfungen im Handel mit Agrarrohstoff-Fonds vorzunehmen.“

Frauenquote: Gesetzesvorhaben lässt viele Fragen offen
Das von der Bundesregierung geplante Gesetz über eine verbindliche Frauenquote in den Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen würde nach den derzeit vorliegenden Leitlinien der Ministerien für Familie und Justiz für 101 Firmen in Deutschland gelten. Nur fünf davon würden die dort vorgesehene 30-Prozent-Geschlechterquote im Aufsichtsrat bereits erfüllen. Diese kleine Zahl hängt in erster Linie mit dem geringen Frauenanteil unter den Vertretern der Kapitaleigner zusammen. Damit die diskutierte Quote bis 2016 in allen derzeit vom geplanten Gesetz erfassten Unternehmen erfüllt würde, müssten auf den Anteilseignerbänken 142 männliche Aufsichtsräte ihren Sitz für Frauen räumen. Auf der Arbeitnehmerbank ist der Frauenanteil bereits heute deutlich höher: Hier müssten nur 91 Mandate bis 2016 neu mit Frauen besetzt werden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Untersuchung von Mitbestimmungsfachleuten der Hans-Böckler-Stiftung. Die Experten attestieren den Leitlinien zum Gesetz allerdings auch wesentliche Defizite: Der Geltungsbereich sei willkürlich gezogen und die geplanten Quoten-Vorschriften für betriebliche Arbeitnehmer-Vertreter ignorierten betriebliche Realitäten.

Produktion kontroverser Waffen
Am Montag hat das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) seinen Jahresbericht zu den weltweiten Rüstungsausgaben veröffentlicht. Mit einem Rüstungsbudget von 640 Mrd. Euro sind die USA nach wie vor führend, gefolgt von China, Russland und Saudi-Arabien. Auch bei den Herstellern von kontroversen Waffen sind die USA vorne. oekom research hat weltweit insgesamt rund 250 Produzenten kontroverser bzw. geächteter Waffen identifiziert, von denen mehr als jedes fünfte Unternehmen seinen Sitz in den USA hat. Auf Rang 2 und 3 unter den Herkunftsländer dieser Waffen folgen Frankreich und Russland. Elf Unternehmen, die im begründeten Verdacht stehen, kontroverse Waffen herzustellen, stammen aus Deutschland, das sich damit zusammen mit China, Großbritannien und Israel Rang vier teilt. Weltweit produzieren 106 Unternehmen Streumunition, 46 Antipersonenminen und 63 Atomwaffen. Die umstrittene Uranmunition wird von 9 der identifizierten Unternehmen hergestellt.

Roundtable zu Nachhaltigkeit und Tierwohl
Deutsche und niederländische Experten des Schweinefleischsektors trafen sich am 4. April zur 8. Bonner Runde. Die Fachleute nahmen das niederländische Nachhaltigkeitsprogramm und die deutsche Initiative Tierwohl für den Schweinesektor unter die Lupe. Dabei galt es vor allem, die Kompatibilität der Programme zu prüfen und Aufgaben und Herausforderungen für eine gute Zusammenarbeit beider Wirtschaftsregionen zu identifizieren. Die Runde begrüßte die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Sektoren ausdrücklich und bewertete den länderübergreifenden Austausch zum jetzigen Zeitpunkt sehr positiv. Unter der Leitung von Prof. Brigitte Petersen, Stellvertretende Vorsitzende der Forschungsplattform Grenzüberschreitende Integrierte Qualitätssicherung e.V. (GIQS), beleuchteten die Experten die Nachhaltigkeitsprogramme unter verschiedenen Gesichtspunkten. Da es eine enge Verbindung zwischen beiden Sektoren gibt, war es den Fachleuten beider Länder wichtig, nicht nur die Bedingungen und Herausforderungen der jeweils eigenen Programme miteinander zu diskutieren, sondern auch die Konsequenzen für die gemeinsame Wirtschaftsregion. Dabei spielten nicht nur die Inhalte, sondern auch die Timings eine wesentliche Rolle, so die Runde. Man war sich einig, dass die Klärung von offenen Fragen oder Hindernissen bezüglich der Kompatibilität beider Systeme in einen gut organisierten Prozess fließen müsse. Dieser solle derart institutionalisiert werden, dass eine verantwortliche, ergebnisorientierte und effiziente Abstimmung länderübergreifend möglich sei. Bei der Umsetzung der Programme stellten sich zudem grundsätzliche Fragen, wie zum Beispiel die Art der Finanzierung und Übernahme der Kosten. Dies sei vor allem für die Landwirte ein wesentlicher Punkt. Die Kosten müsse man auch im Blick behalten, wenn es darum ginge, weitere Anpassungen hinsichtlich der verschiedenen Nachhaltigkeits- und Tierwohl-Kriterien beider Programme vorzunehmen. Hier spielen etwa die Vorgaben zum Kupieren oder zur Kastration eine besondere Rolle. Die Verschiedenheit der Systeme beträfe auch die Zusammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel. Nicht zuletzt deshalb sollten die Möglichkeiten einer gegenseitigen Anerkennung oder Zertifizierung zur Vereinfachung der Geschäftsbeziehungen geprüft werden. Mitunter müssten auch länderspezifische Gesetze auf Kompatibilität mit den Bestrebungen zu mehr Tierwohl hinterfragt werden. Denn einige Kritierien stünden in Konflikt mit hoheitlichen Vorgaben und behinderten die Tierwohl-Ziele der Programme. Hier sei der Gesetzgeber gefragt.

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