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Mit Ottern immer seltener auf Fischfang: In Bangladesch steht traditionelle Technik vor dem Aus

Mit aufgeregtem Quietschen umkreisen zwei angeleinte Otter ein Fischerboot im Südwesten Bangladeschs. Als die Fischer ihre Netze ins Wasser gleiten lassen, tauchen auch die Tiere unter. Was wie fröhliches Planschen aussieht, ist harte Arbeit: Denn hier in den Sundarbans, den größten Mangrovenwälder der Erde, gehen viele noch mit Hilfe der flinken Raubtiere fischen. In anderen Teilen Asiens ist diese Jahrhunderte alte Fangtechnik schon lange verschwunden.

Narail (afp) – Mit aufgeregtem Quietschen umkreisen zwei angeleinte Otter ein Fischerboot im Südwesten Bangladeschs. Als die Fischer ihre Netze ins Wasser gleiten lassen, tauchen auch die Tiere unter. Was wie fröhliches Planschen aussieht, ist harte Arbeit: Denn hier in den Sundarbans, den größten Mangrovenwälder der Erde, gehen viele noch mit Hilfe der flinken Raubtiere fischen. In anderen Teilen Asiens ist diese Jahrhunderte alte Fangtechnik schon lange verschwunden.

Von Charlotte Turner

„Unser Job ist abhängig von den Ottern“, sagt der Fischer Shashudhar Biswas. Seit Generationen richtet die Familie des Mittfünfzigers Fischotter für diese Arbeit ab. Dabei fangen die Otter die Fische nicht selbst, sondern scheuchen sie unter den Wurzeln der Mangroven auf und treiben sie in das Fischernetz, das neben dem Boot ausgebracht wird. „Die Otter finden die Fische zwischen den Pflanzen, dann schwimmen die Fische heraus, und wir bleiben mit unseren Netzen dran“, erklärt Shashudhars Sohn Vipul. „Ohne sie könnten wir nicht so viel fangen.“

Normalerweise wird nachts gefischt. Mit vier bis zwölf Kilogramm Fisch, Garnelen und Krebsen können die Fischer pro Nacht rechnen. Umgerechnet rund 182 Euro monatlich verdient die Familie mit dem Verkauf auf dem Markt. Doch in den vergangenen Jahren wurden die Bestände immer knapper, oft ist fast nichts in den Netzen. „So viele Fische wie früher mit unserem Vater findern wir einfach nicht mehr“, sagt Vipul.

Nach Angaben von Mohammed Mostafa Feeroz, Zoologieprofessor an der Jahangirnagar-Universität von Dhaka, sind die natürlichen Populationen in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. „Die Fische können sich schlicht nicht mehr fortpflanzen“, sagt Feeroz, der die seltene Fangmethode in Bangladesch seit 25 Jahren erforscht. Schuld daran sei unter anderem die Wasserverschmutzung durch Öl und Pestizide sowie die Überfischung. Seit Beginn seiner Forschung ging die Zahl der Fischerfamilien von 500 auf 150 zurück, berichtet er: „Geht man 50 Jahre zurück, beträgt der Rückgang sogar rund 90 Prozent.“ Sollte der Trend anhalten, werde es in 20 Jahren keine Otterfischerei mehr geben.

Auch Vipul ist pessimistisch. „Gibt es keinen Fisch, braucht man auch keine Otterfischerei mehr“, sagt er. „Schauen Sie meine Familie an, meine Brüder und Schwestern wollen alle studieren. Sie wollen nicht auf den Fluss und Fische fangen. Wenn sie studieren, werden sie natürlich vom Dorf wegziehen, um bessere Jobs zu finden – oder sie werden Fisch vom Großhandel kaufen und wieder verkaufen.“

Seine einzige Einkommensquelle sei bald nicht mehr profitabel, fürchtet Vipul. Jeden Monat gehe etwa die Hälfte seines Umsatzes für das Futter seiner fünf Otter drauf. Schließlich vertilgen die zwei ausgewachsenen und drei kleinen Helfer drei bis vier Kilogramm Fisch am Tag.

Doch nicht nur der Lebensunterhalt der Fischerfamilien ist bedroht. Die Otter gehören in Bangladesch zu den gefährdeten Arten, und die Otterfischer tragen laut Feeroz wesentlich zu ihrer Erhaltung bei. „Die in Obhut der Menschen lebenden Bestände sind sehr gesund wegen der Fischerei“, sagt er. Manchmal setzen die Fischer auch Otter aus, was deren Population in freier Wildbahn stärkt, wie Studien zeigen. „Doch mit dem allmählichen Rückgang der Otterfischerei wird die Wildpopulation immer mehr unter Druck kommen“, warnt Feeroz.

Über den Autor

CSRjournalist

Achim Halfmann ist Geschäftsführer von CSR NEWS und lebt im Bergischen Land. Seine Themen liegen vorallem in den Bereichen Gesellschaft, Medien und Internationales.

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