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“Zuwanderungsmarketing” für Anwerben von Fachleuten

Berlin (afp) – Im Werben um ausländische Fachkräfte muss Deutschland nach Ansicht von Experten deutlich offensiver seine Interessen vertreten. Angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels und des Bedarfs an Fachkräften fehle ein erkennbares “Zuwanderungsmarketing”, heißt es im fünften Jahresgutachten des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. “Zuwanderungsmöglichkeiten” müssten beworben und nicht “unter dem Ladentisch” versteckt werden. “Deutschland muss sich selbstbewusst und offensiv als Einwanderungsland bekennen”, fordern die SVR-Experten.

Der SVR forderte die Bundesregierung auf, ein “zuwanderungspolitisches Kommunikationskonzept zu entwerfen und umzusetzen”. Zudem verstünden sich Botschaften, Konsulate oder Außenhandelskammern “im Wettbewerb um hoch qualifizierte Drittstaatsangehörige noch immer nicht hinreichend als Werbeträger für Deutschland”. Insgesamt könne vor allem qualifizierte Einwanderung “nur dann gelingen, wenn der Paradigmenwechsel von Migrationsabwehr zur Migrationsanwerbung politisch glaubhaft vermittelt wird”, heißt es in dem Gutachten.

Bei der die Arbeitsmigration begleitenden sogenannten Armutsmigration müssten “Wege gefunden werden, um mögliche Wanderungen in die Sozialsysteme zu unterbinden”, schreiben die Experten. Der Bezug von Sozialleistungen müsse “grundsätzlich an eine vorhergehende Beitragsleistung” gekoppelt werden.

Insgesamt fehle in Deutschland eine “zuwanderungspolitische Gesamtstrategie”, kritisierte der SVR. Bislang werde Zuwanderung hierzulande weiter isoliert “unter den Gesichtspunkten des Arbeitsmarktes, der akademischen Ausbildung, des Rechts auf gemeinsames Familienleben oder des Schutzes vor Verfolgung” betrachtet. Das tatsächliche Wanderungsgeschehen habe sich aber “weiter differenziert”. Der SVR forderte daher vergleichbar zum Nationalen Aktionsplan Integration einen Nationalen Aktionsplan Migration, der alle wichtigen Akteure wie Ministerien, Großunternehmen und Universitäten an einen Tisch bringe.

Das vierte SVR-Jahresgutachten trägt den Titel “Deutschlands Wandel zum modernen Einwanderungsland”. Darin bewertet der Rat bilanzierend die Integrations- und Migrationspolitik der vergangenen fünf Jahre. Zusammenfassend urteilen die Experten, dass zwar einerseits im Bereich der Migrationspolitik, die “bei der Arbeitsmigrationspolitik sogar zu einem rapiden Politikwechsel geführt” habe, eine “beachtliche Dynamik” zu verzeichnen sei. Bei der Integrationspolitik seien dagegen “weitaus geringere Fortschritte” erzielt worden.

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration geht auf eine Initiative der Stiftung Mercator und der Volkswagenstiftung zurück. Insgesamt beteiligen sich acht Stiftungen an der Initiative.

Das SVR-Jahresgutachten mit Integrationsbarometer >> im Internet