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Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie – Herausforderung Lieferkette

Mode und Nachhaltigkeit sind nicht zwingend zwei Seiten derselben Medaille. Auf der Fashion Summit vergangene Woche in Kopenhagen hat die Branche dieses Thema diskutiert und Probleme eingeräumt. Eine der größten Schwierigkeiten besteht in der Kontrolle der globalen Lieferketten. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung der Schweizer Ratingagentur inrate, die sich die Frage stellt: Wo sind die positiven Ergebnisse der jahrelangen CSR-Bemühungen?

Zürich (csr-news) > Mode und Nachhaltigkeit sind nicht zwingend zwei Seiten derselben Medaille. Auf der Fashion Summit vergangene Woche in Kopenhagen hat die Branche dieses Thema diskutiert und Probleme eingeräumt. Eine der größten Schwierigkeiten besteht in der Kontrolle der globalen Lieferketten. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung der Schweizer Ratingagentur inrate, die sich die Frage stellt: Wo sind die positiven Ergebnisse der jahrelangen CSR-Bemühungen?

Obwohl zahlreiche Firmen CSR auf ihrer Agenda haben, sieht inrate eine deutliche Diskrepanz zwischen “Worten” und “Taten” der Unternehmen. Vor allem eine funktionierende Überwachung der globalen Lieferkette scheint die Branche vor eine große Herausforderung zu stellen. Hier gibt es Versäumnisse, so ein Fazit von inrate, die Ausarbeitung von Richtlinien und Codes of Conduct würde nicht genügen. Vielmehr empfehlen die Analysten den Unternehmen, die Nachhaltigkeit tatsächlich fördern wollen, sich auf die wichtigsten Herausforderungen zu fokussieren, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette und des gesamten Lebenszyklus der Produkte entstehen. Insgesamt zehn Global Player der Modeindustrie hat inrate unter die Lupe genommen, zu denen u.a. H&M, Tiffany, LVMH, Nike und Adidas gehören.

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre wird die Branche mit den Herausforderungen einer globalen Lieferkette konfrontiert. Schon damals geriet der Hersteller Nike wegen missbräuchlicher Arbeitsbedingungen in die Kritik. Viel gelernt hat die Branche seitdem nicht, wie vergangenes Jahr durch den Fabrikeinsturz in Bangladesh erneut deutlich wurde. Zwar wurde in den vergangenen Jahren die Einhaltung von Arbeits- und Sicherheitsstandards eingefordert und die Unterzeichnung entsprechender Verpflichtungen durch die Lieferanten sind inzwischen üblich, doch die Resultate sind nicht wirklich befriedigend. Ein Grund sind die sehr langen und vielschichtigen Lieferketten und deren Komplexität hat in den vergangenen Jahren erneut deutlich zugenommen. Zahlreiche Modeanbieter entwerfen und vermarkten ihre Produkte zwar selber, haben aber die komplette Produktion ausgelagert, fast immer in Entwicklungsländern mit billigen Arbeitskräften. Gerade in diesen Ländern fehlen aber meist die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen zum Schutz der Arbeiter und zur Sicherung ihrer Rechte. Umso bedeutender ist die Wahrnehmung der unternehmerischen Verantwortung, denn die Liste der bekannten Katastrophen in den Produktionsbetrieben ist lang. Inrate führt die vier größten Tragödien der vergangenen 1 ½ Jahre auf, bei denen alleine mehr als 1.500 Menschen ihre Leben verloren haben, hinzu kommen mehr als 3.000 Verletzte. Es ist also dringend an der Zeit die gängige Praxis zu überdenken. Zudem kann die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte bei der Umgestaltung der Lieferketten nicht nur die Risiken minimieren sonder helfen die Effizienz zu verbessern.

Inrate

 

Auswahl wesentlicher Herausforderungen für die Bekleidungsindustrie:

  • Verzicht auf die Nutzung gefährdeter oder geschützter Arten als Lieferant für Rohstoffe
  • Verzicht auf tierische Rohstoffe, die aus wenig nachhaltiger oder tiergerechter Haltung stammen
  • Berücksichtigung der ökologischen Auswirkungen bei der Rohstoffbeschaffung
  • Verzicht auf gefährliche und gesundheitsgefährdende Chemikalien in der Produktion
  • Einhaltung geltender Standards für die Abfallbeseitigung
  • Achtung geltender Umweltgesetze in den Produktionsbetrieben vor Ort
  • Einhaltung geltender Arbeitsrechtsbestimmungen sowohl in der eigenen Belegschaft als auch bei den Zulieferern
  • Einhaltung von Standards zur Arbeitssicherheit in den Produktionsbetrieben
  • Reduzierung von chemischen Belastungen in den Produkten
  • Verzicht auf Bestechung und Korruption
  • Einhaltung der Wettbewerbsrichtlinien und Verzicht auf Preisabsprachen

 

Die inrate-Untersuchung „Globale Lieferketten überdenken – mit Impact-Bewertungen zu mehr Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie“ zum Download.

 
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