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Brandschutzabkommen in Bangladesch: Bisher 200 Fabriken inspiziert

Mit dem „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ bringen die unterzeichnenden Textilkonzerne Transparenz in ihre Lieferketten. Und „Transparenz hilft dazu, dass bekannt wird, wo die Probleme liegen“, so Gisela Burckhardt, Vorsitzende von Femnet und Mitwirkende in der Kampagne für saubere Kleidung. Auf der Accord-Website können inzwischen die ersten Ergebnisse von Fabrikinspektionen nachgelesen werden.

Dhaka (afp) – Mit dem „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ bringen die unterzeichnenden Textilkonzerne Transparenz in ihre Lieferketten. Und „Transparenz hilft dazu, dass bekannt wird, wo die Probleme liegen“, so Gisela Burckhardt, Vorsitzende von Femnet und Mitwirkende in der Kampagne für saubere Kleidung. Auf der Accord-Website können inzwischen die ersten Ergebnisse von Fabrikinspektionen nachgelesen werden.

Nach dem Einsturz eines Fabrikkomplexes in Dhaka (Bangladesch) mit über 1.100 Toten hatten die internationalen Gewerkschaftsbünde IndustriALL und UNI Global Union auf dieses Abkommen gedrängt. Die von inzwischen etwa 160 westlichen Firmen – darunter 48 aus Deutschland – unterzeichnete Vereinbarung sieht die Auflistung und Auditierung aller textilen Zulieferunternehmen in Dhaka vor. Etwa 1.600 Betriebe sind inzwischen auf einer öffentlich einsehbaren Liste verzeichnet. Insgesamt wird die Zahl der Textilunternehmen in Dhaka auf etwa 5.000 geschätzt, die allerdings nicht alle für Kunden in der westlichen Welt arbeiten.

Mit dem Accord wurde ein „Steering Committee“ eingerichtet, dem jeweils sechs Vertreter der Unternehmen und der Gewerkschaften gehören und das von einem Vertreter der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geleitet wird. Die ILO koordiniert alle Aktivitäten des Abkommens. Dem Komitee werden die Berichte der Brandschutz- und Gebäudekontrollen vorgelegt, ebenso – soweit vorhanden – den Gewerkschaftsvertretern in den geprüften Fabriken.

Bisher sind etwa 200 Unternehmen inspiziert worden, die ersten zehn Inspektionsberichte aus dem März können im Internet nachgelesen werden. Die Dokumente benennen Missstände und die erforderlichen Verbesserungen. Unter den bisher aufgeführten Firmen seien viele Vorzeigeunternehmen, sagt Gisela Burckhardt, und „selbst da gibt es erhebliche Mängel.“ Bis zum Oktober sollen alle 1.600 gelisteten Textilbetriebe einer ersten Inspektion unterzogen worden sein.

Von den Herausforderungen bei der Umsetzung des Accord berichtet Philip Chamberlain, Leiter für nachhaltige Geschäftsentwicklung bei C&A und Mitglied im Steering Committee. In Bangladesch gebe es keine „Geschichte der Gebäudesicherheit“, von gravierenden Baumängel seien auch Fabriken anderer Branchen und öffentliche Gebäude betroffen, so Chamberlain. Zudem fehle es an ausreichend qualifizierten Inspektoren. Die ersten Audits würden daher mit Fachkräften aus aller Welt begonnen und parallel habe eine Inspektorenausbildung mit den Schwerpunkten Feuer, Elektrik und Gebäudesicherheit in Bangladesch begonnen.

Im Zuge der bisherigen Inspektionen seien acht Fabriken wegen gravierender struktureller Mängel umgehend geschlossen worden, so Chamberlain. Vier dieser Unternehmen seien nach einer Reduzierung der dort eingelagerten Materialien wiedereröffnet worden. Die anderen würden – mit Unterstützung von Ingenieuren einer örtlichen Universität – weiter untersucht. Über eine endgültige Schließung müsse das Arbeitsministerium des Landes entscheiden. „In Bangladesch ist etwas in Bewegung“, sagt Chamberlain. Dieser Prozess könne als Vorbild für ähnliche Programme in anderen Ländern dienen.

Die den Accord unterzeichnenden Unternehmen haben sich darauf zu achten verpflichtet, dass ihre Zulieferer über die finanziellen Mittel für die erforderlichen Brand- und Gebäudeschutzmaßnahmen verfügen. Sie hoffe, dass westliche Einkäufer ihre Lieferanten bei der Umsetzung der Maßnahmen nun tatsächlich unterstützten, sagt Gisela Burckhardt.