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Clash der Generationen: Die Unzufriedenheit angehender Führungskräfte mit Entscheidern

Führungskräfte von morgen billigen den Entscheidern von heute zwar zu, dass sie hart arbeiten, aber halten diese auch für risikoscheu und zu sehr auf ihren Status bedacht. Das ergab das Global Perspectives Barometer 2014 des St. Gallen Symposiums in Zusammenarbeit mit dem GfK Verein. Eine Vielzahl der 876 Befragten aus 107 Ländern wünscht sich mehr strategischen Weitblick und gesellschaftliche Verantwortung von den Entscheidern in Politik und Wirtschaft.

Nürnberg (csr-news) > Führungskräfte von morgen billigen den Entscheidern von heute zwar zu, dass sie hart arbeiten, aber halten diese auch für risikoscheu und zu sehr auf ihren Status bedacht. Das ergab das Global Perspectives Barometer 2014 des St. Gallen Symposiums in Zusammenarbeit mit dem GfK Verein. Eine Vielzahl der 876 Befragten aus 107 Ländern wünscht sich mehr strategischen Weitblick und gesellschaftliche Verantwortung von den Entscheidern in Politik und Wirtschaft.

Außerdem ging es in der Umfrage um die Herausforderungen bei Bildungssystemen und die Eigenschaften attraktiver Arbeitgeber. In der Umfrage äußern sich ambitionierte junge Akademiker (Leaders of Tomorrow) über die aktuelle Führungsriege in Wirtschaft und Politik (Leaders of Today). Auch die höheren Bildungssysteme, in denen sie ausgebildet werden, und die Erwartungen an einen attraktiven Arbeitgeber werden thematisiert.

In einer offenen Frage konnten die jungen Talente der aktuellen Führungsriege einen Ratschlag mitgeben. Die hier formulierten Erwartungen und kritischen Anmerkungen der “Leaders of Tomorrow” an die “Leaders of Today” sind keine Pauschalabrechnung mit der älteren Generation, sondern liest sich wie ein Coaching-Gespräch für die Führungselite: Oft geht es um wahrgenommenes Führungsversagen der derzeitigen Führungskräfte. Es werden anhand von Beispielen und Metaphern falsche strategische Prioritäten, schlechte Personalentwicklung, handwerkliche Schnitzer und wenig nachhaltiges Handeln kritisiert, aber auch konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Diese kritische Sicht der Leaders of Tomorrow spiegelt sich auch darin wider, dass 61 Prozent der Befragten angaben, Regierungen und Verwaltungen würden mit ihren Entscheidungen bei wichtigen Themen “oft” versagen. Auch Unternehmer und Manager erscheinen in einem kaum besseren Licht: Beinahe die Hälfte hält deren Entscheidungen oft für falsch. “Ohne den Anspruch auf Repräsentativität, erlaubt unsere Umfrage doch äußerst wertvolle Einblicke in die Ziele und Werte ambitionierter junger Talente, die die Zukunft des Planeten mitgestalten werden”, kommentiert Andreas Neus, der beim GfK Verein für Hochschulkooperationen zuständig ist, die Ergebnisse. “Es sollte den Entscheidern in Politik und Wirtschaft zu denken geben, wie kritisch ihre potenziellen Nachfolger ihre Führungsqualitäten bewerten.”

Die Leaders of Tomorrow wurden auch gefragt, wie sie bestimmte Eigenschaften ihrer eigenen Generation der “Millennials” einschätzen, wie die der aktuellen Führungsriege und wie sie sich schließlich selbst beurteilen. Zur Auswahl standen bei der Einstufung polare Eigenschaften wie individualistisch/sozial, unternehmerisch/risikoscheu, vertrauenswürdig/unzuverlässig, egalitär/statusorientiert, altruistisch/ichbezogen, entspannt/hart arbeitend sowie idealistisch/materialistisch. Die Ergebnisse machten klar, dass sich die jungen Talente völlig anders einschätzen als die derzeitigen Führungskräfte. Interessant ist allerdings, dass die Leaders of Tomorrow den Unterschied zwischen den zwei Generationen der Leaders of Today und ihrer eigenen “Generation Y” geringer einstufen, als die Unterschiede, die sie zwischen sich selbst und dem Rest ausmachen: Ihre eigene Generation Y schätzen sie als etwa gleich vertrauenswürdig ein wie die Leaders of Today und als im gleichen Maß ichbezogen. Sich selbst empfinden sie jedoch als weit vertrauenswürdiger und altruistischer als sowohl ihre eigene Generation Y als auch die Generation der amtierenden Führungskräfte. Sie taxieren sich zudem als wesentlich weniger materialistisch und weniger statusfixiert als den Rest – aber als deutlich fleißiger.

Ein weiteres Thema des Global Perspectives Barometers 2014 waren die höheren Bildungssysteme der Länder, in denen die Befragten ausgebildet werden. Die am häufigsten geäußerte Kritik betraf allgemein die Qualitätsstandards der Bildungsangebote. Die Befragten beklagen veraltete Methoden und Lehrinhalte. Auch wünschen sie, besser auf die Praxis vorbereitet zu werden. Lediglich 9 der 876 Umfrageteilnehmer gaben bei dieser Frage explizit keine Probleme an. Von besonderem Interesse für Unternehmen sind laut Andreas Neus die Ansprüche, die künftige Fach- und Führungskräfte an Beruf und Arbeitgeber stellen. “Der globale Wettbewerb um Talente ist zu einem entscheidenden Faktor für wirtschaftlichen Erfolg geworden”, so Neus. “Unternehmen müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, hervorragende Mitarbeiter zu finden und zu halten – gerade in einer Zeit, in der Unternehmen intelligenter auf sich ändernde Marktanforderungen reagieren müssen.” Besonders wichtig sind den Teilnehmern der Befragung attraktive Karrierechancen (74 Prozent), inhaltlich interessante Aufgaben (68 Prozent) und Autonomie (60 Prozent). Die Work-Life Balance (55 Prozent), internationale Ausrichtung (54 Prozent) und positive gesellschaftliche Auswirkungen (54 Prozent) ihrer Tätigkeit stehen ebenfalls oben auf der Liste. Wie sicher und wie gut bezahlt der Job ist, scheint den meisten Leaders of Tomorrow dagegen weniger bedeutsam. Und auf eines legt die Mehrheit der künftigen Führungskräfte wenig Wert: auf Gehaltsnebenleistungen wie z.B. einen Dienstwagen. “Der Begriff “Work-Life-Balance” ist für viele aus meiner Generation zum Schimpfwort geworden, weil er einen Gegensatz zwischen Arbeit und Leben impliziert. Arbeit sollte nicht der einzige Lebensinhalt sein, ist aber ein fundamental wichtiger Teil, der einen genauso erfüllen sollte wie die Freizeit”, sagt Kilian Blum, 23 Jahre, Projektmanager Leaders of Tomorrow beim St. Gallen Symposium. “Es geht also nicht um eine 30 Stundenwoche oder die Höhe des Lohnes als Schmerzensgeld, sondern um lebenswerte Arbeitsgestaltung: abwechslungsreich, fordernd und selbstverantwortlich”

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