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Deutsches CSR-Forum: Offene Worte von Unternehmern, deutliche Kritik von NGOs

Die Umstellung auf nachhaltigen Fischfang hätte das Unternehmen FRoSTA fast in den Ruin getrieben. Der FRoSTA-Vorstandsvorsitzende Felix Ahlers fasste die zugrundeliegende Herausforderung am Mittwoch auf dem Deutschen CSR-Forum in Ludwigsburg in der Frage zusammen: „Wie bekommt man Millionen von Leuten dazu, etwas Geld dafür auszugeben, dass es anderen besser geht?“ Diese Frage beschäftigte auch andere Referenten des Kongresses.

Ludwigsburg (csr-news) – Die Umstellung auf nachhaltigen Fischfang hätte das Unternehmen FRoSTA fast in den Ruin getrieben. Der FRoSTA-Vorstandsvorsitzende Felix Ahlers fasste die zugrundeliegende Herausforderung am Mittwoch auf dem Deutschen CSR-Forum in Ludwigsburg in der Frage zusammen: „Wie bekommt man Millionen von Leuten dazu, etwas Geld dafür auszugeben, dass es anderen besser geht?“ Diese Frage beschäftigte auch andere Referenten des Kongresses.

FRoSTA hatte mit der Umstellung auf nachhaltigen Fischfang seine Preise um 15 Prozent angehoben – und verzeichnete danach einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent. Das Unternehmen hätte zwei Jahre hart gekämpft und es „gerade eben noch geschafft“. Wie Ahlers weiter sagte, sei es wichtig, dass sich ein Unternehmer bei der Umstellung auf nachhaltige Produkte „vorher überlegt: Wie schafft man es, dass man die Kunden dafür begeistert?“ Dazu könne der Nutzen eines nachhaltigen Produktes für den Kunden selbst in den Vordergrund gestellt werden. Die Erfahrung zeige, „dass man nicht unbedingt mehr Geld dafür ausgibt, dass es allen anderen besser geht. Man gibt aber mehr Geld dafür aus, dass es einem selber besser geht“, so Ahlers.

Nachhaltigkeit zu niedrigsten Preisen

Die „teilweise Widersprüchlichkeit der Ansprüche“ deutscher Konsumenten beschrieb der REWE-Vorstandsvorsitzende Alain Caparros als Herausforderung bei der Platzierung nachhaltiger Produkte. „Die Deutschen wollen Nachhaltigkeit und das alles zum niedrigsten Preis.“ Caparros weiter: „Das ist die Quadratur des Kreises und sehr, sehr anspruchsvoll.“

Strategisches Ziel von REWE sei es, Nachhaltigkeit heraus aus der Nische zu bringen. Derzeit liege der Anteil der Bio- und Fairtrade-Produkte am Umsatz der Handelskette bei 4 Prozent, dieser Anteil solle steigen. „Wir sind keine Philanthropen, aber wir sind davon überzeugt, dass wir mit dieser Strategie langfristig einen Vorteil haben werden“, sagte Caparros.

Eine nachhaltige Praxis könne aber nicht von einem Unternehmen alleine umgesetzt werden, so der REWE-Chef. Hier sei es gelungen, Nachhaltigkeit zu einem gemeinsamen Thema von Handel und Industrie zu machen. Eine besondere Chance des Handels liege in der Nachhaltigkeitskommunikation am Point of Sales. Alleine REWE habe wöchentlich 60 Millionen Kundenkontakte. Caparros weiter: „Wenn wir es schaffen würden, diese Kontakte zu nutzen, hätten wir einen Riesenhebel.“

NGO fordern mehr gesetzliche Regulierung

Vertreter von Umweltorganisationen kritisierten auf dem Forum eine Untätigkeit der Wirtschaft und forderten mehr gesetzliche Regulierung. Der Präsident des Naturschutzbund Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke, sagte den Unternehmensvertretern, dass Gemeingüter „im Kernbereich Ihrer Unternehmen immer noch nicht die Rolle spielen, die sie spielen könnten.“ Um Natur und Landschaft zu schützen, gelte es, neben CSR auch auf gesellschaftliche Prozesse und politische Regulierung zu setzen. Tschimpke zu den Unternehmern: „Sie haben keinen ökonomischen Vorteil, wenn Sie sich um Natur und Landschaft kümmern.“ Deutsche Unternehmen gäben pro Jahr insgesamt nur 20 Millionen Euro für den Naturschutz aus, so der NABU-Präsident.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, verwies auf das fehlende Engagement der Wirtschaft für den Schutz der Biodiversität. Hier sei ein „Nichtagieren des Staates zu erleben und ein Nicht- oder Unteragieren der Wirtschaft“. Nach Reschs Worten sind viele CSR-Kongresse „Blockveranstaltungen“: „Dialog wird abgeblockt. Das hat sich in den letzten Jahren kaum verändert.“ Für den Geschäftsführer der Umwelthilfe folgt daraus, „dass wir eine Rückkehr des Staates brauchen, der sich bemüht, Ordnungsrahmen zu schaffen“.

CSR strategisch verankern

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Grüne) sprach in seinem Grußwort nicht von staatlicher Regulierung, aber von einer staatliche Unterstützung unternehmerischer Verantwortung durch Information, Beratung und finanzielle Förderung. Wichtig sei die strategische Verankerung von CSR in den Unternehmen. „Es darf nicht alleine darum gehen, der Gesellschaft etwas Gutes tun zu wollen“, so der Minister. „Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Nachhaltigkeit mit konkreten Instrumenten ausgestaltet wird.“

Als eine Chance gerade für kleine und mittlere Unternehmen, CSR in die Praxis umzusetzen und nach außen zu kommunizieren, bezeichnete Untersteller die baden-württembergische WIN-Charta. Die von der Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit entwickelte Charta beinhalte das Bekenntnis zu zwölf Leitsätzen nachhaltigen Wirtschaftens und zur Unterstützung eines lokalen WIN-Projektes. Die ersten Unternehmen würden die Charta am 20. Mai unterzeichnen und könnten dann das zugehörige Siegel für ihre Kommunikation nutzen, kündigte Untersteller an.

Vor 10 Jahren als „Forum Envicomm“ begonnen

Zufrieden mit der Resonanz auf seiner Veranstaltung zeigte sich der Organisator, der Geschäftsführer der Stuttgarter CSR-Beratung dokeo, Wolfgang Scheunemann. Das am 7. und 8. Mai in Ludwigsburg stattfindende Deutsche CSR-Forum habe vor 10 Jahren als Umweltkongress mit dem Titel „Forum Envicomm“ begonnen – im ersten Jahr mit 65 Teilnehmern. De diesjährige Kongress verzeichne 790 Anmeldungen, sagte Scheunemann.

Foto: Umweltminister Franz Untersteller bei seinem Grußwort