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Verein „Forum Nachhaltiger Kakao“ gegründet

Die im Jahr 2012 vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) gemeinsam mit der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft gegründete Initiative “Forum Nachhaltiger Kakao” stellt sich neu auf und wird sich fortan als Verein für verbesserte Lebensbedingungen für Kakaobauern und eine nachhaltige Kakaoerzeugung einsetzen. Gestern wurde die erste Mitgliederversammlung durchgeführt. Die bislang 80 Mitgliedsorganisationen sind nun aufgefordert, dem Verein beizutreten.

Berlin (csr-news) > Die im Jahr 2012 vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) gemeinsam mit der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft gegründete Initiative “Forum Nachhaltiger Kakao” stellt sich neu auf und wird sich fortan als Verein für verbesserte Lebensbedingungen für Kakaobauern und eine nachhaltige Kakaoerzeugung einsetzen. Gestern wurde die erste Mitgliederversammlung durchgeführt. Die bislang 80 Mitgliedsorganisationen sind nun aufgefordert, dem Verein beizutreten.

“Deutschland trägt als weltweit zweitgrößter Verarbeiter von Kakao eine besondere Verantwortung”, betonte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bei der Eröffnung der Mitgliederversammlung. Schmidt betonte: „Das Erfolgsrezept des ‚Forums Nachhaltiger Kakao‘ liegt darin, zwischen Menschlichkeit und ökonomischen Interessen Brücken zu bauen“. Sein Kollege Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ergänzte: „Nur wenn die Kakaobauern faire, existenzsichernde Einkommen erzielen, können sie ihre Kinder in die Schule schicken. Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass vom Preis einer Schokolade mehr beim Bauern ankommt“. Die Einkommen der Kleinbauern gehören noch immer zu einem der drängenden Probleme im Kakaosektor. Mehr als 90 Prozent des Kakaos wird in kleinbäuerlichen Betrieben mit durchschnittlich drei Hektar Anbaufläche angebaut. Davon können die wenigsten Bauern leben, ihr Einkommen liegt oftmals unter der Armutsgrenze von zwei US-Dollar am Tag. Dieser Umstand ist auch ein Grund für die häufig anzutreffende Kinderarbeit in diesen Betrieben. Der Kakaoanbau ist von drei wesentlichen Herausforderungen geprägt. Zum einen ist es die notwendige Qualität der Kakaobohnen, die auch stark von den Anbaumethoden bestimmt wird. Doch fehlen den Betrieben oftmals die erforderlichen Voraussetzungen, also entsprechende Kenntnisse, Düngemethoden oder Saatgut, um diese Qualität liefern zu können. Gerade eine stark nachgefragte Qualität liefern zu können, würde die Einnahmesituation der Bauern jedoch signifikant verbessern können. Hinzu kommt die meist geringe Produktivität. Mit durchschnittlich 500 Kilogramm pro Hektar bleiben viele Bauern weit hinter den Möglichkeiten zurück. Die Ursachen sind die gleichen, es fehlt unter anderem an dem nötigen Wissen. Und auch die Ergebnisse wären die gleichen, eine deutliche Verbesserung der Einkommenssituation. Doch der Zugang zu mehr Wissen, zu Krediten und Material hängt für die Bauern stark davon ab, ob sie beispielsweise in Genossenschaften oder Kooperativen organisiert sind und unter welchen politischen Rahmenbedingungen sie arbeiten müssen. Bisher existieren jedoch nur wenige funktionierende Kooperativen; die Marktanbindung der meisten Kleinbauern ist schlecht.

Der Verein “Forum Nachhaltiger Kakao” will die Situation der Kleinbauern in den Anbauländern dauerhaft und wirksam verbessern und den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos erhöhen. Dies soll langfristig durch möglichst flächendeckende Schulungsangebote zu nachhaltigen Produktionsmethoden in den Anbauländern erreicht werden. Über den Erfahrungs- und Wissensaustausch innerhalb des Forums und eine breite, sektorweite Zusammenarbeit sollen die vielfältigen bereits bestehenden Einzelaktivitäten in ihrer Wirksamkeit gestärkt und zu einem ganzheitlichen Ansatz gebündelt, vernetzt und weiter ausgebaut werden. Aufgabe des Forums ist nun die Erarbeitung eines gemeinsamen Verständnisses der Nachhaltigkeit im Kakaobereich sowie damit korrespondierend eines Curriculums für Schulungsmaßnahmen in den Erzeugerländern. Damit soll die Grundlage für eine bessere Koordinierung der Aktivitäten aller Akteure gelegt werden. Das Forum will auch bereits bestehende Ansätze zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Kakaobereich evaluieren. Besonders effektive Maßnahmen sollen dann im Sinne einer “Best-Practice” dokumentiert und weiterverbreitet werden. Das “Forum Nachhaltiger Kakao” führt keine eigenen Projekte durch, sondern dient als Dach für Pilotprojekte, die den gemeinsam vereinbarten Kriterien entsprechen.

Mit der Gründung des Vereins „Forum Nachhaltiger Kakao“ wurde die Initiative aus dem Jahr 2012 auf eine institutionelle Basis gestellt, nämlich die eines rechtsfähigen, sich selbst tragenden Vereins. Bislang wurde die Finanzierung der Initiative gemeinsam von BMEL, BMZ und der Süßwarenindustrie getragen. Der Zusammenschluss zählte bislang rund 80 Mitgliedsorganisationen, die nun aufgefordert sind, dem Verein beizutreten. Die Mehrheit von ihnen hat diesen Schritt als Gründungsmitglied bereits vollzogen. Der Verein steht aber auch weiterhin allen an Fragen der nachhaltigen Kakaoerzeugung interessierten Gruppen zum Beitritt offen. Wolf Kropp-Büttner, Vorstandsvorsitzender des neu gegründeten Vereins: „Wir wollen so einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände der Kakaobauern und ihrer Familien leisten und den Anteil an nachhaltig produziertem Kakao erhöhen”. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Gründungsmitglied der Initiative, begrüßte, dass das Forum Nachhaltiger Kakao nach einer zweijährigen Pilotphase fortgeführt und durch die Eintragung ins Vereinsregister nun auch rechtlich auf solide Füße gestellt wird. “Die Einführung nachhaltiger Anbaumethoden bleibt der Schlüssel zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bauern und ihrer Familien. Damit diese Bemühungen zum Erfolg geführt werden können, ist eine Mitwirkung aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten unverzichtbar. Jeder in der Kakaolieferkette muss seinen Beitrag leisten“, verdeutlicht Stephan Nießner, Vorsitzender des BDSI und weist damit auf die erheblichen Investitionen hin, die in den nächsten Jahrzehnten zwingend erforderlich sind, um nachhaltigen Kakaoanbau weiter zu verbreiten. Die deutsche Süßwarenindustrie hat im Jahr 2013 mit schätzungsweise 400.000 Tonnen Rohkakao über 10 Prozent der Weltproduktion in ihren Erzeugnissen verarbeitet.

Der Schwerpunkt der Arbeit des Forums liegt derzeit auf dem nachhaltigen Kakaoanbau in Westafrika und hier insbesondere der Côte d’Ivoire. Edouard Kouassi N’Guessan, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Conseil du Café-Cacao (für die Entwicklung des Kakaosektors zuständige Behörde der Côte d‘Ivoire) betonte: „Man kann nur von einer Nachhaltigkeitsstrategie sprechen, wenn dem Produzenten langfristig ein existenzsicherndes Einkommen garantiert werden kann. Der Landwirt soll nicht nur produzieren, um Kakao zu liefern, sondern er soll auch davon leben können”. Eine Initiative wie das ‚Forum Nachhaltiger Kakao‘ trage dazu bei, dass die Ziele der nationalen Kakaostrategie erreicht werden können, so N’Guessan. Mit der sogenannten ‚CCE-Initiative‘ (Certification Capacity Enhancement) unterstützt das Forum bereits die Weiterentwicklung von Trainingsmaterialien in Westafrika sowie die Durchführung von Trainingsmaßnahmen. Ein erstes gemeinsames Projekt zur Schulung von Kakaoerzeugern und zur Stärkung von Kleinbauernorganisationen in der Côte d’Ivoire wird vorbereitet. Wolf Kropp-Büttner, er selbst schaut auf eine mehr als 20-jährige Tätigkeit in der deutschen Schokoladenindustrie zurück, hob positiv hervor: „Die im April vom deutschen Botschafter und vom Landwirtschaftsminister der Côte d`Ivoire unterzeichnete gemeinsame Absichtserklärung zum nachhaltigen Kakaoanbau stellt die Zusammenarbeit zwischen dem Forum und der Côte d`Ivoire auf eine solide Basis.” Die Côte d’Ivoire produziert mit 1,5 Millionen Tonnen/Jahr 40 Prozent der Weltgesamternte an Kakao, was der jährlichen Gesamtmenge des in der Europäischen Union (inkl. Schweiz) verarbeiteten Kakaos entspricht. In Deutschland werden über 10 Prozent der Weltkakaoernte verarbeitet, über 50 Prozent davon kommen aus der Côte d`Ivoire. Als eines der Hauptabnehmerländer weltweit sieht sich Deutschland in der Verantwortung, sozialen und ökologischen Missständen in der Kakaoproduktion gemeinsam mit den Erzeugerländern aktiv entgegenzuwirken. 2013 stammten bereits knapp 20 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos aus nachhaltigem Anbau. Mittelfristig hängt die Verfügbarkeit des Rohstoffs Kakao für die internationale Kakao-, Schokoladen- und Süßwarenindustrie zu einem entscheidenden Teil davon ab, inwiefern insbesondere die Côte d’Ivoire in der Lage sein wird, den Kakaosektor wettbewerbsfähiger zu gestalten.

Foto (von rechts): Stephan Nießner, Vorsitzender BDSI; Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft; Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer BVLH