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Fairtrade: Studie bezweifelt die Wirksamkeit

Die Lebensbedingungen von Landarbeitern in Äthiopien und Uganda werden durch Fairtrade nicht verbessert. So lautet das ernüchternde Fazit einer Untersuchung, durchgeführt von einem Forscherteam der Universität London. Transfair räumt Probleme ein, kritisiert aber die Methodik der Studie.

London/Köln (csr-news) > Die Lebensbedingungen von Landarbeitern in Äthiopien und Uganda werden durch Fairtrade nicht verbessert. So lautet das ernüchternde Fazit einer Untersuchung, durchgeführt von einem Forscherteam der Universität London. Transfair räumt Probleme ein, kritisiert aber die Methodik der Studie.

Es ist vor allem der Vergleich zwischen zertifizierten und konventionellen Betrieben den Transfair für unzulässig hält. In einer Stellungnahme begrüßte Transfair jedoch grundsätzlich auch kritische Studien, da diese oft auch Anregungen für mögliche Verbesserungen geben. In der aktuellen, von der britischen Regierung finanzierten, Untersuchung wurden die Lebensumstände der Landarbeiter in Äthiopien und Uganda untersucht, also jener Gruppen, die beispielsweise für die Ernte eingesetzt werden. Rund 1.700 Interviews wurden mit den Betroffen geführt, dazu Interviews mit Betreibern, Fairtrade-Repräsentanten und anderen Entscheidungsträgern. In zwölf Regionen, in denen entweder Kaffee, Tee oder Blumen angebaut werden, haben die Forscher vier Jahre lang die Arbeitsbedingungen untersucht. Ergebnis: Fairtrade verbessert die Lebensumstände der betroffenen Arbeiter nicht. Im Gegenteil, in vergleichbaren konventionellen Betrieben, verdienten die Arbeiter mehr und hatten zudem besseren Zugang zu Bildungseinrichtungen und medizinischer Versorgung. Prof. Christopher Cramer von der Universität London und einer der Autoren der Studie: „Die Öffentlichkeit hat geglaubt, durch den Aufpreis bei zertifiziertem Kaffee, Tee oder Blumen, die Lebensbedingungen der armen Lohnarbeiter zu verbessern. Unsere Untersuchung zeigt nun, das Fairtrade dafür kein wirksamer Mechanismus ist“. Gerade bei kleinen Betrieben mit nur wenigen Beschäftigten kämen die Anforderungen, die an zertifizierte Betriebe gestellt werden, nicht zur Geltung. Die Bedingungen müssten entsprechend angepasst und kontrolliert werden, so das Fazit der Autoren.

„Die Herausforderungen sind groß und wir arbeiten gleichzeitig an vielen Baustellen, auch an einigen, auf die sicher der Bericht bezieht“, heißt es dazu von Transfair. „Dazu gehört u.a. auch die seit Januar 2014 neu eingeführte Verpflichtung Fairtrade-zertifizierter Plantagen zur schrittweisen Einführung existenzsichernder Löhne“. Vor allem auch der Status der Arbeiter, die dauerhaft in kleinbäuerlichen Kooperativen beschäftigt sind, soll durch existenzsichernde Löhne verbessert werden. „Allerdings sei dies schwieriger und langwieriger zu erreichen sein als auf Plantagen“. Gerade auf diese Arbeiter bezieht sich die Untersuchung aus London, allerdings in einer Weise, die den Sachverhalt nach Ansicht von Fairtrade unzulässig verallgemeinere. So würde zwar die Betriebsgröße als ein wesentlicher Faktor für die Arbeitsbedingungen und die Höhe der Löhne gesehen, in den Vergleichen aber unzureichend berücksichtigt. „Eine möglicherweise einem ausländischen Großunternehmen gehörende Plantage hat ganz andere finanzielle Bedingungen und Ressourcen als eine kleinbäuerliche Kooperative, in der es viel weniger um Profite als vielmehr um Existenzsicherung geht“, so Transfair. Als weiteres Beispiel führt Transfair einen Vergleich aus dem Blumenanbau an. Die berücksichtigten Betriebe würden inzwischen unter anderen Vorzeichen arbeiten. So sei der konventionelle Betrieb inzwischen zertifiziert, während dem Fairtrade-Betrieb die Zertifizierung aufgrund von Standardverletzungen inzwischen aberkannt wurde. „Es lassen sich weitere Beispiele in der Studie finden, die ähnlich undifferenziert zu verallgemeinernden Schlussfolgerungen kommen“, so die Transfair Stellungnahme. Würde man die Unterschiede ignorieren, würde man Sachverhalte vergleichen, die nicht vergleichbar sind. „Gerade weil Kleinbauern unter so ungleichen Bedingungen produzieren müssen, arbeiten sie ja mit Fairtrade zusammen“. Allerdings räumt Transfair ein, nicht alle Nachteile über Nacht beseitigen zu können, „das braucht Zeit, unter Umständen viele Jahre“. Die Kritik das Fairtrade an dieser Stelle bislang zu wenig erreicht hätte würden man allerdings sehr ernst nehmen, verweist aber gleichzeitig auf die durch zahlreiche Studien nachgewiesene Wirksamkeit. „Zusammen mit Bio ist Fairtrade das am umfassendsten untersuchte Nachhaltigkeitslabel“, so Transfair.