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Türöffner in eine Ausbildung: das Programm „Mensch – Mentoring für Schüler“

Benachteiligte junge Menschen finden Unterstützung auf dem Weg in den Beruf, Unternehmen lernen potentielle Auszubildende kennen, Mitarbeiter engagieren sich für ihre Stadt: All das bietet seit 2011 das Programm „Mensch – Mentoring für Schüler“ in der Region Kassel. Das erfolgreiche Bildungsprojekt wird demnächst auch an anderer Stelle aufgelegt.

Kassel (csr-news) – Benachteiligte junge Menschen finden Unterstützung auf dem Weg in den Beruf, Unternehmen lernen potentielle Auszubildende kennen, Mitarbeiter engagieren sich für ihre Stadt: All das bietet seit 2011 das Programm „Mensch – Mentoring für Schüler“ in der Region Kassel. Das erfolgreiche Bildungsprojekt wird demnächst auch an anderer Stelle aufgelegt.

Die Idee hinter „Mensch“: Schüler der 8. Klasse erhalten für die letzten 16 Monate ihrer Schullaufbahn einen Mentor. Für die Teilnahme im laufenden Programm wurden 26 Jugendlichen aus zwei Gesamtschulen ausgewählt, denen es Zuhause an Unterstützung fehlt oder deren schulische Leistung durch andere Problemen gefährdet erscheint. Koordiniert wird das Bildungsangebot vom Verein „Jumpers – Jugend mit Perspektive“, der zu Beginn den Mentor, den Schüler und dessen Lehrer zu einem Gespräch an einen Tisch bringt und mit diesen gemeinsam Ziele für das Mentoring festlegt. Dabei kann es um bessere Noten, um Sekundärtugenden wie regelmäßiges Erscheinen im Unterricht, um Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder um die Entwicklung beruflicher Ziele gehen. Danach vereinbaren Schüler und Mentor ihre eigenen Termine – nicht nur zu „harter“ Arbeit, sondern manchmal auch zum Grillen oder Bowlingspielen.

Die Eltern werden bei einem ersten Elternabend und dann alle sechs Monate bei „Meilensteinfesten“ in das Projekt einbezogen. Das gelingt nicht immer: „Manche Eltern kommen nicht zu den Elternabenden“, hat der Jumpers-Vorsitzende Thorsten Riewesell beobachtet. Die Begegnung mit den jungen Menschen aus „Hartz-IV-Familien“ ist für manchen als Mentor beteiligten Ingenieur oder Vorstandsvorsitzenden eine völlig neue Erfahrung. Riewesell: „Es haben sich bereits Mentoren bei ihren Eltern für das eigene Aufwachsen bedankt.“ Jumpers bereitet die Freiwilligen aus den Unternehmen in einer Schulung auf diese Begegnungen vor und ruft sie vierteljährlich zum Austausch zusammen. Für den Vereinsvorsitzenden können die Mitarbeiter aus regionalen Unternehmen „ihren“ Jugendlichen eine sehr wichtige Hilfe auf dem Weg in die Arbeitswelt bieten. „Der Mentor ist häufig ein Türöffner in eine Ausbildung, vielleicht in seinem eigenen Unternehmen“, sagt Riewesell.

Seit dem Beginn von „Mensch“ sind pro Jahrgang 10 bis 15 Mitarbeiter der Firma SMA Solar Technologie dabei. Für Christoph Schösser, den CSR-Verantwortlichen von SMA, ist das Mentoring „eines unserer Leuchtturmprojekte“. SMA wirbt unter seinen Mitarbeitern – etwa im Intranet oder in gemeinsamen Veranstaltungen mit Jumpers – für die Teilnahme und stellt Räumlichkeiten dafür zur Verfügung. Die Mitarbeiter werden für das Mentoring allerdings nicht freigestellt, sondern engagieren sich in ihrer Freizeit. Wer mitmacht, gewinnt „Einblick in eine andere Welt“. Schösser weiter: „Wir versprechen uns davon eine Identifikation mit dem Unternehmen.“ Zudem wolle sich SMA so für die eigene Region engagieren. Und zwei der begleiteten Jugendlichen haben dort bisher einen Ausbildungsplatz gefunden.

Sogenannte Corporate Volunteering-Programm wie „Mensch“ erleben einen starken Zulauf. Das beobachtet Stephan C. Koch, der ähnliche Projekte als Experte im UPJ-Netzwerk berät. Koch: „Corporate Volunteering ist immer auch ein freiwilliges Engagement.“ Diese Freiwilligkeit kann darin zum Ausdruck kommen, dass Unternehmen – wie SMA – Mitarbeiter für solche Projekte werben und die Projekte fördern, das Mitarbeiterengagement aber in der Freizeit stattfindet. Häufiger bieten Unternehmen ihren Beschäftigten eine Freistellung dafür an – etwa über interne Arbeitszeit-Verrechnungskonten. Wenn Unternehmen gesellschaftliches Engagement allerdings zur Personal- oder Teamentwicklung einsetzen und ganze Arbeitsgruppen einbinden, sei die Mitarbeit nicht mehr freiwillig. Dafür lasse sich besser der Begriff „Engagementlernen“ verwenden, so Koch.

Für den UPJ-Experten bieten Corporate-Volunteering-Programme den Firmenmitarbeitern eine Chance zur regionalen Verankerung. „Unternehmen erwarten immer mehr und immer stärker eine Mobilität von ihren Mitarbeitern“, sagt Koch. Das Engagement böte Beschäftigen eine gute Möglichkeit dazu, sich lokal zu vernetzen. Bietet Corporate Volunteering also einen Einstieg in das ehrenamtliche Engagement in lokalen Vereinen? Harte Fakten dazu fehlen, so Koch, aber „anekdotisch bekommen wir das immer wieder mit.“

Was sich in Kassel als Corporate-Volunteering-Programm in den zurückliegenden drei Jahren bewährt hat, wird nun in das 150 Kilometer entfernte Iserlohn „exportiert“: Im Sommer soll auch dort „Mensch – Mentoring für Schüler“ starten.

Weitere Informationen im Internet:
www.mensch-mentoring-fuer-schueler.de

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