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Auch Reichsbahn profitierte von DDR-Zwangsarbeit

Mainz (afp) – Von erzwungener Häftlingsarbeit in der DDR hat einem Bericht zufolge neben westlichen Unternehmen auch die Reichsbahn profitiert. Politische Gefangene seien insbesondere zu Arbeiten beim Gleisbau, bei der Demontage alter Gleise und der Verschrottung von Waggons gezwungen worden, berichtete das ARD-Magazin „Report Mainz“ unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Studie. Der Leiter des Forschungsprojekts, Christian Sachse, sagte in der Sendung, die am Donnerstagabend ausgestrahlt werden sollte, die Reichsbahn habe von 1951 bis 1989 „in erheblichem Maße“ von der Zwangsarbeit profitiert.

Die Häftlinge hätten schwere und gesundheitsgefährdende Arbeit leisten müssen. Dabei sei der Lohn so gering gewesen, „dass man nur von Ausbeutung sprechen kann“, sagte Sachse. Die Reichsbahn habe regelmäßig Kontingente von Zwangsarbeitern erhalten – etwa 1200 bis 1500 Menschen im Jahr. Zwar lasse sich der so erzielte Profit nicht mehr genau beziffern; nachweisbar sei aber, dass Amnestien für Strafgefangene zu Millionenverlusten bei der Reichsbahn führten.

Die Deutsche Bahn AG, die aus der Zusammenführung der Reichsbahn und der Bundesbahn entstanden war, gab laut „Report Mainz“ an, sie habe zum Arbeitseinsatz von Häftlingen „keine Forschungsergebnisse und Erkenntnisse“. Die Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, forderte den Konzern auf, sich der „Vergangenheitsbewältigung“ zu stellen. „Die Bahn darf sich genau so wenig wegducken wie andere Firmen“, sagte Gleicke „Report Mainz“. Das Unternehmen müsse die Aufarbeitung unterstützen und gegebenenfalls auch Wiedergutmachung leisten.

Im März hatte „Report Mainz“ unter Berufung auf eine Studie der Stasi-Unterlagen-Behörde berichtet, dass zahlreiche Firmen der Bundesrepublik von Zwangsarbeit in der DDR profitierten. Die Unternehmen, darunter Aldi und Volkswagen, ließen demnach vor allem in den 70er und 80er Jahren billig Waren in DDR-Betrieben produzieren, die auch Häftlinge beschäftigten. Im November vergangenen Jahres hatte bereits der schwedische Möbelhauskonzern Ikea eingeräumt, dass in der DDR politische Häftlinge und Strafgefangene unter Zwang Möbel für ihn fertigen mussten.

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