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Bildungsbericht 2014 – Zwischen Bewegung und Stillstand

Berlin (csr-news) > Es gibt einen Trend zu mehr Bildung, es gibt aber auch einen großen Teil Kinder und Jugendlicher die von dieser Entwicklung ausgeschlossen sind. Das ist ein Ergebnis des heute vorgestellten Bildungsberichts 2014. Dieser wurde von Wissenschaftlern unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet. 2014 stellt der alle zwei Jahre herausgegebene Bildungsbericht erstmals die Veränderungsdynamik der Informationen zum Bildungswesen im Zeitverlauf der bisherigen Ausgaben dar. „Der Bericht zeigt ein Bildungswesen zwischen Bewegung und Stillstand“, erläutert Professor Marcus Hasselhorn vom DIPF, der Sprecher der Autorengruppe. „So lässt sich ein erfreulicher Wandel des Bildungsverhaltens festhalten – ein Trend zu mehr Bildung“, so Hasselhorn: Unter 3-Jährige nehmen viel häufiger Angebote der Kindertagesbetreuung in Anspruch. Immer mehr Schulabsolventen erwerben eine Hochschulzugangsberechtigung, zuletzt 57 Prozent. Und die Zahl der Studienanfänger ist in den letzten 13 Jahren um zirka 200.000 auf mehr als 500.000 Personen angestiegen. Der Sprecher der Autorengruppe betont jedoch: „Nicht alle gesellschaftlichen Gruppen sind Teil dieser Dynamik, Unterschiede in der Beteiligung bleiben bestehen.“ Einige Beispiele: Trotz eines sinkenden Anteils wächst nach wie vor fast jedes dritte Kind in Deutschland in mindestens einer Risikolage für schlechtere Bildungschancen auf – also in einem erwerbslosen, armutsgefährdeten oder bildungsfernen Elternhaus. Kinder von Eltern mit niedrigem Schulabschluss nehmen seltener an zusätzlichen Bildungsangeboten wie Musikkursen teil. Ausländische Jugendliche landen beim Zugang zur Berufsausbildung fast zur Hälfte im Übergangssystem, von den deutschen Jugendlichen ist es dagegen nur jeder Vierte. Und unter den 30- bis unter 35-Jährigen haben Personen mit Migrationshintergrund fünf Mal so häufig keinen allgemeinbildenden bzw. drei Mal so häufig keinen beruflichen Bildungsabschluss. Insgesamt macht die Autorengruppe fünf zentrale Handlungsfelder im Bildungswesen aus:

Frühkindliche Betreuungsangebote: Hier lag der Schwerpunkt in den letzten Jahren auf dem quantitativen Ausbau. Jetzt gilt es, sich verstärkt der Angebotsqualität, aber auch regionalen und kommunalen Unterschieden beim Ausgestalten und Bereitstellen der Angebote zu widmen.

Ganztagsschule: Angesichts der gestiegenen Nachfrage erscheint ein klares pädagogisches Konzept für die Gestaltung der Ganztagsbeschulung erforderlich. Es sollte übergreifende Standards verbindlich machen und zugleich auf die Spezifika der Schulen eingehen.

Übergangssystem: Immer noch mündet über eine Viertelmillion Jugendliche nach dem Schulabschluss zunächst ins Übergangssystem ein. Daher bleibt die Herausforderung der Organisation des Übergangs in die Berufsausbildung – vor allem die inhaltliche Systematisierung und politische Koordinierung des Systems.

Berufs- und Hochschulausbildung: Soll es nicht zu einer Konkurrenz um demografisch bedingt zurückgehende Schulabsolventenzahlen zwischen den beiden großen Ausbildungsbereichen kommen, bedarf es trotz institutioneller Differenzen einer neuen, gemeinsamen Strategie.

Als fünftes zentrales Handlungsfeld nennt der Bildungsbericht die Inklusion von Menschen mit Behinderungen auf allen Stufen und in allen Bereichen des Bildungssystems. Hasselhorn betont: „Die Umsetzung der Inklusion stellt Bildungspolitik und Bildungspraxis vor grundlegende Herausforderungen, insbesondere vor dem Hintergrund bestehender Strukturen und gewachsener Selbstverständnisse.“ Im Schwerpunktkapitel werden die Dimensionen dieses Handlungsfelds thematisiert:

Bildungsteilhabe und Bildungsangebote: Das Bildungssystem trägt dem Grundsatz optimaler Förderung von Menschen mit Behinderungen bislang vor allem mit spezialisierten institutionellen Angeboten Rechnung. Insbesondere im Schulbereich ist zu klären, wo welche Schülerinnen und Schüler inkludiert und wo Sondereinrichtungen zumindest in Teilen beibehalten werden sollten.

Ressourcen: In den einzelnen Institutionen des Bildungssystems besteht ein unterschiedliches Verständnis von Bildung und Lernen und dementsprechend Inklusion. Das Sozialsystem ist wiederum auf Individualansprüche ausgerichtet. Trotz unterschiedlicher Rechtsgrundlagen gilt es, diese Ansätze zu verbinden.

Diagnostik: Zentrale Bedeutung für die Inklusion kommt  der Diagnostik zu. Sie muss unter Beibehaltung professioneller Standards weiterentwickelt werden, um vermehrt zur Unterstützung von Bildungsprozessen genutzt werden zu können. In vielen Bereichen des Bildungssystems wird dies nicht ohne die Entwicklung neuer diagnostischer Werkzeuge möglich sein.

Personal und Qualifikation: Es ist von hoher Bedeutung, das pädagogische Fachpersonal gemäß den Anforderungen eines inklusiven Bildungssystems zu qualifizieren. Das Augenmerk sollte sich darüber hinaus auf den richtigen Einsatz der unterschiedlichen pädagogischen Spezialisierungen und auf die Finanzierung des Personals richten.

Die Mitglieder der Autorengruppe vertreten folgende Einrichtungen: Das DIPF, das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Destatis und StLÄ). Die Erarbeitung des Berichts wird von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Der Bericht zum Download.

 

 

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