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Nachhaltigkeitsberichterstattung aus Sicht der Investoren

Was halten Investoren, Analysten, Wirtschaftsprüfer und Manager von Nachhaltigkeitsberichterstattung. Auf der 17. Konferenz des Deutschen Investor Relations Verbands (DIRK) trafen die unterschiedlichen Akteure aufeinander. Dabei zeigte sich, die Wahrnehmung ist höchst unterschiedlich und man spricht nicht immer die gleiche Sprache.

Frankfurt (csr-news) > Was halten Investoren, Analysten, Wirtschaftsprüfer und Manager von Nachhaltigkeitsberichterstattung. Auf der 17. Konferenz des Deutschen Investor Relations Verbands (DIRK) trafen die unterschiedlichen Akteure aufeinander. Dabei zeigte sich, die Wahrnehmung ist höchst unterschiedlich und man spricht nicht immer die gleiche Sprache.

ESG-Themen gehören heute zu einer professionellen Kapitalmarktkommunikation. An diesem Punkt scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein. Klar ist, dass ESG-Themen eine umfassende Bewertung eines Unternehmens durch externe Analysten erst ermöglichen und auf der anderen Seite hilft sie Unternehmen ihr aktuelles Risikoprofil besser zu bewerten. Doch in welchem Umfang spielt Nachhaltigkeit für Investoren wirklich eine Rolle und welche Informationen benötigen Analysten und Investoren, um diese Nachhaltigkeit überhaupt beurteilen zu können. Fünf Akteure aus dem Finanzumfeld haben diese Themen diskutiert, moderiert von DIRK-Geschäftsführer Kay Bommer. Im Zentrum steht dabei die Frage wie sollte Nachhaltigkeit kommuniziert werden. Reicht der Nachhaltigkeitsbericht bzw. muss es überhaupt einen geben, ist das integrierte Reporting der bessere Weg und was muss überhaupt kommuniziert werden. Felix Schnella, Portofolio-Manager beim Fondsanbieter Ökoworld-Lux sieht im integrierten Reporting eindeutige Vorteile. Gerade für Analysten die ESG-Kriterien nicht im Fokus haben, runden integrierte Berichte das Bild über ein Unternehmen ab und machen wesentliche Aspekte des Risikoprofils teilweise erst sichtbar. Und genau diese Berichte sind Zukunft und Schreckgespenst gleichermaßen. Der Verband DIRK empfiehlt seinen Mitgliedern einen langsamen Einstieg in kleinen Schritten und mit Blick auf die Erfahrungen von First Movern wie SAP. Aber kann es vielleicht ein „zu klein“ geben, fragt Bommer, fallen Unternehmen, die kleine Schritte gehen aus dem Radar der Analysten? Aus Sicht des DWS-Fondsmanagers Gunnar Friede ist das nicht der Fall, wenn es sichtbare Nachhaltigkeitsbemühungen gibt. „Wir schauen uns auch Unternehmen an, die noch nicht so weit sind“, so Friede. „Schließlich wollen wir die Unternehmen auf ihrem Weg auch konstruktiv begleiten“. Dennoch kann es für Unternehmen schwierig werden, wenn sie sich dem Thema Nachhaltigkeit verweigern. Bommer gibt zu bedenken, dass in manchen Firmen eine einfache Kosten-Nutzen-Überlegung angestellt wird, und denen dann der Aufwand für ein umfangreiches Nachhaltigkeitsreporting für sehr wenige Investoren zu hoch ist. Gibt es die wirklich? Friede ist skeptisch und verweist auf eine sich verschiebende Investorenbasis. „Wir haben immer mehr Pensions- und Staatsfonds aber auch andere passive Investoren, die sich an Unternehmen beteiligen“, so Friede. „Und die haben klare Vorstellungen, wie sich ein Unternehmen verhalten soll“. Insofern ist für Friede Nachhaltigkeit im Investorenbereich längst Mainstream geworden, „auch wenn es nicht immer bemerkt wurde“.

Das ist vielleicht nicht in jedem Unternehmen angekommen, denn noch immer sind in zahlreichen Investorenpräsentationen keine ESG-Themen zu finden. Und nicht nur dort. Für die Analysten ist es wichtig, das Nachhaltigkeit ein Thema des Top-Managements ist. Ist das nicht der Fall, so ist beispielsweise Friede überzeugt, dann wird Nachhaltigkeit nicht glaubwürdig präsentiert und das sieht man mitunter sogar den Nachhaltigkeitsberichten an. Sichtbar wird die Integration von ESG-Themen auch bei der Vergütungsstruktur. Friede: „Da passt dann einfach alles nicht zusammen“. Deutlich wird das Manko auch, wenn Unternehmen zwar materielle Aspekte erkennen, dafür aber keine Ziele formulieren und Prognosen wagen. Friede: „Das sehe ich bislang noch bei keinem Unternehmen“. Ganz ähnlich ergeht es Marcus Pratsch, Nachhaltigkeitsanalyst bei der DZ-Bank. Für ihn ist Nachhaltigkeit kein Weltverbesserungsthema, sondern ein Kapitalmarktthema. Pratsch: „Nachhaltigkeit ist Teil der Equity-Story“. In der Folge wird bei der DZ-Bank für jedes analysierte Unternehmen auch eine Nachhaltigkeitsbewertung angefertigt. Pratsch wünscht sich von der Nachhaltigkeitsberichterstattung, dass sie in der Sprache der Kapitalmärkte verfasst ist, auch um die strategische Verankerung zu verdeutlichen. Ihm geht es um klare, nachvollziehbare Fakten und Prognosen idealerweise auch mit Vergleichszahlen aus vorherigen Berichten. Aber auch Pratsch kann von Vorfällen berichten, in denen Unternehmen zwar umfangreich über Nachhaltigkeit berichten, Nachfragen beim Vorstand während eines Analystenmeetings allerdings unbeantwortet bleiben. Stefan J. Rüter, IR-Manager bei Fraport wundert sich allerdings darüber, dass ESG-Themen auf seinen Analysten-Meetings praktisch nie angesprochen werden. Er sieht die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsberichterstattung, allerdings nicht unbedingt im Zusammenhang mit Investor Relations. Für Fraport hat das Nachhaltigkeitsengagement vor allem im Umfeld des Flughafens seine Wirkung entfalten können. Dafür ist allerdings ein hoher Aufwand nötig, wie Rüter anmerkt. Bei Fraport sind alleine 4-5 FTEs (Full-time-equivalent) nur für die Bearbeitung der Ratinganfragen nötig. Dazu kommen 4 Personen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und dann noch weitere Mitarbeiter für die Datenerfassung. Nicht berücksichtigt ist dabei der Aufwand beispielsweise in der Lieferkette. Rüter: „Das hat kein Ende und am Ende des Tages wollen wir ja noch wertschaffend sein“. Dem stimmt Bommer mit dem abschließend Satz zu: „Der ökonomische Erfolg darf nicht gefährdet werden“.

Im Zusammenhang mit der Konferenz hat der DIRK einen Leitfaden zur „Nachhaltigkeit in der Kapitalmarktkommunikation“ vorgestellt. Dieser wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht und steht im Internet zum Download zur Verfügung.