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Greenpeace: Organisationsumbau als Hintergrund der verzockten Millionen

Die bei Währungsgeschäften verzockten Millionen haben der Umweltschutzorganisation Greenpeace einen erheblichen Imageschaden eingebrockt. Innerhalb weniger Tage habe die deutsche Sektion, die die meisten Spenden und Beiträge einsammelt, 700 Unterstützer verloren, berichtet der “Spiegel” in seiner neuen Ausgabe. Nach eigenen Angaben hatte Greenpeace Deutschland im vergangenen Jahr knapp 592.000 Förderer und Spender. Greenpeace Schweiz, ebenfalls finanzstark, schrieb in einem Rundbrief an die Unterstützer von Bestürzung und Wut und bat “aus tiefstem Herzen um Entschuldigung”.

Hamburg (afp/csr-news) – Die bei Währungsgeschäften verzockten Millionen haben der Umweltschutzorganisation Greenpeace einen erheblichen Imageschaden eingebrockt. Innerhalb weniger Tage habe die deutsche Sektion, die die meisten Spenden und Beiträge einsammelt, 700 Unterstützer verloren, berichtet der “Spiegel” in seiner neuen Ausgabe. Nach eigenen Angaben hatte Greenpeace Deutschland im vergangenen Jahr knapp 592.000 Förderer und Spender. Greenpeace Schweiz, ebenfalls finanzstark, schrieb in einem Rundbrief an die Unterstützer von Bestürzung und Wut und bat “aus tiefstem Herzen um Entschuldigung”.

Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung hatte im Alleingang und unter Umgehung von Vorschriften bereits ab 2013 Devisenterminkontrakte im Gesamtvolumen von 59 Millionen Euro abgeschlossen, um Währungsrisiken für Greenpeace zu minimieren. Als ein Teil der Kontrakte fällig wurde, war Europas Währung anders als erwartet im Vergleich zu vielen anderen gestiegen. Die Umweltschutzorganisation bezifferte den Verlust vor einer Woche auf 3,8 Millionen Euro. Die riskanten Verträge seien vom Greenpeace International-Management im August 2013 entdeckt und einer rechtlichen Prüfung unterzogen worden. Greenpeace Deutschland erfuhr im März 2014 von den Verlusten, als diese bereits bilanziert waren, so der „Spiegel“. Eine Information an Förderer oder die Öffentlichkeit unterblieb jedoch und der Vorgang wurde erst durch die Presse publik.

Laut “Spiegel” steckt hinter der Affäre weit mehr als nur der folgenschwere Fehler eines Einzelnen. Die gesamte Organisation befinde sich im Umbruch, schreibt das Magazin. Greenpeace-Chef Kumi Naidoo wolle den Schwerpunkt der Arbeit, der traditionell in den Industrieländern lag, in Länder wie Brasilien, China, Indien und nach Afrika verlegen und in den aufstrebenden Ökonomien ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen. „Wir müssen in den Schwellenländern ein Verständnis schaffen, dass wir die Erde verlieren, wenn sie dem Vorbild der Industrieländern folgen“, zitiert der „Spiegel“ den Greenpeace-Chef. Kampagnen sollen nicht mehr zentral von Amsterdam geleitet, sondern an Landesbüros delegiert werden. Im Amsterdamer Hauptquartier sollen nach dem Bericht viele der 150 Stellen abgebaut werden. Greenpeace habe 2012 weltweit ein Drittel seiner Ausgaben – etwa 90 Millionen Euro – für Fundraising eingesetzt. Über einen Großteil dieser Ausgaben würden zukünftig die Landesgesellschaften entscheiden, so das Magazin. Greenpeace ist mit etwa 2.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern tätig.

Bei Greenpeace Deutschland wehren sich dem “Spiegel”-Bericht zufolge Aktivisten gegen die Neuordnung. Sie fürchten, dass sie daheim an Schlagkraft verlieren und weniger eigene Akzente setzten können, wenn sie vorwiegend international eingesetzt werden. Dazu erklärte die Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, Brigitte Behrens, heute in einem Pressestatement: „Wir sind im ersten Jahr eines zwei- bis dreijährigen Transformationsprozesses. Es ist normal, dass es dabei Skepsis und Schwierigkeiten gab und teilweise noch immer gibt.“ Der aktuelle Millionen-Verlust habe an sich nichts mit dem Umbau zu tun, wohl aber, dass dieser nicht schnell genug aufgeklärt wurde, heißt es in dem Statement weiter.