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Hartz legt Konzept gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa vor

Elf Jahre nach Inkrafttreten der nach ihm benannten Arbeitsmarktreformen in Deutschland hat Peter Hartz sich das Problem der Jugendarbeitslosigkeit in Europa vorgenommen.

Saarbrücken (afp) – Elf Jahre nach Inkrafttreten der nach ihm benannten Arbeitsmarktreformen in Deutschland hat Peter Hartz sich das Problem der Jugendarbeitslosigkeit in Europa vorgenommen. Hartz stellte am Montag in Saarbrücken ein Konzept vor, das mehr junge Leute in Europa in Jobs bringen soll. Grundidee sind die individuelle Förderung und die temporäre Vermittlung junger Arbeitssuchender in andere europäische Länder.

Im Schnitt bei 18,8 Prozent lag 2013 laut Statistikbehörde Eurostat die Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union, im Euro-Raum waren es sogar 20,2 Prozent. Dieses Problem will Hartz angehen. Über fünf Millionen junger Leute in Europa seien ohne Job, dabei sei Europa “so reich, hat so viele Ressourcen”, sagte Hartz zum Auftakt einer dreitägigen Konferenz über seine “Europatriates” genannte Initiative, mit der die Expertenrunde um den 72-Jährigen diese Ressourcen heben will.

Ziel des Programms ist, dass sich Jugendliche mithilfe einer Talentdiagnostik ihrer Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen bewusst werden. Parallel dazu hätten die Forscher ein System entwickelt, das den Bedarf an festgelegten Dienstleistungsberufen in einzelnen europäischen Regionen ermittle. So soll später ein Jugendlicher temporär auf einen passenden Arbeitsplatz in einem anderen Land vermittelt werden können. Entsprechende dazu nötige Netzwerke sind den Angaben zufolge aber erst im Aufbau. Im Gastland könnten die Jugendlichen dann Berufserfahrung sammeln, die sich später im eigenen Land einsetzen könnten, beschrieb Hartz.

“Wir investieren dabei nicht nur in die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, sondern darin, dass Europa europäischer wird”, sagte der emeritierte Psychologieprofessor Hilarion Petzold, der an dem Konzept mitgearbeitet hat. Wenn die Gesellschaft die “Intelligenzkapaziäten” ihrer jungen Leute hingegen nicht nutze, entstehe auch ein volkswirtschaftlicher Schaden. Wertschöpfung gehe verloren und die öffentliche Hand werde durch Arbeitslose zusätzlich belastet.

Von Seiten der Europäischen Kommission gebe es derzeit Summen um die “sechs oder neun Milliarden Euro”, um der Jugendarbeitslosigkeit entgegenzutreten, sagte Hartz. “Das ist eine große Zahl. Aber wenn Sie das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lösen wollen, dann brauchen Sie ganz andere Summen, ganz andere Ressourcen”, sagte der ehemalige Volkswagen-Manager. Seine Expertenrunde sei auf eine Summe von etwa 215 Milliarden Euro gekommen. In Deutschland seien dabei 13,52 Milliarden Euro nötig, um die Arbeitslosigkeit der Unter-25-Jährigen zu beseitigen.

Im “Europatriates”-Konzept soll das Geld zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit über ein neues Wertpapier eingetrieben werden, mit dem Ausbildungszeit verbrieft werden soll. Das Papier solle wie eine Art “moderner Schatzbrief” funktionieren, erklärte Hartz. “Damit wäre die Finanzindustrie mit im Boot und man könnte so die Finanzierung sicherstellen”, sagte er. Details zu dem Finanzprodukt sollten auf dem Kongress erörtert werden.

Initiator des Programms ist die Stiftung SHS Foundation. In ihrem Auftrag hatten die Fachleute um Hartz ihr Konzept erarbeitet. Zum Auftakt des Kongresses wurden für Montag unter anderem EU-Sozialkommissar Laszlo Andor, Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, erwartet. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.