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Mehr Deutsche arbeiten jenseits des 65. Lebensjahres

Die Zahl der Deutschen, die im Rentenalter weiter arbeiten, steigt spürbar an. Von 2003 bis 2013 erhöhte sich die Zahl der über 65-jährigen Minijobber von rund 560.000 auf knapp 830.000.

Berlin (afp) – Die Zahl der Deutschen, die im Rentenalter weiter arbeiten, steigt spürbar an. Von 2003 bis 2013 erhöhte sich die Zahl der über 65-jährigen Minijobber von rund 560.000 auf knapp 830.000, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht, die AFP am Dienstag vorlagen. Der Sozialverband VdK sprach von einem “deutlichen Hinweis auf die wachsende Altersarmut”.

Fast 137.000 Minijobber waren im Jahr 2013 sogar älter als 74 Jahre, zehn Jahre zuvor waren es erst gut 71.400, wie die Antwort der BA auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann weiter ergab. Auch die Zahl der über 65-Jährigen in sozialversicherungspflichtigen Jobs stieg demnach deutlich an. Sie erhöhte sich von knapp 110.400 auf gut 183.400 im Jahr 2013.

Zimmermann erklärte die Zunahme der älteren Beschäftigten damit, dass die gesetzliche Rente immer häufiger nicht mehr die Existenz sichere. Der durchschnittliche Zahlbetrag bei den Altersgrenzen habe bei Neurentnern im Jahr 2013 nur noch 913 Euro betragen, bei Frauen liege die Rente im Schnitt unter dem Niveau der Grundsicherung im Alter. “Der weitaus überwiegende Teil der älteren Menschen dürfte nicht zum Spaß und Zeitvertreiben nach Erreichen des Rentenalters weiterarbeiten, sondern aus purer finanzieller Not”, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion.

VdK-Präsidentin Ulrike Mascher erklärte am Dienstag, die Zahlen zeigten, “dass immer mehr Menschen Probleme haben, mit ihrer Rente auszukommen und mit Hilfe von Minijobs versuchen, sich finanziell über Wasser zu halten”. Die Bundesregierung darf das Problem der Altersarmut nicht länger kleinreden, forderte Mascher.

Derweil wurde bekannt, dass das Bundesarbeitsministerium mit weiter steigenden Kosten für die Sicherung der Existenz alter Menschen rechnet. Das geht aus der Aufstellung des Haushalts für 2014 und aus Antworten des Ministeriums auf eine Linken-Anfrage hervor, wie die “Süddeutsche Zeitung” am Dienstag berichtete. Demnach wird erwartet, dass die Kosten für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung von voraussichtlich 5,493 Milliarden Euro in diesem Jahr bis 2018 auf 7,154 Milliarden Euro steigen.

Die Bundesregierung kalkuliert dabei, dass die Ausgaben wie in den vergangenen fünf Jahren um jährlich sieben Prozent steigen. Ein Sprecher des Arbeitsministeriums sagte der Zeitung: “Der Finanzplan geht nicht von einem deutlichen Anstieg der Altersarmut aus.” Ein Hauptgrund für die höheren Ausgaben sei die demografische Entwicklung.

Der rentenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Matthias Birkwald, wertete den Anstieg der Zahlen dagegen als alarmierend. “Das Rentenpaket ändert nichts an der deutlich hörbar heran rauschenden Welle neuer Altersarmut”, erklärte Birkwald. Das allgemeine Rentenniveau werde im Gegenteil noch tiefer sinken.

Das Rentenpaket der großen Koalition tritt am 1. Juli in Kraft. Es sieht unter anderem die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren, mehr Rente für ältere Mütter und die Flexirente vor, die Arbeitnehmern ermöglichen soll, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten.

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