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Aufstand im Schönheitssalon: In Paris streiken Frauen wegen erbärmlicher Arbeitsbedingungen

Hinter den Fassaden der Schönheitssalons im Viertel Château d’Eau im Zentrum von Paris brodelt es: “Wir hatten Angst zu protestieren, weil wir keine Papiere haben”, berichtet eine 24-jährige Frau aus der Elfenbeinküste. “Aber wir haben gemerkt, dass es nicht gefährlich ist.” Seither breitet sich die Revolte unter den Arbeiterinnen in den Salons, die sich auf Schönheitsangebote für schwarze Frauen spezialisiert haben, unablässig aus.

Paris (afp) – Hinter den Fassaden der Schönheitssalons im Viertel Château d’Eau im Zentrum von Paris brodelt es: “Wir hatten Angst zu protestieren, weil wir keine Papiere haben”, berichtet eine 24-jährige Frau aus der Elfenbeinküste. “Aber wir haben gemerkt, dass es nicht gefährlich ist.” Seither breitet sich die Revolte unter den Arbeiterinnen in den Salons, die sich auf Schönheitsangebote für schwarze Frauen spezialisiert haben, unablässig aus. Denn die meisten Frauen hier arbeiten unter erbärmlichen Bedingen für einen Hungerlohn.

Von Charlotte Plantive

Auf den Bürgersteigen vor den etwa 150 Schönheitssalons in der Nähe von Ost- und auch Nordbahnhof in Paris ist von dem Aufstand erst einmal nicht viel zu merken: “Madame, eine Maniküre? Zöpfe? Strähnchen?” Wie eh und je wird offensiv um Kundinnen geworben, um sie in die Salons “Afro King”, “Suprême White” oder “Dallas Afro Beauté” zu lotsen. Aus ganz Frankreich kommen schwarze Frauen hierher, um sich besondere Frisuren oder die Fingernägel machen zu lassen. Die Aufgaben sind dabei klar aufgeteilt: Die Afrikanerinnen sind für die Frisuren zuständig, die Chinesinnen für Fingernägel und Augenbrauen.

“Viele Läden halten die Vorschriften nicht ein”, klagt Bezirksbürgermeister Rémi Féraud. Er meint damit nicht nur die Belästigung von Passanten auf dem Bürgersteig, sondern vor allem die Schwarzarbeit, den Einsatz von illegalen Einwanderern in den Salons und die “Ausbeutung der Angestellten”.

Die in den Friseursalons arbeitenden Frauen werden pro Aufgabe bezahlt, was ohnehin illegal ist. Die Friseusen verdienen so zwischen 400 und 1000 Euro monatlich, arbeiten sieben Tage in der Woche, von früh bis spät. Doch inzwischen formiert sich Widerstand gegen diese Arbeitsbedingungen, unterstützt von den französischen Gewerkschaften.

Begonnen hatten die Revolte rund ein Dutzend Chinesinnen, die das herrschende Gesetz des Schweigens durchbrachen. Nachdem sie jahrelang für einen Hungerlohn in den Ausdünstungen von Nagellack und Nagellack-Entfernern gearbeitet hatten, gingen sie Ende Dezember auf die Barrikaden, als ihr Chef überhaupt nichts mehr zahlte. Eine von ihnen nahm Kontakt zur Gewerkschaft CGT auf. Zwei Monate lang besetzten sie das Gelände. Der Salonbetreiber machte sich zwar aus dem Staub, aber acht Frauen und ein Mann bekamen am Ende im April reguläre Papiere.

Einige Wochen später legten etwa 20 Angestellte in einem Schönheitssalon ganz in der Nähe ihre Bürsten und Scheren nieder. Diesmal unterzeichnete der Chef schließlich Arbeitsverträge für alle seine Angestellten. “Jetzt haben wir Arbeitszeiten, ein Gehalt, wir sind glücklich”, sagt eine Frau aus Guinea.

Diese Verträge sind offiziell freilich nicht viel Wert. “Um dauerhaft aus der Schwarzarbeit zu kommen, muss die Polizeipräfektur ihren Aufenthalt legalisieren”, mahnt Patrick Picard von der Gewerkschaft CGT an.

Auch Bezirksbürgermeister Féraud macht Druck in diese Richtung: “Zum ersten Mal protestieren die Angestellten. Das ist eine echte Chance, damit sich in dem Viertel etwas ändert. Der Staat muss sie unterstützen.”

Bei der Polizei aber hält man sich an die Vorschriften: Um offizielle Papiere zu bekommen, muss der Betroffene seit fünf Jahren in Frankreich leben und eine Gehaltsbescheinigung nachweisen können. Nur wenige erfüllen diese Bedingungen.

Trotzdem freut sich Féraud, denn Ende Juni ist ein erstes Treffen mit Betreibern von Schönheitssalons im Beisein der Arbeitsaufsicht und der CGT geplant, um mögliche Änderungen auszuloten. An einen radikalen Wandel glaubt freilich niemand, denn selbst unter den Arbeiterinnen in den Salons unterstützen beileibe nicht alle die Streikbewegung, wie eine der Frauen sagt: “In anderen Läden wirft man uns vor, das Viertel Château d’Eau kaputt zu machen.”