Nachrichten

BfN legt ersten „Grünland-Report“ vor

Berlin/Bonn (csr-news) > Erst gestern hat die Michael Otto Stiftung eine Studie zum Artenverlust veröffentlicht und dabei die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft als wichtige Ursache ausgemacht. Heute legt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit seinem ersten Grünland-Report nach und kommt darin zu ähnlichen Erkenntnissen. In den Jahren 2009 bis 2013 hat das Grünland mit hohem Naturwert einen besorgniserregenden flächenmäßigen Verlust erlitten, heißt es da. Es ging bundesweit um 7,4 Prozent (82.000 ha) durch Intensivierung der Nutzung oder Umbruch zurück. „Diese drastische Abnahme ist für den Naturschutz kritisch. Sie zeigt, dass die bisherigen Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft und insbesondere des artenreichen Grünlands nicht die beabsichtigte Wirkung hatten“, sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) bei der Präsentation des Reports. Anlass zur Sorge gibt dabei nicht nur der quantitative Rückgang des Grünlands, sondern auch die qualitative Verschlechterung: Durch Intensivierung der Landwirtschaft nehmen Intensivwiesen und Mähweiden gegenüber biologisch vielfältigeren Grünlandflächen immer höheren Flächenanteile ein. „Wenn wir den Rückgang des Grünlandes und den damit verbundenen Verlust von Pflanzen- und Tierarten aufhalten wollen, dann brauchen wir eine nationale Grünlandstrategie mit einem flächendeckenden Grünlanderhaltungsgebot in Deutschland und ein Umschwenken in der Agrarförderpolitik. Nachdem auf EU-Ebene die Weichen gestellt sind, sind hier jetzt vor allem die Bundesländer bei der laufenden Ausgestaltung ihrer Agrarumweltprogramme gefordert“, so Beate Jessel.

Nach Ansicht des BfN sollte insbesondere in FFH- und Vogelschutzgebieten sowie in weiteren sensiblen Gebieten (z.B. kohlenstoffreiche und erosionsgefährdete Gebiete) das Grünland unter strengen Schutz gestellt und eine Grünlandumwandlung bundesweit untersagt werden. Vor allem in Flussauen und auf Moorböden sollte ein generelles Grünlandumbruchverbot gelten. Bestehende Ackernutzungen in solchen Gebieten sind schrittweise in Dauergrünlandnutzung zu überführen. Ebenso setzt sich das BfN für eine bessere Förderung von Wanderschäfereien ein, um extensive Grünlandtypen wie Wacholderheiden, die von einer Beweidung abhängig sind, zu erhalten. Denn Grünland hat vielfältige Bedeutung für Erholung und Landschaftsbild, den Erhalt der biologischen Vielfalt und den Naturhaushalt (z.B. Bodenschutz). Vielfach unbekannt sind die positiven Wirkungen des Grünlandes für den Schutz des Klimas. Es wirkt für den Klimaschutz in zweierlei Weise. Zum einen hat Grünland eine bedeutende Rückhaltefunktion für Kohlenstoff. So werden in nur zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche (vorwiegend Grünland) mehr als 35 Prozent der gesamten Kohlenstoffvorräte landwirtschaftlicher Böden in Deutschland gespeichert. Andererseits hat Grünland auch eine CO2-Senkenfunktion inne. Bei einer Neuanlage von Grünland wird zwar wieder Kohlenstoff im Boden gebunden, jedoch ist die Festsetzungsrate im Boden nur etwa halb so groß wie die Freisetzungsrate bei Umbruch. „Die Neuanlage einer gleich großen Fläche als Ausgleich für einen Grünlandumbruch stellt aus Klima- wie Naturschutzgesichtspunkten somit keine ausreichende Option dar. Vielmehr müssen wir unsere Anstrengungen auf den Erhalt der bestehenden Grünlandstandorte konzentrieren“, fordert Jessel. Dem BfN zufolge müssen durch die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU insbesondere „dunkelgrüne“ Agrarumweltmaßnahmen (AUM), die einen echten Mehrwert für die biologische Vielfalt haben, von den Bundesländern gefördert und besonders honoriert werden. Um dabei hochwertiges Grünland zu erhalten, sollten staatliche Zahlungen auch stärker an positive Wirkungen für das Grünland mit hohem Naturwert gekoppelt werden. Die AUM-Förderung sollte außerdem die Erhaltung und Entwicklung von Saumstrukturen beinhalten, die für den Erhalt der biologischen Vielfalt von sehr großer Bedeutung ist.

Hinterlassen Sie einen Kommentar