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Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie: Auswirkungen auf den Firmenwert

Die Reputationsrisiken in der Textilindustrie sind gewaltig, das haben Primark und Puma in den vergangenen Wochen erneut gezeigt. Ursache der meisten Skandale ist soziales und ökologisches Fehlverhalten in der Lieferkette. Hat das Auswirkungen auf den Wert eines Unternehmens? Die Analysten der Bank Safra J. Sarasin haben die Lieferkette unter diesem Aspekt näher beleuchtet.

Basel (csr-news) > Die Reputationsrisiken in der Textilindustrie sind gewaltig, das haben Primark und Puma in den vergangenen Wochen erneut gezeigt. Ursache der meisten Skandale ist soziales und ökologisches Fehlverhalten in der Lieferkette. Hat das Auswirkungen auf den Wert eines Unternehmens? Die Analysten der Bank Safra J. Sarasin haben die Lieferkette unter diesem Aspekt näher beleuchtet.

Die Lieferkette ist und bleibt eine große Herausforderung für die Unternehmen der Bekleidungsindustrie. Einzelne Hersteller haben mehr als 1.000 Lieferanten in Dutzenden Ländern. Die Wertschöpfungskette reicht über mindestens 5-6 Stufen, angefangen von der Baumwollernte, über Veredelungs- und Bearbeitungsschritte bis zum Verkauf. Einzelne Aspekte eines Kleidungsstücks wie etwa Knöpfe noch gar nicht berücksichtigt. Aber die Probleme in den Lieferketten haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Ging es früher darum die Produkte hauptsächlich günstig in ordentlicher Qualität einzukaufen, so sind heute zahlreiche weitere Aspekte zu berücksichtigen. „Neben einer höheren Innovationsgeschwindigkeit und einer kürzeren Produkteinführungszeit bestehen zunehmend Ansprüche der Kunden bezüglich der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in der Produktion“, schreiben die Analysten. Die Verantwortung der Unternehmen geht dabei oftmals weit über den möglichen Kontrollrahmen hinaus. Hinzu kommen die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten. Die Regierungen der Produktionsländer sind nicht wirklich an einer Erhöhung der Arbeitskosten interessiert, schließlich lauert dann die Gefahr der Abwanderung in andere Länder. Gleichzeitig haben sie ein Interesse daran möglich stabile Produktionsbedingungen zu bieten, Streiks und Unruhen sind schließlich ebenso schädlich fürs Geschäft. Auf der anderen Seite sind Konsumenten mit preislichen Präferenzen und Aktionäre die Rendite sehen wollen. Die Analysten gehen dennoch davon aus, dass die Textilproduktion auch weiterhin in den sogenannten Billiglohnländern stattfindet und die Hersteller damit auch weiterhin den Produktions- und Reputationsrisiken ausgesetzt sind. Aber auch der Druck, die Wertschöpfungskette nachhaltig zu gestalten wird weiter zunehmen. Die Unternehmen werden weiterhin einem hohen Kostendruck ausgesetzt sein, so ein Fazit der Analysten, sie müssen aber auf die veränderten Bedingungen reagieren. „Gewinner werden diejenigen Gesellschaften sein, die über genügend Preissetzungsmacht verfügen, u.a. dank Marken oder Innovationsfähigkeit, und/oder denen es gelingt, einen Prozess zu etablieren, der nicht nur auf tiefen Arbeits- und Produktionskosten abstellt, sondern weitere Elemente berücksichtigt“. Dazu gehört beispielsweise die Einbeziehung von Lieferanten in den Beschaffungsprozess und die Unterstützung bei der Einhaltung von Arbeits- und Sicherheitsstandards.

Und das lohnt sich, wie die Analysten berechnet haben. Auf mittlere Sicht sind Unternehmen, die sich nicht auf die veränderten Bedingungen einstellen und ihre Prozesse entsprechend nachhaltig gestalten, die Verlierer. Zum einen laufen sie Gefahr, hohe Schäden zu erlangen, etwa beim Image oder durch entgangene Umsätze, auf der anderen Seite entgehen ihnen aber auch Vorteile, beispielsweise durch eine flexiblere und effizientere Produktion. Allerdings sind solche Auswirkungen kaum messbar, wie die Analysten einräumen. Dennoch lassen sich die Auswirkungen von Schadensereignissen auf den Unternehmenswert darstellen. Die Studie spricht von kontroversen Ereignissen und meint damit Unfälle in Fabriken, die Nichteinhaltung von Standards oder die Beschaffung aus problematischen Ländern. Die Analysten haben die Aktienkurse der drei Sportartikelhersteller Adidas, Nike und Asics untersucht, insbesondere die Auswirkungen durch 24 signifikante Ereignisse, beispielsweise die Rana Plaza Katastrophe in Bangladesh. Alleine durch dieses Ereignis sind Folgekosten in Höhe von rund 4 Milliarden US-Dollar entstanden, durch direkte Reparatur- und Umbaukosten aber auch indirekt durch die Erhöhung der Mindestlöhne. Das entspricht immerhin rund 18 Prozent der jährlichen Textilexporte aus Bangladesh. Tatsächlich lassen sich in zahlreichen Fällen direkte Auswirkungen auf die Aktienkurse belegen. In den folgenden 2 – 4 Wochen nach einem Ereignis befanden sich die Aktienkurse der drei Unternehmen, entgegen der Entwicklung des Marktindexes, in einer Abwärtsbewegung. Aber es gab auch Ereignisse ohne oder ohne signifikante Auswirkungen. Gemessen an dem geringen Anteil der Produktionskosten beispielsweise bei einem T-Shirt, sind die Risiken dennoch enorm.

Sarasin